Rüdiger Wörnle, Geschäftsführender Gesellschafter der BCW Hotels & Resorts und Mooswaldklinik GmbH, Betreiber des Gesundheitsresorts Luisenhöhe sowie Experte für zukunftsweisende Hotelkonzepte

Rüdiger Wörnle kennt sich mit zukunftsweisenden Hotelkonzepten bestens aus. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der BCW Hotels & Resorts und Mooswaldklinik GmbH und Betreiber des Gesundheitsresorts Luisenhöhe im Schwarzwald. Mit SPA direkt sprach er über stimmige Wellness-Konzepte.

Regenerative Wellness ist Ihr Thema. Sollte Wellness nicht grundsätzlich regenerativ sein?
Ja. Allerdings ist die ursprüngliche Bedeutung meines Erachtens in der Breite bedauerlicherweise verloren gegangen. Ich verstehe unter Wellness Erholung und Regeneration mit allen Sinnen für mehr Wohlbefinden, Glück und Zufriedenheit. Bezogen auf unser Konzept würde ich etwas provozierend sagen, dass es sich um einen „Immunbooster“ für mehr Widerstandsfähigkeit und Resilienz handelt! Dafür muss man mehr Eigenverantwortung übernehmen, auf körperliche Fitness, gesunde Ernährung und mentale Stärke achten sowie sein Bewusstsein schärfen. Eben Harmonie von Körper, Geist und Seele in einem möglichst intakten Umfeld.

Wie können Wellnesshotels ihr Profil diesbezüglich schärfen?
Es geht nicht darum, dass man möglichst viel Quadratmeter perfekte SPA-Fläche vorweisen kann, sondern dass das Angebot als Hauskonzept in sich schlüssig ist. Wichtig ist, dass man konsequent und kontinuierlich schaut, wie das bereits Vorhandene zielorientiert inhaltlich abgestimmt, sukzessive weiterentwickelt werden kann. Es bringt nichts, wenn ich Ruhe verkaufe und nebenan an der Bar laute Musik wummert. Oder ich habe ein großartiges Ambiente, aber es riecht unangenehm. Das ist wie mit einem Lego-Baukasten: Man kann viele bunte Steinchen aufeinander stecken, aber nicht alle Ergebnisse sehen dann schön aus oder passen zusammen. Es braucht ein in sich stimmiges authentisch- ehrliches Konzept.

Wie könnte das aussehen?
Zunächst sollten drei Hauptpunkte zusammenspielen: ein natürliches Umfeld, eine dazu passende Architektur und Ausstattung sowie die Lebenswelten. In der Luisenhöhe ist das übergeordnete Bindeglied das Thema Gesundheit. Wir nennen unser Konzept GesundKunft, eine Wortschöpfung aus Gesundheit und Zukunft. Dabei kommen die klassischen Themen Regeneration, Entspannung, Bewegung, und Ernährung zum Tragen. 

Was bedeutet das konkret?
Das Konzept sollte ganzheitlich sein, alle Bereiche der Hotellerie sind zu berücksichtigen – möglichst mit und für alle Sinne. Ein 360 Grad – Konzept. Das fängt schon in der Tiefgarage an. Wenn ich von dort in einem dunklen Tunnel ins Hotel gelange, dann wird das nicht sehr positiv wirken. Darum haben wir uns für die Luisenhöhe gefragt: Wie fühlt sich ein Gast schon beim Anreisen wohl?

Und zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?
Zum Beispiel, indem Licht in die Garage fällt, Grün sichtbar ist und man frische Luft wahrnimmt. Wenn der Übergang ins Hotel hell und freundlich ist und ein Gefühl des Willkommens vermittelt, dann hat schon das Notwendige einen unerwartet positiven Einfluss und zahlt auf das Wohlbefinden ein. Wenn das Treppenhaus nicht nach Fluchtweg aussieht, sondern einladend ist, neugierig macht und den Gast dazu bewegt, auf den Fahrstuhl zu verzichten, dann ist das Treppensteigen schon die erste gesundheitsfördernde Aktion, bei der man jede Stufe eine Kalorie verbrennt. So findet das Thema Bewegung intuitiv im gesamten Haus statt und nicht erst auf dem Ergometer. Das heißt, wir animieren unsere Gäste auch unterschwellig intuitiv zu gesundem Verhalten. Dabei spielen Umfeld, Architektur und Ausstattung eine Riesenrolle.

Nun hat nicht jeder die Möglichkeit, ein Haus komplett neu aufzubauen.
Ja, das ist richtig. Die BCW Hotels & Resorts hat auch Bestandshäuser übernommen, die wir dann peu à peu entwickelt haben. Das begann damit, das Vorhandene zu prüfen, zu „sortieren“ und thematisch schlüssig wie Perlen so aufzureihen, dass es konzeptionell sinnhaft und authentisch wird. Daraus ist die eine eigene Konzept-Idee GesundKunft entstanden, die wir ständig weiterentwickeln. Natürlich ist es wichtig und gut, wenn man das Gebäude erweitert oder erneuert und die Ausstattung verbessern kann. Aber auch ohne große Investitionen ist eine konzeptionelle Weiterentwicklung möglich – sogar notwendig. Letztendlich muss man, ob im Bestand oder durch einen Neubau, immer Kompromisse eingehen und das Bestmögliche für sein Konzept herausholen. Es geht primär nicht um das Budget. Meist entsteht mit wenig Budget mehr Konzepttiefe! Zudem sollte dem Haus-Konzept die Investition folgen. Das bringt in der Regel die besten Ergebnisse und Gäste-Erlebnisse.

Das müssen Sie näher erklären!
Wir möchten unseren Gästen Impulse und Ideen für ein positives, gesundes Leben mitgeben, die sie in ihren Alltag übernehmen können. Dabei geht es auch um Kundenbindung, der Gast soll schließlich wiederkommen. Nun hat er aber zu Hause nicht immer die besten Voraussetzungen dafür, er kann ja nicht alles umbauen.  Aber er kann die Übungen machen, die wir ihm gezeigt haben. Er kann kleine Dinge verändern, die sein Wohlbefinden verbessern. Darum sollte man Angebote nicht einfach kopieren und ein buntes Leistungsangebot aufstellen, nach dem Motto „viel hilft viel“. Ein sinnvoll abgestimmtes abteilungsübergreifendes Angebot und Ideen, die mit dem Gesamtkonzept konform gehen, werden erfolgreich sein. Da ist viel möglich, mehr als man denkt, auch mit einfachen Mitteln – sowohl im Hotel als auch zu Hause.

Fallen dem Gast solche „Kleinigkeiten“ überhaupt auf?
Ja, das merken wir immer wieder und bekommen wir ständig zurückgemeldet. Manche sagen schon bei der Abreise: Hier ist irgendwas anders. Während des Aufenthaltes werden das Detail und die Konzepttiefe bereits positiv wahrgenommen, meist mit der Bitte um weiterführende Informationen oder Zusatzbuchungen. Wir haben zum Beispiel u.A. leicht schräge Betten, die einen guten Schlaf fördern. Wenn die Gäste uns erzählen, dass sie bei uns viel besser schlafen als zu Hause, dann erklären wir ihnen das. Dafür müssen sie nicht gleich neue Betten kaufen, sondern können die Schräglage auch mit einfachen Mitteln erreichen. Dies gilt bei uns für alle Bereiche. Allerdings schafft man es nie, das vollständig umzusetzen. 

Dann ist es also eine Art work in progress?
Absolut, und das ist das Gute und Schöne. Es muss nicht perfekt sein, nur authentisch, sinnhaft und erklärbar. Das schafft Vertrauen und macht ehrlich, auch wenn man nicht alles (an-) bieten kann. Das liebt die echte Zielgruppe.

Welche Rolle spielt dabei das Personal?
Eine sehr große. Die Infrastruktur ist wichtig, sie ist die notwendige Bühne für das Gasterlebnis. Das Personal ist jedoch noch viel wichtiger. Unser Team ist geschult, kennt das Haus und seine Besonderheiten bestens, kann kompetent Auskunft geben und Wissen vermitteln. Die wissen sogar, von welchem Hersteller die Ausstattung kommt und welche Besonderheiten sie aufweist, wenn ein Gast daran interessiert ist. Es ist ein Gesamtpaket. Das Team bespielt die Hardware mit unserem Konzept. Sozusagen von Menschen für Menschen. Die Bühne ist wie gesagt das gesamte Resortareal.

Die Gäste von heute sind anspruchsvoll. Wie kann man sie noch überraschen?
Viele denken immer noch in Kategorien von höher, weiter, besser, mehr. Wenn die Gäste erkennen und spüren, dass es auch einfach geht und dennoch einen nachhaltigen Effekt auf ihr Leben hat, dann überrascht sie das umso mehr.

Also liegt das Geheimnis in der Einfachheit?
In der Einfachheit und darin, Dinge erklären zu können. Die Gäste sagen dann: Das habe ich nicht gewusst, warum hat mir das bisher keiner gesagt? Nochmal zum Beispiel Bett. Wenn man älter wird, kommt man zwar runter, aber nicht mehr so leicht hoch. Mit höheren Betten ist das Problem ganz einfach zu lösen. Dasselbe gilt für sanitäre Einrichtungen. Die werden häufig noch nach alten Normmaßen installiert. Die Menschen sind heute aber größer als früher. Es sind viele solcher kleinen Dinge, die der Gast dann auch zu Hause umsetzen und verändern kann. Das gilt auch für das Thema Bewegung. Es geht nicht nur darum, passiv „Wellness zu machen“, sondern Verantwortung zu übernehmen und sich möglichst viel im Alltag zu bewegen, möglichst in einem natürlichen entspannenden Umfeld. Wenn mir ein guter Trainer das richtig erklärt, erkenne ich die Sinnhaftigkeit dahinter. Und wenn ich dann nach ein paar Tagen im Hotel spüre, dass es mir guttut, dann bleibe ich wahrscheinlich eher dran. Durch Routine und Kontinuität wird es fest im Alltag implementiert und der Erfolg tritt spürbar und nachhaltig ein! Darum geht‘s. Und das ist meist wirklich einfacher als man denkt.


Regenerative Wellness ist auch das Thema eines Vortrags von Rüdiger Wörnle im Rahmen des Branchen-Events FORUM SPA inside vom 29. bis 30. Juni 2026 auf der Luisenhohe – Gesundheitsresort Schwarzwald.