Segeln ist einfach eine Klasse für sich: Mit dem Wind im Haar und Gischt auf der Haut übers Wasser zu gleiten, ist mit nichts zu vergleichen. Neben dem Gefühl von Abenteuer, Freiheit und Teamgeist bringt der Sport an Bord eines Segelbootes auch viele gesundheitliche Benefits mit sich.
Leinen los, Segel setzen und sich vom Wind hinaus aufs Wasser treiben lassen. Wer einmal gesegelt ist, kommt nicht mehr davon los. Dieses Gefühl von Freiheit und Weite, gewürzt mit einer guten Prise Abenteuer, den Wind im Haar und die Gischt im Gesicht, ist einfach unvergleichlich. Und was ist meditativer, als bei Windstille auf dem Vordeck zu sitzen und dem Wasser beim Glitzern zuzusehen? Auf einem Segelboot lässt man den Alltag ganz schnell hinter sich, schließlich fordert und fördert Segeln Körper und Geist, macht den Kopf frei und nährt die Seele.

Nah am Wasser auf der Jolle
Wer segeln lernen möchte, beginnt in der Regel mit einer Jolle. Die kleine, offene Bootsart ohne Kajüte ist dank eines flachen Rumpfs relativ stabil. Eine Jolle ist gewöhnlich drei bis sechs Meter lang, einen bis zwei Meter breit und wiegt 50 bis 200 Kilo. Bis zu vier Personen finden darauf Platz. Neben der geringen Größe ist die Nähe der Besatzung zur Wasseroberfläche typisch. Auf Jollen spürt man den Wind besser als auf anderen Booten, außerdem reagieren sie direkt auf Steuerbewegungen – beides Vorteile für Einsteiger. Mit wachsender Erfahrung kann man dann auf größere, anspruchsvollere Bootsarten umsteigen, wobei die Jolle auch für erfahrene Segler reizvoll bleibt. Die Erfahrung kommt mit der Zeit.
Als Start in die Sportart empfiehlt sich ein Segelkurs, wie ihn zahlreiche Segelschulen an größeren Gewässern anbieten. Achten Sie darauf, dass die Lehrer zertifiziert sind. Eine umfangreiche Liste anerkannter Segelschulen in ganz Deutschland führt der Deutsche Segler-Verband (www.dsv.org). Auch viele Segelvereine bieten Kurse und Ausbildungen an. Die Wahrscheinlichkeit, in Ihrer Nähe Segeln lernen zu können, ist also hoch. Und falls nicht, gibt es vielerorts im In- und Ausland einwöchige Intensiv-Kurse, die sich prima während eines Urlaubs absolvieren lassen – mit den schönsten Segelrevieren direkt vor der Hoteltür.
Traumreviere in Europa
- Die griechische Ägäis ist ideal für Anfänger: Sanfte Winde lassen das Boot entlang sonnenbeschienener Küsten durch glasklares Wasser gleiten. Antike Ruinen und verträumte Dörfer setzen Glanzpunkte und laden zu Landgängen ein.
- Azoren Die portugiesischen Vulkaninseln im Atlantik sind ein Paradies für Naturliebhaber. Schroffe Küsten, schwarze Sandstrände und eine üppige Vegetation machen jeden Segeltörn zu einem Erlebnis von entspannend bis abenteuerlich.
- Bretagne Frankreich von seiner rauen Seite: Steilküste, grüne Landschaften und historische Städte prägen die Region am westlichsten Zipfel des Landes. Kräftiger Wind und ein ausgeprägter Tidenhub erfordern ein gutes Maß an Erfahrung.
- Dalmatien eignet sich für alle Segler, ob mit viel oder eher wenig Erfahrung. Viele idyllische kleine Inseln, versteckte Buchten sowie beeindruckende historische Städte wie Split oder Dubrovnik säumen die Küste im Süden Kroatiens.
- Sardinien Italiens Trauminsel mit ihren weißen Sandstränden und dem wunderbaren türkisblauen Meer begeistert Segler mit charmanten kleinen Hafenstädtchen wie Alghero, aber auch mit luxuriösen Yachthäfen, etwa in Porto Cervo.
Eine gute Wahl für den Einstieg ist der Sportbootführerschein unter Segeln. Es gibt ihn für Binnengewässer sowie zur See. Die Ausbildung schließt mit einer theoretischen sowie einer praktischen Prüfung ab und kann ab einem Alter von 14 (Binnengewässer) bzw. 16 Jahren (Meer) absolviert werden. Dabei lernt man neben verschiedenen Segelmanövern und dem Fahren nach Landmarken oder Schifffahrtszeichen auch das Steuern nach Kompass und das Knüpfen von Knoten. Bei weiterführenden Kursen und Ausbildungen kommen dann komplexere Themen wie das Lesen von Seekarten, die Berechnung der Tiden oder Wetterkunde hinzu. Nach rund 20 Praxisstunden ist man gewöhnlich in der Lage, ein Boot von einem Ausgangs- zu einem Zielpunkt zu manövrieren.
Wer regelmäßig segelt, profitiert in vielerlei Hinsicht. Da wäre zunächst einmal die körperliche Komponente. Segeln fordert eine Vielzahl von Muskeln. Allein schon das Balancehalten bei bewegtem Wasser beansprucht neben der Bein- auch die tiefe Bauchmuskulatur und ist ein hervorragendes Gleichgewichtstraining. Das Ziehen von Seilen und das Anheben der Segel stärkt nicht nur die Arme, sondern den gesamten Oberkörper. Beweglichkeit, Feinmotorik und Ausdauer verbessern sich ebenfalls. Darüber hinaus ist Segeln ein wunderbares Kardio-Workout, es trainiert die Lungen, erhöht die Herzfrequenz und verbessert die Durchblutung. Dadurch sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Übergewicht. Die gute Luftqualität auf dem Wasser – auf See kommen noch die heilsamen Aerosole hinzu – ist zusätzlich eine Wohltat für den Organismus. An sonnigen Tagen an Bord bildet der Körper außerdem Vitamin D, das der Knochengesundheit zugutekommt. Dabei sollte man aber den Sonnenschutz nicht vergessen, zu dem neben Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor auch Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen zählen. Weitere Vorzüge des Segelns sind ein verbessertes räumliches Denken und eine gesteigerte Konzentrationsfähigkeit.

Und dann gibt es noch den psychischen Aspekt. So fördert Segeln Teamgeist und Gemeinschaftssinn, denn auf dem Wasser sitzen alle sprichwörtlich im selben Boot und müssen Hand in Hand arbeiten. Damit wird auch das menschliche Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigt.
Das sanfte Schaukeln des Bootes und das Plätschern des Wassers an die Bordwände lassen den Stresspegel sinken, das Gedankenkarussell fährt herunter, der Cortisolspiegel sinkt, Serotonin wird ausgeschüttet, das Nervensystem beruhigt sich. Wer es einmal probiert hat, der weiß: Segeln macht einfach glücklich.
Kleine Bootskunde



Jollen Die kleinen, offenen Segelboote eignen sich besonders für Einsteiger und den Wettkampfsport, ebenso wie für Binnengewässer und Meeresküsten. Sie sind leicht und wendig und lassen sich außerdem an Land gut transportieren. Jollen werden häufig als Trainingsboote genutzt.
Kielboote verdanken ihren Namen dem festen Kiel im Rumpf, der für Stabilität sorgt und ein Kentern verhindert. Das qualifiziert sie auch für rauere und offene See und empfiehlt sie sowohl für Regatten als auch längere Segeltörns, die mehr Komfort bieten sollen.
Segelyachten sind gewöhnlich mindestens zehn Meter lang und besitzen einen festen Kiel, der das Boot stabilisiert, sowie einen bis zwei Masten. Sie haben Kojen, eine Kombüse (Küche) und sanitäre Einrichtungen unter Deck, was sie für mehrtägige Törns prädestiniert. Sie gelten als stabil und sicher und sind oft luxuriös ausgestattet.
Slups verfügen über einen Mast, der sich in der Regel weit vorne im Boot befindet, und zwei Segeln, einem Großsegel und einem Fock genannten Vorsegel. Dadurch kann das Boot gut Balance halten und manövriert werden. Slups sind einfach zu handhaben, auch von kleinen Crews oder einzelnen Seglern, und eignen sich prima für Anfänger und für Freizeittörns.
Katamarane haben zwei parallel angeordnete Rümpfe, die durch eine Plattform miteinander verbunden sind. Das macht sie besonders stabil und schnell zugleich. Katamarane werden gern für sportliche Wettkämpfe genutzt und sind dank ihres Platzangebots und Komforts auch beliebte Freizeitboote. Als Trimaran bezeichnet man Boote mit drei Rümpfen. Sie sind noch stabiler und schneller als Katamarane.
Schon gewusst? Uber bietet seit Kurzem in mehreren französischen Städten den Verleih von Booten an, von Motor- bis zu Segelbooten mit oder ohne Skipper. Die Dienste von Uber Boat sollen bald auch in Italien, Spanien, Portugal und Kroatien eingeführt werden.
Buchtipp
Gibt einen umfangreichen Überblick. Über 1000 Farbfotos, Infos über die neuesten technischen Standards, Verkehrsregeln … Für Anfänger als auch für erfahrene Skipper. Dorling Kindersley Verlag, 2022, 448 S., 29,95 €.

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