Meister der Düfte: Alberto Morillas

„Ich kreiere Glücksmomente“

Er ist ein Grandseigneur und wird in der Branche als Ikone gefeiert. Meister-Parfümeur Alberto Morillas hat hunderte von erfolgreichen Düften kreiert. Einen Herzenswunsch hat er sich mit seiner eigenen Linie erfüllt.

Unter den Meister-Parfümeuren hat er den Status einer Ikone: Alberto Morillas. Der gebürtige Spanier zeichnet seit vielen Jahren als Chef-Parfümeur des Schweizer Aromen- und Duftstoff-Herstellers Firmenich verantwortlich und hat die Parfum-Szene der vergangenen Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderer. Daher freue ich mich sehr, ihn zu treffen. Zum Deutschen Parfumpreis Duftstars und für die Premiere seiner eigenen Duftkollektion bei Breuninger ist er nach Düsseldorf gekommen. Mein erster Eindruck: Was für ein charismatischer Mann! Dass seine Leidenschaft dem Kreieren von Emotionen und Glücksmomenten gilt, das hört man bei all seinen Erzählungen und das sieht man auch. Obwohl Alberto Morillas seit fast 50 Jahren feinste Düfte kreiert, strahlen seine Augen nach wie vor, wenn er von den Anfängen und seinen Erlebnissen erzählt. Stimmt es denn, dass ein Interview mit Jean Paul Guerlain seinen Wunsch geweckt hat, Parfümeur zu werden, will ich wissen. „Ja, das ist richtig. Ich war fasziniert und wusste: Das will ich auch“, erzählt er.

Die Passion war geweckt
Doch in den 70ern gab es noch keine Parfümeursschule. Da er in Genf lebte, schrieb er einen Brief an den dort ansässigen Aromen- und Duftstoff-Hersteller Firmenich, dass er gern Parfümeur werden würde. Morillas lacht: „Jeder Parfümeur zu dieser Zeit hatte eine Ausbildung als Chemiker und hatte promoviert, so dass mein Ansinnen schlichtweg unmöglich war. Aber sie sagten, na gut, wir haben einen Job für dich.“ So durfte er mit einem Parfümeur arbeiten, der auf Naturstoffe spezialisiert war. „Ich war glücklich, ich schnupperte, ich kaufte alle Bücher, die es über Parfums gab, studierte die Formulierungen. Und ich lernte ein Jahr lang ganz für mich allein. Damit setzte ich ein Zeichen. Alle wussten: Der meint es ernst. Der ist wirklich interessiert und voller Leidenschaft dabei.“
Dann kreierte der Autodidakt seinen ersten Duft für einen Kunden und gab ihn seinem Vorgesetzten zur Begutachtung. „Das ist Ihre Kreation? Das glaube ich nicht. Das ist zu gut“, meinte dieser – und zeigte es dennoch dem Kunden. Und der kaufte. „So begann meine Laufbahn als Parfümeur. Schon ein halbes Jahr später schickte mich Firmenich mit meiner Familie für zwei Jahre nach New York.“
Seither hat er Hunderte Düfte kreiert, darunter unzählige Topseller für alle Großen der Branche. Gibt es trotz aller unterschiedlicher Auftraggeber eine Handschrift? „Ich arbeite gern sowohl mit Naturstoffen als auch mit Molekülen. Das macht den Reiz aus. Firmenich gibt jedes Jahr viel Geld dafür aus, Hightech-Moleküle zu entwickeln, und es ist ein Privileg für mich, beides zu verwenden.“

Der spanisch-schweizerische Parfümeur kann auf eine unvergleichliche berufliche Karriere verweisen. Seit fast 50 Jahren kreiert Alberto Morillas feinste Düfte, darunter Hunderte von überaus erfolgreichen Kreationen für führende internationale Luxusmarken wie Armani, Bulgari, Calvin Klein, Carolina Herrera, Estée Lauder, Gucci, Tommy Hilfiger, Kenzo und viele mehr. Auch in dieser Ausgabe treffen Sie auf Düfte, die der Meister-Parfümeur komponiert hat, wie Bulgari Goldea Rose oder Gucci Mémoire d‘une Odeur.

Eine schöne Herausforderung sei es, mit Partnern zu arbeiten, die sehr konkrete Vorstellungen haben. Eine besondere Verbindung hat er beispielsweise zu Alessandro Michele, dem Creative Director von Gucci. Dessen Vision war es, die römische Kamille in den Mittelpunkt des neuesten Gucci-Duftes zu stellen. „Ich habe lange überlegt, warum Alessandro die Kamille wählte“, so Alberto Morillas. „Doch als ich dann begann, mit dem Duft der Kamille zu arbeiten, habe ich es verstanden. Das hat es noch nie gegeben. Kamille ist auf der ganzen Welt bekannt. Jeder hat ihr Aroma irgendwann schon einmal wahrgenommen, aber als Traum, Kindheitserinnerung, etwas Zeitloses, und noch nie in einem Duft. Diese Blume wird absolut unterschätzt und ist eine Pflanze, mit einer herausragenden olfaktorischen Signatur.“ Mit Begeisterung machte er sich an die Arbeit. „Wenn ich für Marken wie Gucci, Bulgari oder Armani arbeite, gilt es, das Image der Marke zu berücksichtigen.“ Manchmal sei er gestresst von der großen Verantwortung, die ihm eine Marke übertrage. Denn selbstverständlich soll der neue Duft vielen gefallen und erfolgreich sein.

„Jeder einzelne Duft meiner Kollektion Mizensir erzählt eine Facette meines Lebens.“ Mit Bois Iridescent aus der Wood Collection hat Alberto Morillas einen floral-holzigen Duft mit Strahlkraft und kristallklarer Frische erschaffen. Alberto Morillas. Susanne Stoll traf ihn im Vorfeld der Duftstars-Gala zum Gespräch

Alle Facetten des Lebens
So entstand der Wunsch, eine eigene Duftkollektion zu entwickeln: Mizensir. „Ganz ungestört vom Trubel der großen Markteinführungen wollte ich meine eigene Duftlinie erschaffen – eine Kollektion, in der jeder einzelne Duft eine Facette meines Lebens, meiner Leidenschaften, meiner Erinnerungen und Reisen erzählt.“ Bei Mizensir kann er das machen, was ihm am Herzen liegt. „Vor 20 Jahren begannen wir mit Kerzen. Vor zehn Jahren dann die ersten Düfte, Parfums d‘ Excellence. Alle sind modern und dennoch traditionell klassisch.“ Seine Tochter Véronique Morillas ist Inhaberin der Mizensir SA. „Sie sagt immer zu mir: Denk nicht an die Kosten, sondern kreiere Düfte, die dich glücklich machen. Das sind die besten Voraussetzungen!“ In der eigenen Boutique in Genf kann man die komplette Mizensir-Kollektion kennenlernen. In Deutschland werden Düfte und Kerzen bei Breuninger in Düsseldorf angeboten.
Alberto Morillas komponiert mit viel Freude auch individuelle Düfte für private Auftraggeber. „Darunter sind einige sehr wohlhabende Kunden“, erzählt er. Sie haben mehrere Häuser und wünschen sich für jedes Domizil einen individuellen Duft.“ Von Alberto Morillas kreiert! Da ist das Wohlfühlen im Haus garantiert!


Der Beitrag ist erschienen in der INSIDE beauty 4/2019

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