Der Weg ist das Ziel: Mit dem nostalgischen Rovos Rail können die Passagiere die grandiose Tier- und Pflanzenwelt Afrikas erleben – hautnah, während der gemächlichen Fahrt durch Savanne, Berge und Buschlandschaft.

Rundum entspannt sitzen wir in der holzgetäfelten Bar, nippen am Drink, treten dann auf den Balkon, bewundern das Kreuz des Südens unter klarem Sternenhimmel, genießen die warme Luft und lassen uns vom sanften Rhythmus des Zuges schaukeln. Nostalgisch und vielleicht etwas neidisch schauen wir oft auf Reiseerlebnisse dieser Art aus dem letzten Jahrhundert, als man sich Zeit nahm, das Unterwegssein zu genießen und nicht nur so schnell wie möglich von A nach B gelangen wollte. Der Weg ist das Ziel – diese alte Lebensweisheit des chinesischen Philosophen Konfuzius wird derzeit wiederentdeckt: mit der Rehabilitierung von Nachtzügen, mit dem Trend zu längeren Reisen, mit der neuen Wertschätzung für Verlangsamung, für Slow-Food und Meditation.
Bei „Rovos Rail“ hat man sich genau das auf die Fahnen geschrieben und ist überzeugt, exakt das zu bieten, was uns modernen Zeitgenossen häufig fehlt. „Es ist alles so hektisch, jeder ist überlastet, das Menschliche bleibt auf der Strecke“, so ein Mitarbeiter. „Hier ‚zwingen‘ wir die Menschen, wieder zur Ruhe zu kommen.“ So sind denn auch Computer und Handys in öffentlichen Bereichen der Waggons verpönt, bewusst wurde verzichtet auf TV, Radio oder WLAN. Wir Passagiere gewöhnen uns rasch an das stressfreie Dasein bei gemächlichen 30 Kilometern pro Stunde, an die plötzlich verfügbare Zeit, in der es keine Termine oder dringenden Anrufe gibt. Unser Tagesablauf wird bestimmt von der Glocke, die zum Mittag- oder Abendessen in den Speisewagen ruft.

(Foto: RVR/ Jos Beltman)

Ein Luxushotel auf Schienen

Größter Luxus bei Rovos-Reisen ist die geschenkte Zeit. Neben diesem ideellen Wert fehlt es auch an keinem materiellen Komfort: Jede der holzgetäfelten Kabinen (in allen drei Preiskategorien) ist mit breitem Bett und eigenem kleinen Bad mit einer Dusche und einem WC ausgestattet, mit eingebauten Schränken und Fächern im Stil einer Luxusyacht. Sogar ein Kühlschrank ist vorhanden – und wird täglich mit Getränken aufgefüllt. Alle Mahlzeiten der hervorragenden Küche, alle Getränke (so auch der südafrikanische Wein) und alle Ausflüge sind bei Rovos inklusive. Geldbeutel und Kreditkarte können während der Fahrt im Safe bleiben. Für die 40 Passagiere steht ein Speisewagen mit weiß gedeckten Zweier- oder Vierer-Tischen bereit, ein Bar-Waggon sowie ein Salonwagen mit einladenden Sesseln, Spielen und Büchern. Höhepunkt ist der eingangs erwähnte Balkon am Ende des Zuges.

Die Victoriafälle und die Bahn: Sie brachte schon Anfang des 19. Jahrhunderts Touristen in das damalige Rhodesien. Als Teil der ehemals vom britischen Unternehmer und Politiker Cecil Rhodes geplanten Strecke vom Kap nach Kairo wurde 1905 über den Sambesi-Fluss die damals größte Eisenbahnbrücke der Welt gebaut, die Victoria Falls Bridge, heute Grenzübergang zwischen Simbabwe und Sambia.

Dies alles erfahren wir beim Empfang in der Rovos-Lounge des Victoria Falls Hotels an den gleichnamigen gigantischen Wasserfällen. Dort begrüßt uns Zugmanager Lawrence mit einigen Informationen zur Reise. So erklärt er uns beispielsweise, dass unser Zug aus zwei Elektro-Diesel-Lokomotiven, einem Waggon mit Stromgenerator, einem Wagen für das Personal, sowie sieben Passagier-Waggons mit je vier bis acht Kabinen besteht.


Foto: Harald Bungarten

Geschichtsträchtig
Alles atmet Historie im Victoria Falls Hotel, das seit 1904 Gäste beherbergt, darunter viele illustre Persönlichkeiten. Sie alle schätzen das traditionsreiche Ambiente, den 5-Sterne-Luxus und die Lage direkt an den Victoriafällen.Die mächtigen Wasserfälle (heute UNESCO-Weltnaturerbe) bekam David Livingstone 1855 als erster weißer Mann zu Augen und benannte sie nach seiner Königin. Bei den Einheimischen waren sie bekannt als Mosi-oa-Tunya, als „donnernder Rauch“. Denn der Sprühnebel des 110 Meter hohen und 1600 Meter breiten Wasserfalls, einem der größten der Welt, steigt bis zu 300 Meter hoch und ist bis zu 30 Kilometer weit zu sehen. Das elegante Hotel liegt im Victoria Falls Nationalpark und bietet einen privaten Zugang zu den Victoriafällen, von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf sie, die am Ende der Regenzeit von April bis Juni besonders eindrucksvoll hinabstürzen. www.victoriafallshotel.com


Viel Zeit für Begegnungen
Die Zeit im Zug nutzen einige der 40 Reisenden zum Lesen, die meisten allerdings für Kommunikation. Neugierig sind wir alle auf unsere Mitreisenden, offen und bereit für Begegnungen und Gespräche – sei es in der Lounge, in der Bar oder auf dem offenen Balkon am Ende des Zuges, nicht nur mein persönlicher Lieblingsort im Rovos. Einfach herrlich, durch die Landschaft zu tuckern, sich gemeinsam zu freuen an der unberührten Natur, an den bunten Vögeln und wilden Tieren, die ab und zu neben den Gleisen auftauchen und verblüfft uns Eindringlinge in ihre Welt betrachten. Gelegentlich winken uns Menschen zu, von kleinen Feldern oder malerischen Krals, den afrikanischen Runddörfern. Und häufig bleiben wir stehen mitten im Niemandsland, manchmal stundenlang. Aus dem Nichts taucht ein Bahnarbeiter auf und stellt von Hand die Weiche um, damit wir an einer Ausweichstelle der fast durchweg eingleisigen Strecke einen entgegenkommenden Zug vorbeirattern lassen können. Dieser kündigt sich schon von fern mit lautem Pfeifsignal an. Auch unser Lokführer warnt etwaige Vorbeikommende vor jedem der stets unbeschrankten Bahnübergänge mit einem schrillen Signal.
Das Thema Sicherheit wird bei Rovos groß geschrieben. An den Bahnhöfen sind überall Sicherheitsdienste präsent. Bei einem Halt auf der Strecke kommen oft Kinder aus den Dörfern zum Zug und fragen nach Schokolade und Geld … schwierig, das abzulehnen. Aber das, so Zugmanager Lawrence, bringt die Kinder nur in Gefahr, weil sie dann neben dem Zug herrennen in der Hoffnung auf mehr. Die Türen der Züge haben von außen keine Griffe, damit sie niemand öffnen kann: Luxus und Armut liegen nahe beieinander in Südafrika. Rovos organisiert regelmäßig Hilfsaktionen für die Leute in den Dörfern. Bei einem Halt werden aus der nächsten Siedlung Menschen abgeholt und mit dem Auto zum Zug gebracht, damit sie dort an einem Stand ihre Waren an Passagiere verkaufen können. Zudem versucht Rovos, so viel wie möglich lokal zu kaufen, wie beispielsweise Lebensmittel.

(Foto: RVR)
Die einzigartige Landschaft Afrikas erleben vom offenen Zugbalkon aus bei 30 bis 60 Kilometern pro Stunde – einfach traumhaft: Dort, am Ende des Zuges, war der Lieblingsplatz unserer Autorin Beate Kuhn-Delestre während der dreitägigen Nostalgiefahrt (Foto: Harald Bungarten)
Vom edlen Speisewagen bis zum Bahnhof – bei Rovos ist alles glanzvoll im viktorianischem Stil gehalten (Foto: RVR)

Auf Safari im Hwange-Nationalpark
Nach einem wunderbaren Dinner im streng vorgeschriebenen Dress-Code – Abendrobe und Anzug mit Krawatte – und angeregter Unterhaltung mit den anderen Passagieren schlafen wir, dank des sanften Schaukeln des Zuges, schnell ein. Bereits um 5.30 Uhr werden wir geweckt. Kurzes Frühstück und dann geht’s auf Safari. Dafür hält der Zug mitten im Nirgendwo. Während wir die aufgehende Sonne bestaunen, die den Himmel rosenrot färbt, tauchen plötzlich sieben offene Jeeps auf, in denen jeweils sechs Passagiere Platz nehmen. Und dann erwartet uns die abenteuerliche Erlebniswelt des Hwange-Nationalparks, der ganz ohne Zaun den wilden Tieren freie Bahn lässt. Diese danken es uns und lassen sich von ganz nah beobachten: Schläfrige Löwen, die ihr Frühstück verdauen, Giraffen, die elegant zwischen den Bäumen schreiten, Elefanten beim ausgiebigen Blätter-Morgenmahl und jede Menge Antilopen und Affen, die sich von uns nicht stören lassen.
Unser Führer Tanaka erzählt uns viele spannende Geschichten, aber auch die Story des Löwen Cecil, der lange in Hwange lebte und zahlreiche Nachkommen zeugte, bis ihn 2015 ein amerikanischer Zahnarzt bei einem eigentlich verbotenen Jagdausflug mit Pfeil und Bogen tötete. Das löste einen weltweiten Skandal aus; der Arzt musste seine Praxis schließen.
Am Ende unseres Safari-Ausflugs werden wir unter schattigen Bäumen mitten im Busch mit einem kleinen Buffet empfangen. Dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen von dieser wunderbaren Landschaft und schützenswerten Natur, von dieser herrlich nostalgischen Reise. Der Rovos wird uns nun gemächlich nach Pretoria bringen. Endstation ist der private, im viktorianischen Stil gehaltene Rovos-Bahnhof – ein letztes Highlight unserer unvergesslichen Fahrt.

Nach diesen drei erlebnisreichen Tagen fühlen wir Passagiere uns fast wie eine Familie. So herzlich wie traurig sagen wir einander Adieu und verabschieden uns von dem neuen alten Zeitgefühl des Lebens.
Und da zücken die Ersten bereits wieder ihre Handys …


(Foto: Harald Bungarten)
Kraal, oder Kral werden die geschützten Rundsiedlungen der Einheimischen genannt, die vor allem im südlichen Afrika zu sehen sind (Foto: shutterstock/HknKirmizi)
(Foto: Harald Bungarten)

Mitten im Hwange-Nationalpark werden wir mit einem offenen Jeep vom Safari-Führer am Zug abgeholt. Dann geht es los über holprige Pisten und Grasland zur „Jagd“ auf die „Big 5“: Löwe, Elefant, Büffel, Leopard und Nashorn – letzteres ist allerdings von Wilderern hier fast ausgerottet. Zahlreich hingegen sind die Antilopen, die Elefanten … und sogar die Löwen, die nach einem kräftigen Mahl oft tagelang faul und entspannt herumliegen. Wasser brauchen sie kaum, die nötige Flüssigkeit bekommen sie durch das Blut der Beute, erzählt Tanaka. Friedlicher sind da die vielen exotischen Vogelarten wie die in blau-lila Tönen schimmernde Gabelracke oder der seidig blau-schwarz glänzende Rotschulter-Glanzstar.
Nach der Safari wird für die Gäste des Rovos Train mitten im Buschland unter Schatten spendenden Bäumen ein Buffet aufgebaut, mit Getränken, Snacks, Klappsesseln und sogar Toiletten. Etwas neidisch beobachtet uns aus sicherer Entfernung eine Affen-Großfamilie und hofft, dass etwas übrig bleibt. Der Hwange National Park gilt mit seinen knapp 15 000 Quadratkilometern als das größte Naturreservat Simbabwes.


Kurz nachgefragt bei Rohan Vos

Am privaten Zielbahnhof in Pretoria empfängt Rohan Vos persönlich die Passagiere, so auch unsere Autorin (Foto: Harald Bungarten)

Rovos ist ein echtes Familienunternehmen, wozu sich auch der ganze Mitarbeiterstab zählt: 500 Beschäftigte renovieren und reparieren auf Auktionen ersteigerte historische Waggons und Lokomotiven, halten den privaten Bahnhof in Pretoria instand, kümmern sich als Kellner, Koch, Barmann, Zimmermädchen oder Manager um die Rovos-Passagiere und fahren natürlich die Züge über die oft anspruchsvolle Strecke.
Ro-vos steht für den Namen des Gründervates – hier passt der Begriff tatsächlich! – Rohan Vos, der 1989 seinen Traum von einer Renaissance des viktorianisches Reisens mit dem Zug verwirklichte. Auch heute noch führt er die Passagiere ganz persönlich, und nach wie vor mit ansteckender Begeisterung, am privaten Bahnhof in Pretoria durch die Anlage, die Gebäude, die Werkstätten, die Züge, die Lokomotiven (darunter zwei historische Dampfloks). Gern erzählt der aktive wie attraktive 80-Jährige von den Anfängen, von den vielen Ups und noch mehr Downs der inzwischen über 30-jährigen Firmengeschichte.

Herr Vos, wie kamen Sie auf Ihre Zug-Idee?
Es begann 1985 mit einem Familienfest, das ich als begeisterter Mechanik- und Zugfan stilvoll mit einer Familienreise im Privatzug feiern wollte. Doch angesichts des Preises musste ich den Plan fast aufgeben, bis mir jemand den Tipp gab, einige Plätze im Zug an Fremde zu verkaufen. Und so wurde aus meinem Hobby plötzlich ein Geschäft, sehr zum Kummer meiner Frau
Anthea, die mich von da an mit Rovos teilen musste, aber durch alle schwierigen Zeiten hindurch zu mir stand, genauso wie unsere vier gemeinsamen Kinder.
Aus der ursprünglichen Idee, ein oder zwei gebrauchte Waggons zu kaufen und zu einer Art Wohnwagen auf Rädern für Familie und Freunde umzubauen, entwickelte sich im Lauf der Zeit ein echtes Business. Doch der erste wirklich professionelle Rovos-Zug im April 1989 hatte nur vier zahlende Passagiere an Bord, der Rest waren Familie und Freunde, sowie Presseleute.

Wie wurde Rovos dann zum wirklichen Unternehmen?
Für meinen Traum, ein privates Bahnunternehmen zu führen, das fahrplanmäßig zwischen den südafrikanischen Großstädten verkehren sollte, habe ich 1993 sogar meinen ganzen Besitz verkauft – einfach alles: Haus, Autos, Boot, … Ich war so gut wie pleite. Kurz vor Weihnachten setzte mir die Bank ein Ultimatum, den Kredit zurückzuzahlen … und nur weil über die Feiertage eine Art Schonfrist von zehn Tagen galt, hat Rovos überlebt.
Kurz vor Jahresende kam der heiß ersehnte Anruf meines Reiseagenten in London mit der guten Nachricht, er habe zahlende Passagiere für vier Zugreisen gewinnen können. Zunächst war ich sprachlos, dann rief ich erleichtert ins Telefon „Send cash“ (schicke Bargeld!). So konnte ich den Kredit zurückzahlen und Rovos am Leben halten.

Und wie ging es weiter?
Bergauf ging es dann vor allem, als nach dem Ende der Apartheid Anfang der 1990er Jahre wieder ausländische Touristen nach Südafrika reisten. Nach und nach kaufte ich dann von der maroden staatlichen südafrikanischen Eisenbahngesellschaft immer mehr Waggons und Lokomotiven, die hier in Pretoria in unseren Werkstätten monatelang restauriert, renoviert und umgerüstet werden müssen, bevor sie dem hohen Rovos-Standard entsprechen. Allein das Streichen eines Waggons in unserer hoch-widerstandsfähigen grünen Farbe dauert zehn Tage! Kaum zu glauben, dass wir nun nach drei Jahrzehnten mit mehr als 20 Loks und 140 Waggons auf verschiedenen Strecken durch das südliche Afrika fahren.

Wie sehen Sie die Zukunft von Rovos?
Positiv, Rovos soll weiter wachsen. Ich versuche seit einiger Zeit, auch Reisen nördlich von Daressalam zu organisieren. Das ist schwierig, weil unsere Züge auf den dort von deutschen Kolonialherren angelegten schmaleren Gleisen nicht fahren können. Vor allem aber scheitert es bislang daran, dass jedes Mal kurz vor Vertragsunterzeichnung der jeweils verantwortliche Manager oder Politiker wegen Korruption verurteilt, abgesetzt und im Gefängnis landet.
Die Korruption und die politische Lage in einigen Staaten machen mir immer wieder Kopfzerbrechen, dazu auch der Diebstahl von Kabeln, defekte Signale und Stromausfälle. So ist die Strecke durch Botswana fast nirgends elektrifiziert, weshalb die Rovos-Elektroloks auch mit Dieselmotoren ausgestattet sind, die dann Strom für den Lokantrieb erzeugen.
Das alles kostet viel Geld, wobei das Material nur 10 Prozent des Budgets ausmacht. Die restlichen 90 Prozent geben wir aus für Löhne und für die Nutzung der Gleise, die staatlichen oder privaten Unternehmen verschiedener afrikanischer Länder gehören und je Kilometer bezahlt werden müssen. Aber noch immer macht es mir große Freude, Rovos weiterzuentwickeln – und meine Frau hat sich damit abgefunden, dass Rovos zur Familie gehört. Meine Kinder sind damit aufgewachsen und es freut mich besonders, dass eine Tochter bereits im Rovos-Management arbeitet. Was als Hobby begann, wurde zum erfolgreichen Business – und darüber bin ich sehr glücklich.


Alles rund um die Touren

Rovos-Rail organisiert zwei- bis 17-tägige Reisen durch Afrika (jeweils mit Ausflügen vom Zug aus für Safaris, Besichtigungen usw.). Die Preise für (wirklich) alles inklusive beginnen bei rund 1400 Euro.

(Foto: RVR/Petrus Alexander Smith)


► Die Tour unserer Autorin dauerte drei Tage und Nächte, von den Victoriafällen in Zimbabwe nach Pretoria (inklusive Safari im Hwange-Nationalpark). Sie gilt als eine der beliebtesten Strecken von Rovos, die mehrmals pro Monat in beide Richtungen angeboten wird. Genauso wie die zwei- bis viertägigen Zugfahrten zwischen Pretoria und Kapstadt, sowie Pretoria und Durban (Ostküste).
► Besonders stolz ist Rovos auf die wirklich langen Zugreisen, die allerdings nur zwei- bis fünfmal jährlich stattfinden: Neun Nächte ist man unterwegs bei einer Golf-Safari-Rundreise ab Pretoria, sowie bei der Fahrt von Pretoria nach Namibia (Walvis Bay), einer besonders bei Deutschen beliebten Reise.
► Fünfmal pro Jahr geht es in 17 Tagen über fast 6000 Kilometer Gleise nach Daressalam in Tansania (einige Ausflüge während der Fahrt inklusive). Und seit kurzem auch quer durch den afrikanischen Kontinent von West (Daressalam/Tansania) nach Ost (Lobito/Angola) und zurück, was keine andere Zuglinie anbietet. Nördlicher als Daressalam können die Rovos-Züge allerdings nicht fahren, da die dortigen, einst von der deutschen Kolonialregierung angelegten Gleise, zu schmal sind für südafrikanische Züge.
► Ebenso bietet Rovos regelmäßige Themenreisen an, wie eine komibinierte „Golf-Safari“ oder eine „afrikanische Golf-Collage“ zu den schönsten Golfplätzen Südafrikas.


Nichts ist unmöglich bei Rovos

Rovos-Mitarbeiter Joe Mathala gilt als Seele von Rovos (Foto: Harald Bungarten)

Häufig werden die Rovos-Züge von Privatleuten oder Unternehmen für eine Reise nach Wunsch gemietet, weiß Joe Mathala zu berichten. Er gilt als Seele von Rovos.
Einst begann er als einfacher Arbeiter in den Rovos-Werkstätten, wurde Chauffeur von Rohan Vos, dann Kofferträger und Kellner und schließlich Train-Manager am Hauptquartier Pretoria.

Was Joe ein wenig vermisst, seit er nicht mehr auf dem Zug mitfährt, ist der Kontakt mit den Passagieren – vor allem zu erleben, wie sich diese verändern: Sie kommen an, gestresst und müde von der Anreise … und wenn sie nach ein paar Tagen aus dem Zug aussteigen, dann sehen sie einfach nur glücklich aus. Dabei setzt Rovos alles daran, jeden Passagier zufriedenzustellen – nach dem Motto: „Nichts ist unmöglich!“
Wie alle bei Rovos ist auch Joe Mathala stolz darauf, dass die meisten Produkte an Bord aus Südafrika stammen und zunehmend nach ökologischen Kriterien ausgewählt werden, so wie die exzellenten südafrikanischen Weine und die in jedem Abteil bereitstehenden Kosmetika, zum Beispiel der vegane, anti-cruelty Lippenbalsam von „Msulwa“ (das Zuluwort bedeutet „rein“). Msulwa unterstützt mit ihrer Stiftung kleine Umweltorganisationen. Shampoo, Seife, Creme und Sonnenschutz in umweltfreundlicher Verpackung liefert ein nach ökologischen Kriterien arbeitendes Unternehmen namens „Katawi“, das von zwei südafrikanischen Frauen gegründet wurde. Auch das biologisch abbaubare „Güdsheet“-Toilettenpapier in Rovos-Zügen wird aus recycltem Papier ohne Zusatzstoffe hergestellt.
Seit der Corona-bedingten Zwangspause 2020 bis 2022 serviert man Wasser in Flaschen aus Bioplastik, das von der ebenfalls nach ökologischen Kriterien arbeitenden Firma namens „Fortis X“ aus Zuckerrohr hergestellt wird und 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Bei den Lebensmitteln für das Essen an Bord gelten ebenfalls hohe Standards an Qualität und Ökologie. Die saisonal wechselnden, für jede Reise festgelegten Menüs werden in der Rovos-Küche in Pretoria geplant und ausprobiert, dann im Küchenwaggon der Züge von jeweils zwei Köchen zubereitet. Insgesamt sorgen bei jeder Reise 20 bis 25 Leute für exzellenten Service der 40 bis 72 Passagiere – bei langen Reisen sind auch ein Friseur und ein Historiker mit dabei. Die Massagen an Bord allerdings musste Rovos wieder aufgeben, weil es sich in einem ruckelnden Zug als einfach nicht praktizierbar erwies, so Joe Mathala.


Nicht nur der Zug, auch die Strecken sind einzigartig. So fährt er zum Beispiel in Südafrika 150 Kilometer nur geradeaus – ganz ohne Kurven (Foto: RVR)
Auf dem Privatgelände des Rovos-Bahnhofs in Pretoria werden gebrauchte Lokomotiven und Waggons restauriert und ständig gewartet (Foto: RVR/PhotoScape)

Volle Kraft voraus
Um den viktorianischen Zeitgeist einzufangen und den Stil der 1920er Jahre zu wahren, wollte Inhaber Rohan Vos anfangs nur Dampfloks einsetzen – was sich allerdings schnell als zu kompliziert erwies. Denn für einen einzigen Kilometer verbrauchen sie Unmengen Wasser und Kohle (der Durchschnittswert liegt je nach Strecke und Zuglänge bei 25 Kilogramm Kohle und 150 Liter Wasser). Deshalb müssen sie jeweils nach spätestens 50 Kilometern stoppen und neues Wasser laden. Dennoch sind die zwei 90 und 150 Tonnen schweren Dampfloks von 1949 und 1893 noch immer gelegentlich im Einsatz. „Tiffany“ und „Shaun“ heißen die Prachtstücke nach der jüngsten Tochter und dem Sohn von Rohan Vos. Auch die anderen Lokomotiven tragen die Namen von Familienmitgliedern des Firmengründers. rovos.com


Aufmacherbild: DOOKPHOTO.COM

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