Mystisch. Der Schwarzwald ist reich an Sagen und Legenden, die heute noch lebendig sind. Sie erzählen von magischen Kräften und von Geistern und spiegeln die enge Verbindung zur Natur wider.

Bollenhut 14 Wollbollen zieren ihn. Ihre Farben haben symbolische Bedeutung: Rot für unverheiratete Frauen, Schwarz für verheiratete (iStock-mheim3011)
Schwarzwälder Kirschtorte Die Farben Schwarz (Schokoböden & Raspeln), Weiß (Sahne) und Rot (Kirschen) erinnern an die Trachten des Schwarzwalds. Nur echt, wenn sie ordentlich nach Kirschwasser schmeckt (Foto: pexels-janine-speidel)
Natur pur Biosphärengebiet, Nationalpark oder Naturpark – der Schwarzwald bietet mit diesen drei Schutzgebieten ein Mosaik aus unberührter Wildnis und gestalteter Kulturlandschaft (Foto: iStock-marc-chesneau)
Kuckucksuhr Die erste ihrer Art wurde 1737 in Schönwald von Uhrmacher Franz Ketterer gebaut. Heute gibt es sie von klassisch bis poppig-modern (Foto:shutterstock_I-amar-prestar-aen)

Die beliebte Ferienregion im Südwesten Deutschlands bringt die Augen von Naturliebhabern, Feinschmeckern, Wanderern, Radsportlern und Wellnessfans schon lange zum Leuchten. Mittlerweile hat sich der Schwarzwald zu einem Tourismusmagneten entwickelt. 2024 kamen mehr als neun Millionen Besucher, die Zahl der ausländischen Gäste steigt. Lieblingsregion ist und bleibt der Hochschwarzwald im Süden mit dem höchsten Gipfel, dem 1493 Meter hohen Feldberg, gefolgt vom Nord- und dem mittleren Schwarzwald. Auch für immer mehr junge Menschen ist er attraktiv geworden ist. Neue frische Hotelkonzepte sowie spannende Naturerlebnisse mit garantiertem Adrenalin-Kick kommen an: etwa Trekking-Camps, Siplines, Young Explorer Programme, Kletterwälder, Mountain- und Gravelbike-Strecken …
Wer’s etwas beschaulicher mag, der pickt sich aus den 23 000 Kilometern an Themen-Wanderwegen ganz nach Gusto und Kondition den passenden aus. Soll’s ein Rundweg sein, soll er zu einem See führen, hoch hinausgehen oder zu einer bewirtschafteten Hütte mit bester Aussicht? Unterwegs kommt man meist vorbei an stattlichen Schwarzwaldhöfen, die tief ihr Dach ins Gesicht ziehen. Man entdeckt private Bierbrauer und traditionsreiche Brauereien wie Rothaus in St. Blasien, Schnapsbrenner, Kuckucksuhr-Macher und Schwarzwälder Tortenbäcker. Dass der Schwarzwald eine Genussregion par excellence ist, wissen Genießer mit besonders erlesenem Geschmack längst. Für Gourmets aus aller Welt gibt es nämlich eine Top-Adresse: das Sterne-Dorf Baiersbronn, Heimat von drei gefeierten Sterneköchen. Schwarzwald-Krimi-Gucker können rund um die Drehorte Freudenstadt und Freiburg auf Spurensuche gehen.


(Foto: www.KLAUS-HANSEN.DE GERMANY)

Seensucht

Seen gibt es im Schwarzwald reichlich Als Karsee, Stausee oder Natursee laden sie zu vielerlei Aktivitäten ein: Zu Uferspaziergängen und Rundwanderungen, zum Baden, Wassersport, Angeln – und natürlich zum Genießen der malerischen Naturkulisse in sattem Grün plus frischer, prickelnder Schwarzwaldluft. Der Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße nahe Baden-Baden gilt inzwischen auch als „Rummelsee“. Dennoch: dieser tiefdunkle, mystische Karsee, in dem der Sage nach Nixen und der Mummelseegeist leben, ist einen Besuch wert. Im südlichen Schwarzwald sind Titisee und Schluchsee beliebte Ausflugsziele. Der Titisee, in der Eiszeit durch den Feldberggletscher entstanden, zählt mit seiner Seestraße zu den bekanntesten Ausflugszielen in Deutschland.
Der größte See im gesamten Schwarzwald ist der Schluchsee. Hier gibt es sogar eine Segelschule, ein Strandbad sowie Kanu- und SUP-Verleih. www.schwarzwald-tourismus.info

(Foto: iStock-_Harald007)

Der Geschmack von Heimat

Schwarzwälder Schinken Neben der Schwarzwälder Kirschtorte ist dies eine weitere Spezialität der Region. Der echte darf nur in der Region hergestellt werden und wird über Tannen- und Buchenholz geräuchert. Je länger, desto delikater ist sein Aroma. Er gehört auf einen typischen Vesperteller. Dazu schmeckt ein herb-frisches Tannenzäpfle-Bier.

(Foto:iStock-RR-Photos)

Hoch hinauf

Der Feldberg mit 1493 Metern ist die höchste Erhebung im Schwarzwald, während der TK Elevator Testturm von Thyssen-Krupp in Rottweil mit 232 Metern die höchste Besucherplattform Deutschlands bietet und eine herrliche Sicht bis zu den Alpen. Im Nordschwarzwald ist der Hornisgrindeturm (zirka 1154 Meter) der höchste Aussichtsturm.

Der Baumwipfelpfad in Bad Wildbad ist ein spektatuläres Erlebnis für Groß und Klein. Auf 1250 Metern und bis zu 20 Meter über dem Waldboden schlängelt er sich durch Buchen, Tannen und Fichten. Highlight ist der Turm mit seiner luftigen Architektur und einer 55 Meter langen Rutsche. Die Aussichtsplattform befindet sich auf 804 Meter.

(Foto:iStock_emson)

Unsere Lieblinge – so typisch

Jung und Wild Die Fotografien von Sebastian Wehrle
entstauben das Image des Schwarzwalds. Kissenbezug, 24,95 €, www.artwood.de
Wenn der Kuckuck ruft dann hängt an der Wand vielleicht ein typischer Schwarzwälder Zeitmesser der Manufaktur Rombach und Haas. Es gibt sie in allen Preisklassen, traditionell und auch modern. www.romba-shop.de
Objekt der Begierde Ein echtes Sammlerstück und Must-have für jeden Schwarzwald-Fan: die Playmobil-Figur „Schwarzwald Marie“ mit Bollenhut und Kirschtorte, für die das Rezept beiliegt. 5,99 €. www.playmobil.com
Schmökern und Schmunzeln Bunte Infografiken zeigen Kurioses und Wissenswertes über die Region, augenzwinkernd und mit Aha-Effekt. „Total alles …“ ist eigentlich ein „Bilderbuch“. Folio Verlag, 2025, 112 Seiten, 22 €.
Lieblingsregion Die Autorin nimmt einen im Reise-Taschenbuch mit in „ihren“ Schwarzwald, im Süden wie im Norden. Auf tolle Touren und zu vielen Lieblingsorten. Mairdumont, 2025, 296 Seiten, 19,95 €.
Tapas à la schwarzwald Badisch-schwäbische „Kleinerle“ – der dritte Tapas-Streich vom Schwarzwälder Koch-Duo Scheidel/Wassmer. Die 130 neuen herzhaften Heimathäppchen machen Appetit und sind ein Fest für Augen und Gaumen. Verlag cook & shoot, 2025, 248 Seiten, 29,80 €.

Wander-Genuss

Über 50 Genießerpfade gibt es im gesamten Schwarzwald.

Sie führen als Halbtages- oder Tagestouren durch besonders attraktive Landschaften. An Seen und Wasserfällen vorbei, durch mystische Schluchten und versprechen zusätzlich kulinarische Anreize. Das können „Schnapsbrünnle“, Obststationen oder besondere Genuss-Highlights sein.

Einer dieser Genießerpfade ist der knapp 12 Kilometer lange „Lebküchlerweg“. Diese aussichtsreiche Route ist dem traditionellen Todtmooser Lebkuchen gewidmet. Sie führt in die unberührte Natur des Südschwarzwaldes rund um Todtmoos zu den schönsten Plätzen in der Region. Dazu zählen wildromantische Schluchten wie jene am Todtmooser Wasserfall oder die Rabenschlucht! Informationstafeln weisen den Weg.
www.todtmoos.de

Alle Genießerpfade erkennt man an diesem Schild

Gastgeber aus Leidenschaft

Hotel Kronelamm Ein Haus, eine Familie, eine Leidenschaft: die Gäste rundum zu verwöhnen, nach dem Motto „Einmal König von Zavelstein“. So heißt nämlich die Burgruine, die nur wenige Schritte vom 4-Sterne-Superior-Hotel entfernt steht. Die Gastgeberfamilie Berlin und ihr Team kreieren herzliche und entspannende Wohlfühl- und Genussmomente.

Das KönigSpa mit 1600 Quadratmetern verwöhnt „Adults only“, das Hotel- sowie das Gourmetrestaurant Berlins Krone (im Haus gegenüber) laden zu 1a-Kulinarik ein. Dort nimmt Küchenchef Franz Berlin, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern, die Gäste mit auf eine kulinarische Reise, komponiert die Aromen des Schwarzwalds mit internationalen Akzenten. Von den 63 gemütlichen Zimmern, dem beheizten Infinity-Pool und der Hochsitzsauna hat man traumhafte Ausblicke über die sanften Hügel des Teinachtals. Zu den weiteren Highlights im KönigSpa zählen ein vielfältiges Angebot an Saunen und erstklassigen Behandlungen, alles unter der Regie von Vanessa Berlin-Ersfeld, Physiotherapeutin aus Leidenschaft. Noch größer und schöner wird ihr Reich mit dem bis Ende 2026 fertiggestellten schicken Anbau. www.kronelamm-schwarzwald.de

Unsere Hotel-Tipps im Schwarzwald

(Foto: Rainer Kallenbach)

Hotel Auerhahn. Gut Ding will Weile haben. So war es auch im Auerhahn am Schluchsee. Am 14. Februar 2025 war es dann endlich soweit – der Auerhahn ruft seine Gäste. Hören Sie’s?

Luisenhöhe Gesundheitsresort Schwarzwald. Auf einem idyllischen Hochplateau auf Freiburgs Hausberg Schauinsland liegt die Luisenhöhe. Natur, Gesundheit und Genuss – ein unschlagbares Trio.

Einblicke

Im Gespräch mit Marius Tröndle, Hotelier am Schluchsee im Schwarzwald.

Marius Tröndle (Foto: Max Grüninger)

Herr Tröndle, mit 27 Jahren haben Sie Ihr erstes Hotel, das Boutique-Hotel Mühle am Schluchsee, zu neuem Leben erweckt. Im Februar 2025, mit knapp 33, folgte mit der Neueröffnung des Traditionshotels Auerhahn der zweite Streich. Ganz schön mutig. Hatten Sie nie Bauchschmerzen dabei?
Marius Tröndle: Mut hat für mich immer etwas mit Verantwortung zu tun – für die Menschen, die Häuser und die Region. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich während der Umbauphase im Auerhahn nicht die eine oder andere schlaflose Nacht gehabt hätte. Aber Bauchschmerzen im negativen Sinne? Nein. Die Mühle und der Auerhahn sind Herzensprojekte. Beide Häuser tragen Geschichte in sich, und ich habe früh gewusst: Wenn ich ihnen ein neues Kapitel geben darf, dann geht das nur mit Überzeugung. Es war weniger Wagnis als vielmehr eine klare Entscheidung für den Schwarzwald – und für eine Art Hotellerie, wie ich sie mir vorstelle: authentisch, hochwertig, mit Haltung.

Wann war Ihnen klar, dass Sie Hotelier werden wollen?
Marius Tröndle: Das war kein einzelner Moment, eher ein Prozess. Ich bin nicht in der Gastronomie aufgewachsen, sondern der Einzige in meiner Familie, der diesen Weg eingeschlagen hat. Mein Großvater war Bauunternehmer sowie Architekt des Auerhahns und meine Ausbildung habe ich daher auch hier im Auerhahn als Hotelfachmann gemacht. Später habe ich noch meine Kochlehre in einem Gourmetrestaurant und meinen Hotelbetriebswirt an der Hotelfachschule Zürich abgeschlossen. Diese Kombination aus operativem Verständnis, Küchenhandwerk und Gästebetreuung hat sich Schritt für Schritt zur Leidenschaft entwickelt und mir gezeigt: Ich kenne die Branche, ich kenne das Haus – und ich möchte etwas Eigenes gestalten.

Von Mannheim an den Schluchsee – war das nicht eine besondere Herausforderung?
Marius Tröndle: Es war ein Schritt, der sich richtig angefühlt hat. Der Schluchsee ist kein anonymer Ort – er fordert Präsenz, Verständnis für die Region und echte Verbundenheit. Mein Vater und Großvater kommen beide aus dem Hochschwarzwald, weshalb ich mich hier schon immer heimisch gefühlt habe. Die Herausforderung bestand also weniger im Umzug als darin, ein historisches Haus wie den Auerhahn und die Mühle so zu entwickeln, dass sie modern wirken, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Heute kann ich sagen: Der Schwarzwald ist seit 2018 mein Zuhause. Hier zu arbeiten und zu gestalten, fühlt sich nicht nach Herausforderung an, sondern nach Ankommen.

Was bedeutet Ihnen der Schwarzwald? Haben Sie einen „geheimen“ Rückzugsort?
Marius Tröndle: Der Schwarzwald ist für mich mehr ein Lebensgefühl als nur eine Region. Ruhe, Tiefe, Natur und ein gewisser Stolz, der nie laut sein muss. Als Jäger verbringe ich ohnehin viel Zeit im Wald. Dort tanke ich Kraft, finde Klarheit und Perspektive. Einen Rückzugsort gibt es tatsächlich: ein ruhiger Hochsitz oberhalb des Schluchsees, etwas abseits der Wege am Waldrand. Kein geheimer Ort im klassischen Sinne – aber einer, an dem ich gerne bin. Ohne Ablenkung, ohne Ansprüche.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Marius Tröndle: Hier am Schluchsee. Ganz klar. Hier habe ich meine Aufgabe gefunden. In zehn Jahren möchte ich die Hotels – den Auerhahn, die Mühle und vielleicht weitere Projekte – so etabliert haben, dass sie als Orte stehen, die für Qualität, Authentizität und nachhaltige Gastlichkeit bekannt sind. Nicht größer um jeden Preis, sondern besser, konsequenter und noch stärker in der Region verankert.

Sie arbeiten, wo andere Urlaub machen. Wo tanken Sie auf?
Marius Tröndle: Zum einen im Wald – dort finde ich Ruhe, die nicht künstlich ist. Zum anderen auf Reisen, sehr gern bin ich in Japan. Die Mischung aus Natur, Handwerk, Respekt und Klarheit gibt mir viel Energie und neue Impulse.
Manchmal reicht auch ein früher Morgen am Schluchsee. Der Nebel, die Stille am Wasser – alles ist unverstellt. Das erdet mich jedes Mal aufs Neue.


Aufmacherbild: iStockphoto-Simon-Dux,-marc-chesneau-mheim3011_Shutterstock-I-amar-prestar-aen_pexels-janine-speidel

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