Christine Reinhardt ist seit vielen Jahren bei Ada Cosmetics tätig, das Kosmetiklinien und Verpackungslösungen für die Hotellerie entwickelt und produziert. 2016 wurde sie zum Head of Global Customer Service berufen, seit Ende 2017 trägt sie außerdem die Gesamtverantwortung für Organisationsentwicklung und Human Resources innerhalb der Ada-Gruppe. Mit SPA direkt sprach sie über Nachhaltigkeit in Wellnesshotels.

Nachhaltigkeit in der Wellnesshotellerie ist ein Spagat. Einerseits soll der Gast seine Zeit im Spa uneingeschränkt genießen können. Andererseits soll er dabei ein gutes Gefühl haben, statt sich Gedanken über seinen ökologischen Fußabdruck zu machen. Wie können Hotels dies ihren Gästen vermitteln?
Nachhaltigkeit und Wohlbefinden schließen sich in der modernen Wellnesshotellerie nicht aus – im Gegenteil: Für viele Gäste entsteht echte Entspannung erst dann, wenn sie das Gefühl haben, verantwortungsvoll zu genießen. Hotels können diesen Spagat meistern, indem sie Nachhaltigkeit nicht als Verzicht kommunizieren, sondern als selbstverständlichen Teil ihres Qualitätsversprechens. Wenn Gäste erkennen, dass ressourcenschonende Entscheidungen mit Sorgfalt getroffen wurden – von energieeffizienter Haustechnik über regionale Lieferketten bis hin zu natürlichen, zertifizierten Pflegeprodukten – dann erleben sie Nachhaltigkeit als Mehrwert.
Welche Rolle spielen dabei die Körperpflegeprodukte, die in den Hotels verwendet werden?
Eine zentrale Rolle! Denn kaum etwas kommt den Gästen näher oder prägt ihr Wohlbefinden stärker. Nachhaltigkeit bedeutet heute, Komfort und Umweltbewusstsein intelligent zu verbinden – und gerade im Spa lässt sich dieser Anspruch „fühlbar“ machen. Durch hochwertige Produkte frei von Schadstoffen, nachfüllbare Spenderlösungen und transparente Partnerunternehmen wird Nachhaltigkeit für Gäste unmittelbar erlebbar. Körperpflegeprodukte sind außerdem ein oft unterschätzter Faktor im ökologischen Fußabdruck eines Hotels. Die richtige Auswahl reduziert nicht nur den Ressourcenverbrauch, sondern zahlt sich auch wirtschaftlich aus. Nachhaltige Entscheidungen im Badezimmer sind daher nicht nur ein Service für den Gast, sondern ein strategischer Vorteil für das Hotel.
Ada Cosmetics hat eine 45 Jahre lange Expertise in der Entwicklung und Produktion von Hotelkosmetik mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit. Was bedeutet das konkret?
Weit mehr als umweltfreundliche Produkte anzubieten. Nachhaltigkeit beginnt bei der Formulierung und reicht über die Rohstoffbeschaffung bis hin zur Produktion, Logistik und Rückführung – immer mit Blick auf Umwelt- und Sozialverantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wir arbeiten ausschließlich mit rückverfolgbaren und nach Möglichkeit zertifizierten Rohstoffen. In unseren Formulierungen verzichten wir auf bedenkliche Inhaltsstoffe. Auch unsere Lieferketten und Produktionsprozesse spiegeln unsere Nachhaltigkeitsstandards wider, unsere Werke arbeiten gemäß international anerkannten Umweltmanagementsystemen.
Was macht nachhaltige Verpackungen aus?
Sie sind in der Hotelkosmetik weit mehr als eine Materialfrage. Für uns sind sie integraler Bestandteil einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, Ressourcen im Kreislauf zu halten, den Verbrauch von Primärmaterialien zu reduzieren und gleichzeitig den CO₂-Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu minimieren. Deshalb arbeiten wir mit Verpackungslösungen, die auf Wiederverwertung und Materialreinheit ausgelegt sind. Unsere Monomaterial-Spender inklusive Hygienepumpen sind vollständig recycelbar. Ergänzend setzen wir auf recyceltes Küstenplastik („Hydro Touch“), das nicht nur Abfall aus Küstenregionen entfernt, sondern auch den Einsatz neuen Kunststoffs deutlich reduziert. Unsere nachfüllbaren und ressourcenschonenden Spendersysteme ersetzen unzählige Einweg-Miniaturen, deren Marktzulassung aufgrund eines EU-Beschlusses ab August 2026 ohnehin ausläuft.


Woran erkennen Hoteliers, ob die Produkte einer Marke umweltfreundlich sind?
Sie sollten sich die Zeit nehmen, eine Marke ganzheitlich zu verstehen. Dazu gehört, Herstellungsprozesse, Lieferketten, Zertifizierungen und – sofern vorhanden – Nachhaltigkeitsberichte kritisch zu prüfen. Erst durch diesen Blick hinter die Kulissen lässt sich beurteilen, ob ein Anbieter seine Versprechen tatsächlich einlöst. Ein verlässlicher erster Anhaltspunkt sind unabhängige Zertifizierungen.
Unter mehreren Umwelt-Siegeln hat Ada auch eine Cradle to Cradle-Zertifizierung. Was ist das Besondere daran?
Sie zählt weltweit zu den strengsten und umfassendsten Nachhaltigkeitsstandards. Ein Produkt wird über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg und nicht nur hinsichtlich einzelner Aspekte betrachtet. Bewertet werden Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, erneuerbare Energien und CO₂-Management, Wassermanagement sowie soziale Fairness – und zwar regelmäßig neu.
Können Sie ein wachsendes Interesse der Hotellerie an nachhaltigen Kosmetiklösungen feststellen?
Ja. Hotels wissen, dass verantwortungsvolle Entscheidungen im Badezimmer längst zu den grundlegenden Erwartungen moderner Reisender gehören. Immer mehr Gäste achten darauf, wie Hotels mit Umweltfragen umgehen, und treffen ihre Buchungsentscheidungen danach. Gerade in der Reise- und Tourismusbranche ist Nachhaltigkeit existenziell: Intakte Natur ist die Grundlage dafür, dass es überhaupt Reiseerlebnisse geben kann. Hinzu kommt ein klarer strategischer Anspruch: Nachhaltige Lösungen stärken nicht nur das Markenprofil, sie zeigen Gästen und Partnern auch, dass ein Hotel zukunftsfähig denkt und handelt.
Sie beliefern Häuser in über 100 Ländern in aller Welt. Wie steht es denn in der internationalen Wellnesshotellerie um die Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein?
Wir nehmen weltweit ein stark wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz wahr – allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. In Nordeuropa und Nordamerika dominieren Themen wie Plastikreduktion, Recyclingfähigkeit und transparente Nachhaltigkeitskennzeichnungen. In Asien rücken zunehmend Sicherheits- und Hygienestandards in Verbindung mit nachhaltigen Technologien in den Fokus. Im Nahen Osten oder in Resorts mit starkem Wellnessprofil spielen Luxusstandards eine Rolle, die immer stärker mit verantwortungsvollen, naturbasierten Formulierungen verknüpft werden. Und in einigen Regionen Lateinamerikas und Afrikas haben Fair-Trade-Aspekte sowie soziale Nachhaltigkeit eine besonders hohe Relevanz. Entscheidend ist: Obwohl die Prioritäten variieren, ist das Streben nach nachhaltigen Lösungen ein globales Phänomen.

Für sein neues, automatisiertes Nachfüllsystem Refillution hat Ada Cosmetics 2025 die EcoVadis Goldmedaille erhalten. Das vollautomatisierte, innovative System für Hotelkosmetik kombiniert Hygiene, Abfallreduktion und Wirtschaftlichkeit in einem einzigen Prozess.
Im Vergleich zu kleinen Einweg-Portionsflaschen spart es bis zu 95 Prozent Plastikmüll ein. Auch der Produktverbrauch und die Kosten sind 30 Prozent geringer. Die patentierte Technologie befüllt Spender ohne manuelles Öffnen oder Kontakt zwischen Produkt und Umgebung. Das schließt Kontaminationen aus und erfüllt höchste Hygienestandards. Gleichzeitig reduziert die automatisierte Befüllung die Arbeitszeit im Housekeeping und macht den gesamten Prozess kalkulierbar und effizient.









