Das grasgrüne Teepulver aus Japan erobert Deutschland. Ob im hippen Café um die Ecke oder am heimischen Küchentisch:
Matcha schafft nicht nur kleine meditative Inseln der Entspannung im Alltag, sondern fördert auch die Gesundheit. Und sorgt als Koch- und Backzutat für fröhliche Farbtupfer auf dem Teller.

Grün steht für Frische, Lebenskraft und Gesundheit. Ob Matcha deshalb gerade so beliebt ist? Die Farbe, ganz klar, ist ein echter Eyecatcher! Besonders, wenn das Getränk aus Japan mit buntem Obst wie Erdbeere oder Mango kombiniert wird. So ergeben sich optisch reizvolle Kreationen, die einfach Laune machen und in den Sozialen Medien für bunte Hingucker sorgen. Doch das Grüntee-Pulver hat auch innere Werte!
Matcha bedeutet wörtlich übersetzt „gemahlener Tee“. Was ziemlich tiefgestapelt ist, wenn man den Aufwand bedenkt, mit dem das Pulver gewonnen wird. Grundlage ist – wie bei allen klassischen Teesorten – der Teestrauch Camellia sinensis. Geerntet werden davon nur die obersten drei Blätter eines Zweiges. Zuvor sind die Sträucher drei bis vier Wochen mit Netzen oder Bambusmatten beschattet worden. Dies hat zur Folge, dass sich die wertvollen Inhaltsstoffe verstärkt in den Teeblättern anreichern, außerdem kommt so die erbsengrüne Farbe zustande. Geerntet wird mehrfach, aber nur die erste Ernte erhält die Bezeichnung „Ceremonial Grade“, die höchste Qualitätsstufe, die auch bei der traditionellen japanischen Teezeremonie verwendet wird:

(Foto: pexels-eva-bronzini)

Drei Qualitätsstufen, Viele Genussmomente
Ceremonial Grade Leuchtend grün, pudrig-fein gemahlen, mild, süß und samtig, so präsentiert sich die höchste (und teuerste) Qualitätsstufe. Sie stammt ausschließlich aus der ersten Ernte des Jahres, verwendet werden nur die jüngsten, feinsten Blätter ohne Rippen und Äderchen. Ceremonial Matcha wird bei der traditionellen japanischen Teezeremonie verwendet. Man sollte ihn am besten pur, ohne Süße und Milch genießen. Premium Grade ist dunkler, der Geschmack kräftiger und herber als beim Ceremonial Grade. Er stammt aus der ersten und zweiten Ernte. Dennoch ist dieser Matcha von hoher Qualität und subtiler, bittersüßer Eleganz. Er eignet sich für Smoothies oder Milchmixgetränke ebenso gut wie für puren Tee. Culinary Grade Der Name verrät es schon: Diesen Matcha können Sie prima zum Kochen, Backen und Mixen verwenden. Seine Farbe ist olivgrün, die Körnung meist weniger fein als bei den anderen beiden Varianten. Er stammt aus späteren Ernten und hat einen leicht erdigen Geschmack.

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Wirkstoff-Wunder
Nach der Ernte von Hand werden die Blätter kurz gedämpft und schonend getrocknet, um Farbe und Inhaltsstoffe zu konservieren. Anschließend werden Stängel und Blattrippen entfernt. Fertig ist der Tencha, so der Name des speziell aufbereiteten Tees. Dieser wird nun zwischen zwei Granitsteinen zu feinstem Pulver gemahlen. Ein Vorgang, der so langsam vonstatten geht, dass in einer Stunde nur zirka 40 Gramm Matcha produziert werden. Dass soviel Aufwand seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Dafür hat das Getränk aber auch einiges zu bieten: Matcha enthält neben etlichen Vitaminen und Mineralien vor allem viel Koffein, die Aminosäure L-Theanin, Chlorophyll sowie die höchste bekannte Konzentration an Antioxidantien. Koffein und L-Theanin sorgen dafür, dass man wach, aber nicht unruhig oder aufgedreht ist. Das Koffein im Matcha ist zwar stärker als jenes im Kaffee, wird aber im Gegensatz dazu erst im Darm freigesetzt und wirkt deshalb sanfter, aber langanhaltender. L-Theanin fördert außerdem die Konzentration, beruhigt aber zugleich, ohne müde zu machen – mit ein Grund, warum japanische Mönche den Matcha im 12. Jahrhundert aus China in ihre Heimat brachten. Denn mithilfe des grünen Gebräus konnten sie länger und konzentrierter meditieren. Darüber hinaus gibt es wissenschaftlich noch nicht belegte Vermutungen, dass L-Theanin präventiv gegen Schlaganfälle, depressive Verstimmungen und Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson wirkt. Antioxidantien wie Epigallocatechingallat (EGCG) im Matcha wirken entzündungshemmend und das Immunsystem stärkend. Außerdem gibt es Hinweise, dass es in der Krebsprävention hilfreich sein könnte. Auch das enthaltene Chlorophyll besitzt viele gute Eigenschaften, ist entgiftend, fördert Wundheilung und Hautgesundheit, regt den Stoffwechsel an, gleicht den Säure-Basen-Haushalt aus und hilft sogar gegen schlechten Körpergeruch.


(Foto: iStock/efetova)

Matcha Latte ist zwar ein heiß begehrtes Trend-Getränk, aber zumindest aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht unbedingt ein gutes Match. Denn einer der gesundheitlichen Pluspunkte des grünen Pulvers sind die vielen Antioxidantien, die den Körper vor freien Radikalen schützen und so nicht nur Krankheiten, sondern auch vorzeitige Hautalterung ausbremsen können. Allerdings bindet das in Kuhmilch enthaltene Protein Casein die Antioxidantien und reduziert ihre Wirksamkeit um über die Hälfte. Ähnliches gilt für Sojamilch. Bei veganen Alternativen wie Hafer- oder Mandelmilch sind die Einbußen deutlich geringer. Dem Geschmack tut dies alles aber keinen Abbruch.


Cremig, sämig, lecker
Am wichtigsten ist aber der Geschmack. Kenner beschreiben ihn als süßlich-nussig, grasig-frisch, auf subtile Weise bitter und vor allem umami – die japanische Erfindung für den fünften Grundgeschmack – alles, was mild-herzhaft nach proteinhaltigen Lebensmitteln wie Fleisch oder Käse schmeckt. Richtig aufgeschlagen, kommt noch diese besondere Cremigkeit hinzu, die Matcha zu einem Gaumenschmeichler macht. Neben Klassikern wie Strawberry Matcha Latte erobern immer mehr kreative Mixgetränke die Cafés. Experimentieren Sie einfach – gerade jetzt geht das gut mit Zutaten wie Zimt, Vanille oder Lebkuchengewürz. Dazu schmecken selbstgebackene Kokos-Cookies mit Matcha (Rezept auf der übernächsten Seite). Ganz egal, ob traditionell in einer japanischen Teezeremonie, als kleines persönliches Pausenritual oder als stylishes In-Getränk für trendbewusste Zeitgenossen – Matcha ist immer eine gute Wahl.


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Step by Step zu köstlichem Matcha

  1. Matchapulver durch ein kleines Sieb in die mit heißem Wasser vorgewärmte Schale („Chawan“) füllen. Verwenden Sie dazu den Chashaku genannten Bambuslöffel und messen Sie zwei Portionen damit ab. Alternativ können Sie auch einen leicht gehäuften Teelöffel hineingeben. Das Sieben des Matchas hilft, Klümpchen zu vermeiden.
  2. Heißes Wasser aufkochen, auf 70 bis 80 Grad Celsius herunterkühlen lassen und dann je nach gewünschter Intensität bis zu 100 ml Wasser aufgießen. Kochendes Wasser sollten Sie nicht verwenden. Dadurch gehen nicht nur Nährstoffe verloren. Der Tee kann so auch bitter werden.
  3. Mit dem Chasen, dem kleinen Bambusbesen mit kurzem Griff, das Wasser-Teepulver-Gemisch kraftvoll rühren, bis es schön schaumig und sämig ist. Das geht am besten mit schnellen, kräftigen Zickzack-Bewegungen. Die Borsten des Besens sollten dabei den Boden der Schale nicht berühren. Tipp: Weichen Sie den Chasen vor Gebrauch in warmem Wasser ein. Das hält die Borsten elastisch und Sie haben länger etwas von dem Zubehör.
  4. Mix & Match Verwenden Sie für Matcha Latte die oben genannte Menge an fertigem Matcha und füllen Sie mit rund 200 ml aufgeschäumter Milch nach Geschmack auf. Ebenfalls nach Geschmack süßen und genießen!

Das sollten Sie beachten!

  • Muntermacher Matcha enthält sechsmal mehr Koffein als Kaffee. Allerdings wird es nicht, wie bei Kaffee, schon im Magen freigesetzt, sondern erst im Darm. Daher wirkt es langsamer, schonender und langanhaltender. Mehr als fünf Tassen am Tag sollte man dennoch nicht trinken. Für Kinder ist Matcha nicht geeignet, für Schwangere in geringen Maßen.
  • Gesundbrunnen Matcha enthält die Vitamine A, B, C und E sowie Mineralien wie Kupfer, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Zink. Das Flavonoid Catechin überzeugt als starkes Antioxidans,. Für den besonderen, unverwechselbaren Geschmack sorgen die Aminosäure L-Theanin und der Pflanzenfarbstoff Chlorophyll.
  • Nebenwirkungen Obwohl Matcha viele gesundheitliche Vorzüge hat, kann er in manchen Fällen auch kontraproduktiv wirken, etwa wenn Sie Blutverdünner, Blutdrucksenker, sowie Medikamente gegen Angststörungen oder Schilddrüsenfehlfunktionen einnehmen. Außerdem kann zuviel Matcha die Eisenaufnahme im Blut hemmen. Im Zweifel sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um sich abzusichern.
(Foto: pexels-roman-odintsov)

Ready for Tea Time

Basics Die wichtigsten Utensilien zur stilechten Zubereitung von Matcha in einem Set aus türkisgrauer Trinkschale, Chasen, Chashaku und Matcha in Bio-Qualität. 72 €. www.matcha-karu.com

Farbecht Abgestimmt auf die Farbe des Inhalts präsentiert sich die Carry Cup von Equa aus recycelbarem Material. Sie ist auslaufsicher und hält 600 Milliliter Flüssigkeit bis zu acht Stunden warm. 34,50 €. www.myequa.com

Crunchy
Die Geschmackskombi Matcha und Erdbeere gibt’s auch als Bonbon. Nucao, 50 g, 2,95 €. www.health-bar.com

Geschmacksverstärker Der klassische japanische Tetsubin (Wasserkessel) aus Gusseisen hält Wasser nicht nur lange warm, sondern macht es auch weicher und reichert es mit Mineralien an. Das kommt auch dem Geschmack zugute. Für 1,2 Liter. 249,90 €. www.yoshien.com


KOKOS-COOKIES mit Matcha

Zubereitung: 10 Minuten + 25 Minuten backen

(Foto: Mathias Neubauer)

Zutaten für 8 Stück
● 50 g Kokosraspel ● 50 g Mandelmehl ● ½ TL Matchapulver ● ¼ TL natürlicher Vanilleextrakt ● 4 TL Kakaobutter ● 60 ml Reissirup (alternativ Ahornsirup oder Honig) ● Kokosraspel und Matchapulver zum Wälzen

  • Backofen auf 90°C (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Kokosraspel, Mandelmehl, Matchapulver und
  • Vanilleextrakt mischen. Die Kakaobutter schmelzen und mit dem Reissirup dazugeben. Mit einem Löffel zu einem homogenen, klebrigen Teig verrühren.
  • Die Masse in acht Portionen teilen. Diese mit leicht angefeuchteten Händen erst zu Kugeln rollen, dann auf dem Backblech vorsichtig zu Cookies flach drücken. Da die Masse ziemlich klebrig und bröselig ist, die Hände bei Bedarf mehrmals anfeuchten.
  • Die Cookies im heißen Ofen auf der mittleren Schiene etwa 25 Minuten backen. Kokosraspel und Matchapulver auf einem Teller mischen. Nach dem Backen Cookies darin wälzen. Danach auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Grünfutter

Von herzhaft bis süß: „alles Matcha“ bietet viele kreative, leicht nachzukochende Rezepte, die das grüne Superfood und seine gesundheitlichen Benefits in den Mittelpunkt stellen. ZS Verlag, 2025, 128 S., 19,99 €. www.zsverlag.de


Aufmacherbild: shutterstock/New-Africa; pexels/cup-of-couple

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