Im Gespräch mit Christiane Drechsel, Studentin im Fachbereich für Nautik & Seeverkehr

Frau Drechsel, Sie haben mehr als zehn Jahre lang als „Operation Managerin Spa“ auf Kreuzfahrtschiffen Spas geplant, Treatments konzipiert und Teams rekrutiert. Seit 2022 studieren Sie, um Kapitänin zu werden. Wie kam’s?
Das wusste ich, als ich 2005 das erste Mal einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff antrat. Zur See zu fahren war schon sehr lange mein größter Traum. Nur war das Thema „Nautik und Frau“ vor 20 Jahren noch etwas ganz anderes als heute.

Wie muss man sich diese vierjährige Ausbildung vorstellen?
Das Bachelor-Studium besteht aus theoretischen Semestern an der Hochschule und praxisorientierten Semestern, in denen man insgesamt mindestens 12 Monate an Bord tätig gewesen sein muss. Nach erfolgreichem Abschluss bekommt man das Patent. Nun dauert es nochmals drei Jahre, in denen dieses Patent ausgefahren werden muss. Das heißt, man fängt auf einem Schiff als Junior- oder Dritter
Offizier an, arbeitet sich hoch zum Zweiten, dann zum Ersten Offizier und erst danach kann man Kapitän werden.

Oder Kapitänin. Wie viele weibliche Kapitäne gibt es auf deutschen Schiffen?
Es sind nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) aktuell 16 Frauen, die in dieser Position auf deutschen Schiffen fahren. Aber der weibliche Anteil in der deutschen Schifffahrt steigt – jetzt sind es immerhin schon rund sieben Prozent Frauen, die in Positionen wie Kapitänin, nautische oder technische Offizierin oder Schiffsmechanikerin arbeiten. Bei meinem ersten sechsmonatigen Praxissemester auf einem Containerschiff war ich die einzige Frau unter 22 Männern.

Was muss man mitbringen, um auf einem Schiff zu arbeiten?
Persönlichkeit, Rückgrat und ganz viel Begeisterung für die Seefahrt. Und man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Ich bin das erste Mal 2005 zum Arbeiten auf ein Schiff, war also, bevor ich angefangen habe Nautik zu studieren, schon jahrelang mit der Schifffahrt verbunden. Die Seefahrt ist noch immer eine männerdominierte Branche. Keiner an Bord bekommt eine Extra-Schulung, nur weil da jetzt auch Frauen arbeiten. Von daher würde ich sagen: Du hast dich für den Job entschieden, also musst du ihn machen. Tough sollte man auf jeden Fall sein und sich nie die Butter vom Brot nehmen lassen.

Ihre größte Herausforderung?
Sicherheit zu bieten. Den Job, den man macht, sicher zu machen, weil man eine Menge Verantwortung hat. Ich bin jetzt einmal ein Containerschiff gefahren, da habe ich Millionenwerte unter mir. Und 22 oder mehr Personen, die sich zu 100 Prozent auf mich verlassen. Auf einem Kreuzfahrtschiff trage ich Verantwortung für hunderte, manchmal für tausende Menschen.

Ihre bisher brenzligste Situation auf einem Schiff?
Eine brenzlige Situation gibt es nicht! Aber das erste Mal, dass ich vor einer Situation wirklich Riesenrespekt hatte, war in einem Praxissemester, als der Kapitän mir sagte, ich solle das Schiff jetzt durch den Suezkanal steuern. Da war ich gerade vier Wochen an Bord und musste vom Lotsen die Kommandos annehmen und das Riesenschiff sicher durch dieses Nadelör bringen. Ich hatte noch das Bild von diesem querliegenden Schiff im Suezkanal vor Augen … Das war Höchstkonzentration und ich kam ganz schön ins Schwitzen!

Worauf sind Sie besonders stolz?
Dass ich das Deutschlandstipendium bekommen habe. Und ich so auch jüngeren Menschen zeigen kann, dass man für seinen persönlichen Traum nie zu alt ist!

Ihre schönsten Momente?
Wenn man in seinem eigenen Heimatort in den Hafen einfährt! Es gibt so viele tolle Regionen, wo man hinfahren kann. Aber ich glaube, wenn man das Schiff nach Hause bringt, ich zum Beispiel nach Hamburg, ist man so stolz und verspürt ein unglaubliches Heimatgefühl.

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