Reformer-Pilates ist der neue angesagte Fitness-Trend. Mit dem Gerät in Form eines Bettrahmens bekommen die bewährten Pilates-Übungen einen besonderen Twist.

Aauf der diesjährigen Fibo, der großen Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit in Köln, war eine Trainingsmethode auffallend stark vertreten: Reformer-Pilates. Und in größeren Städten schießen gerade die spezialisierten Studios wie Pilze aus dem Boden. Was hat es mit dem Hype um ein Sportgerät auf sich, das bereits 1924 zum Patent zugelassen wurde?
Entwickelt hat die Trainingsmethode zu Beginn des 20. Jahrhunderts der gebürtige Mönchengladbacher Joseph Hubertus Pilates. Er beschäftigte sich nicht nur mit Gymnastik und anderen Bewegungsformen, sondern bezog auch Elemente aus Yoga und Tai Chi mit ein und entwickelte daraus „Contrology“. Der ursprüngliche Name rührte daher, dass Pilates seinen Körper mithilfe seines Geistes kontrollieren wollte. Schon früh begann er, sein Training um spezielle Geräte wie den Reformer zu erweitern. Die Methode gewann schnell begeisterte Anhänger, allen voran Tänzer und Schauspieler. Schließlich sorgt Pilates für Körperbewusstsein und eine gute Haltung.


Der Reformer

Sieht fast aus wie ein Bettrahmen – die eingebaute Plattform, der „Schlitten“, lässt sich mittels Rädern bewegen. Dabei kommen Federn zum Einsatz, deren Widerstand den eigentlichen Trainingseffekt hervorruft.

Langlebiger Begleiter: Der Studio Reformer von Balanced Body

Das Trainingsgerät Studio Reformer ist langlebig, ruhig und stabil. Die Länge der Seilzüge kann dank des nautischen Klemmsystems schnell verstellt werden. In 30 Farben und fünf Holzarten erhältlich. Zirka. 6500 €. Von Balanced Body über www.sissel.de


Gestärkte Selbstwahrnehmung
Die Trainingsmethode umfasst langsame, fließende und kontrollierte Bewegungen, die im Einklang mit einer tiefen Atmung durchgeführt werden. Mithilfe des eigenen Körpergewichts wird vor allem die tiefer liegende Rumpfmuskulatur gestärkt. Die Bewegungsmethode steigert Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Balance. Durch den Einsatz des Reformers hat Pilates nochmal gewaltigen Auftrieb erfahren. Doch was genau ist nun das Besondere daran? Wir fragen Kristina Dietrich, Vizepräsidentin des Deutschen Pilates Verbands und Inhaberin des Leipziger Studios Die Pilatisten. Das Gerät bestehe aus einem beweglichen Schlitten sowie Seilzügen und einer Fußstange und arbeite mit Federwiderständen – „einer der bedeutendsten Unterschiede zum Eigengewichtstraining auf der Matte“, erklärt sie. Dadurch würden Kraft, Stabilität und Beweglichkeit gleichzeitig trainiert und so die tiefliegende Muskulatur wirksam aufgebaut.
„Der Reformer ermöglicht sanfte, kontrollierte Bewegungen – ideal für Menschen mit Verletzungen oder Rückenproblemen.“ Außerdem sei das Training besonders vielseitig, da hunderte von Übungen in verschiedenen Positionen durchgeführt werden könnten. „Die instabile Unterlage des Schlittens und die Arbeit mit Widerständen fördern die Körperwahrnehmung und das Gleichgewicht im Besonderen“, so Kristina Dietrich.
Reformer-Pilates eignet sich für jeden – Menschen, die bisher eher unsportlich waren, fit und beweglich werden oder ihre Haltung verbessern möchten, die auf der Suche nach einem ausgewogenen Krafttraining oder einer Ergänzung für „ihre“ Sportart sind. Wichtig ist eine gute Grundlage, die man sich am besten bei einem zertifizierten Trainer aneignet. „Er kann sicherstellen, dass die richtigen Bewegungen ausgeführt werden und keine Fehler entstehen“, so Kristina Dietrich. Eine Liste mit lizensierten Pilates-Trainern findet man auf der Website des Deutschen Pilates Verbands (www.pilates-verband.org/pilates/trainer-studio-suche).

Von der Matte auf den Cadillac
Kristina Dietrich empfiehlt zwei bis vier Trainingseinheiten pro Woche. Und sie schlägt eine Bresche für alle Arten von Pilates, schließlich hat der Erfinder, neben dem Mattentraining, noch mehr Trainingsgeräte als den Reformer entwickelt, etwa den „Cadillac“, den „Wunda Chair“ oder den „Spine Corrector“. Langeweile kommt da garantiert nicht auf, und der Körper profitiert von vielseitigen Bewegungsabläufen. Auch der Spaß, soviel ist gewiss, kommt dabei nicht zu kurz.


Kurz nachgefragt bei Kristina Dietrich

Kristina Dietrich (Foto: Daniel Reiche)

Kristina Dietrich ist Vizepräsidentin des Deutschen Pilates Verbands. Die studierte Landschaftsplanerin und -architektin entdeckte nach einer Tanzausbildung Pilates für sich und absolvierte etliche Aus- und Weiterbildungen. Seit 2015 betreibt sie ihr Studio Die Pilatisten in Leipzig. www.pilatisten.de

„Pilates ist ein Way of Life, kein bloßes Training“

Frau Dietrich, wie kamen Sie zu Pilates?
Das war 2005 nach langjährigem Tanz: klassisches Ballett, Modern Dance, Street Dance. Ich hatte stets wiederkehrende Verletzungen und Abnutzungserscheinungen an Knien, Füßen, den Hüften und empfand dies irgendwann als unabänderlich. Dank Pilates hat mein Körper eine 360-Grad-Veränderung durchlaufen: ich habe mich rehabilitiert und neu ausgerichtet – ein absolutes Aha-Erlebnis mit Wow-Effekt! Einen Tag ohne Pilates gibt’s bei mir seither nicht mehr.

Was gefällt Ihnen daran so gut?
Ich bin bis heute fasziniert von der Ganzheitlichkeit der Methode und dem Effekt auf Körper und Geist. Ich empfinde das Ausüben und Arbeiten mit der Pilates-Methode tatsächlich als Way of Life, nicht als bloßes Körpertraining.

Reformer-Pilates ist nicht neu, aber aktuell sehr angesagt. Woran liegt das?
Es hat sich als sehr effektiv bei der Prävention von Rückenschmerzen, Haltungsproblemen und anderen muskulären Beschwerden erwiesen. In einer älter werdenden Gesellschaft steigt die Nachfrage nach Methoden, die langfristige Gesundheit unterstützen. Zudem suchen immer mehr Menschen nach ganzheitlichen Fitnesslösungen, die nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Flexibilität, Balance und körperliche Gesundheit fördern. Reformer-Pilates bietet genau das. Und es ist attraktiv für Menschen, die Verletzungen vermeiden oder sich davon erholen möchten.
Der Reformer bietet eine gelenkschonende, aber dennoch intensive Trainingsmöglichkeit, was ihn zu einer beliebten Wahl für Menschen mit Rückenproblemen und Gelenkverschleiß macht. Der Fokus auf den spezifischen Pilates-Atem sowie eine bewusste Körperwahrnehmung sprechen besonders Menschen an, die auch mentale Entspannung suchen. Auch eignet sich Pilates für verschiedene Fitnesslevel. Der geschulte Trainer kann am Reformer den Widerstand jeweils optimal anpassen. Last but not least: Reformer-Pilates hat eine steigende Beliebtheit bei Prominenten und Fitness-Influencern. Stars wie Gwyneth Paltrow, Kate Hudson oder Cristiano Ronaldo zeigen sich gern am Gerät, was den Trend verstärkt hat.

Wie lange muss man trainieren, um erste Erfolge festzustellen?
Joseph Pilates sagte: „Nach 10 Stunden spürst du den Unterschied, nach 20 Stunden siehst du den Unterschied und nach 30 Stunden hast du einen neuen Körper.“


Starke Mitte: das Powerhouse

Ausgangspunkt und Basis der von Joseph Pilates entwickelten Übungen ist das sogenannte „Powerhouse“. Gemeint ist damit die Körpermitte vom Zwerchfell bis zum Beckenboden und insbesondere die Rumpf- bzw. Korsettmuskulatur, zu der die schrägen, geraden und quer verlaufenden Bauch-, die tiefen Rückenmuskeln sowie der Beckenboden zählen. Spannt man diese an, stärkt das den Rumpf und aktiviert das Powerhouse. Eine stabile Körpermitte bedeutete für Pilates nicht nur physische, sondern auch mentale Stabilität. Ein gut trainiertes Powerhouse sorgt außerdem für Beweglichkeit und eine gute Haltung.

(Foto:pexels-john-tekeridis)

Um das Powerhouse zu aktivieren, schiebt man die Rippen zusammen, spannt den Beckenboden an und zieht den Bauchnabel zur Wirbelsäule hin. Dabei werden die Muskeln beim Einatmen entspannt und beim Ausatmen angespannt. Um die Aktivierung des Powerhouses zu unterstützen, arbeiten Trainer auch mit Visualisierungen.


Chic & Praktisch

Zweite Haut Die lila Leggings und das Langarmtop mit Rückenausschnitt von Adidas by Stella McCartney liegen dank ihrer nahtlosen Konstruktion wie eine zweite Haut am Körper an. Recyceltes Polyamid und Polyester sowie Elasthan sorgen für ein weiches, stützendes Tragegefühl. So kann man sich voll und ganz auf seine Übungen konzentrieren. 130 und 120 €. www.adidas.de

Stabiler Stand Für zusätzlichen Halt und Stabilität beim Training sorgen die Socken mit Antirutsch-Noppen im Farbton Fuchsia. Die Ausführung als Zehensocken soll eine gesteigerte taktile Wahrnehmung gewährleisten. Die Socken sind temperaturregulierend und atmungsaktiv. Schweiß wird absorbiert, die Füße bleiben angenehm trocken. 13,90 €. www.sissel.de


Aufmacherbild: AdobeStock_GEORGIY-DATSENKO

Weitere Tipps zu einem gesunden Lifestyle und neue Fitness-Trends finden Sie in der aktuellen Ausgabe SPA inside.