Wir sind spät dran. Die Anreise nach Südtirol hat doch etwas länger gedauert als gedacht. Es ist schon dunkel, als wir das schmale Pflerschtal, südlich des Brenners, hochfahren. An seinem Ende erwarten uns ein paar Tage Erholung. Der hell erleuchtete Eingang stimmt die ganze Familie freudig: „Wir stehen ja direkt im Wohnzimmer“, ruft unser achtjähriger Sohn staunend, als er in die Lobby mit den gemütlichen Sofas und Bücherregalen läuft. „Na dann saus mal schnell ins Esszimmer. Du hast doch sicher Hunger nach der langen Reise.“ Etwas verdutzt schaut unser Steppke die nette Empfangsdame an, flüstert dann „Kommt Mädels!“ zu seinen Schwestern – und marschiert wagemutig immer der Nase nach in Richtung Restaurant. Ein fragender Blick von uns Großen Richtung Rezeption. „Gehen Sie ruhig, wir kümmern uns um alles. Guten Appetit und willkommen im Feuerstein Family Resort!“

Der erste Eindruck

Sie kennen den Spruch mit dem ersten Eindruck? Der trügt bekanntlich nicht. Und das trifft zu 100 Prozent auf dieses vor reichlich einem Jahr eröffnete Familienhotel in Südtirol zu. Obwohl: Neu ist es nicht ganz. An der Stelle, an der sich jetzt die verschiedenen schmucken Gebäude im Halbkreis um den großen Badeteich schmiegen, stand 1982 erst eine Jugendherberge – die bald zur Pension und schließlich zum Hotel wurde. Zu dem, was das Feuerstein heute ist, hat es Peter Paul Mader gemacht. Der charismatische Unternehmer kommt aus dem 15 Kilometer entfernten Nachbarort Sterzing und ist Bauherr des Resorts. Der Umbau war und ist sein Herzensanliegen, in das er sehr viel Zeit und Energie gesteckt hat. Nicht zuletzt deshalb treffen Gäste ihn, seine Frau und die beiden Töchter Sophie und Greta überall im Haus.

Quietschbunt ist hier nichts

Auf was hat er besonders viel Wert gelegt, will ich von ihm wissen. „Hier sollte ein Ort entstehen, an dem sich Familien aktiv erholen können“, sagt der Südtiroler. Es habe sich in den vergangenen zehn Jahren durch die Digitalisierung viel in unserem Leben verändert, positiv wie negativ. „Im Feuerstein wieder zurück zur Natur zu finden, das ist ein großes Anliegen von mir.“ Bewusst wurde möglichst viel Material aus der Region verbaut, Fichtenholz beispielsweise und Silberquarzit aus dem benachbarten Pfitschtal. Kombiniert mit klaren, teilweise fast strengen Linien, großen Glasfronten, sanften Farben, edlen Stoffen fühlen Besucher sich eher in einem Design- als in einem Kinderhotel. „Und das ist auch gut so“, bestätigt Peter Paul Mader. „Plastikspielzeug und quietschbunte Spielecken werden sie hier nicht finden, warum auch?“ Zu Hause wohne ja niemand in einem kunterbunten Zelt. Dafür wurden viele Möglichkeiten geschaffen, dass Kinder kreativ sein und toben können. Absolutes Highlight ist die Holzwerkstatt, im Dachboden der riesigen Spielescheune untergebracht. Die Scheune wiederum – hier hat sich übrigens Peter Paul Mader einen Kindheitstraum erfüllt – lockt mit Trampolin, Rutsche, Heuboden, Kletternetz und bunten Kostümen zum Verkleiden. Für die Jüngsten ein Highlight: der Matschraum. Fast unwirklich – der riesige Sandkasten mitten im Haus. Gummistiefel und -hosen können Sie ruhig vergessen. Das steht alles im kleinen Vorraum bereit, inklusive eingebauter Duschen, in denen die kleinen Baumeister gleich abgebraust werden können.

Natürlich geht es vor und hinter dem Haus munter weiter. Ein Floß, mit dem Piraten den Badesee überqueren können, Mountainbike fahren, Klettern, Fußball spielen … Unsere Mädchen drücken sich bereits die Nasen an den Scheiben zum Atelier platt. Und ich muss sagen: Wenn ich den schönen großen Raum, in dem sämtliche Wände als Leinwand fungieren, und die Maltöpfe sehe, hätte ich große Lust. Doch ich kann mich gerade so zurückhalten. Die Zeit, in der die kleinen Künstler an ihrem Pinselschwung arbeiten, will ich im Mountain Spa verbringen. Und da steht eindeutig „Adults only“ an der Tür. Die Entspannungsoase ist auf mehreren Etagen untergebracht. Die Idee dahinter: Gäste erklimmen nach und nach einen Berg. Wasser, Wärme, Fels und Holz – auf dem Weg zum „Gipfel“ kommen sie an verschiedenen Saunen und Ruheräumen vorbei, bis sie ganz oben auf der Dachterrasse das Bergpanorama in einem warmen Pool genießen. Behandlungen gibt es auch: Lokalpatriotisch hat man sich für die Südtiroler Pflegemarken Vitalis und Team Dr. Joseph sowie Silberquarzit Urstein entschieden.

Wiederkommen garantiert

Später am Tag treffe ich Peter Paul Mader noch zweimal im Hotel wieder. Einmal im Familien-Spa mit seiner Frau Sarah und den beiden Töchtern, die sich gerade genauso wagemutig in die Fluten der Wasserrutsche werfen wie unsere Sprößlinge. Und später im Restaurant beim Abendessen, wo er mich darauf aufmerksam macht, dass statt riesigem „Rummelplatz“ Séparées geschaffen wurden, in denen maximal 15 Tische stehen. So sei es angenehm ruhig, auch wenn das Haus komplett ausgebucht ist. Haben Sie noch Wünsche, frage ich den Gastgeber. „Das Feuerstein soll das beste Familienresort Europas werden“, antwortet voller Stolz. „Wenn das Hotel dann so berühmt ist, können wir trotzdem wiederkommen, Mama?“ fragt mich mein Sohn daraufhin leise. Selbstverständlich, dann natürlich erst recht.

Feuerstein Nature Family Resort

Von Norden kommend Autobahnausfahrt Brenner/Gossensaß/Pflerschtal. Von dort zirka zehn Minuten weiter bis ins hintere Pflerschtal.

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