Aus- und Weiterbildungen können ein echter Karriere-Booster sein. Simon Kellerhoff, Leiter Sales & Marketing beim Düsseldorfer Bildungsträger IST-Studieninstitut, sprach mit SPA direkt über aktuelle Bildungsangebote für die Wellnessbranche, eine sinnvolle Karriereplanung und welche Rolle die Arbeitgeber in den Hotels dabei spielen. Die Brancheninsider Maren Brandt, Spa Managerin im Hotel Neptun und Keven Prünster, Spa Experte und Stellv. Hoteldirektor im Schlosshotel Kitzbühel, berichten über ihre Erfahrungen zum Thema.

Aus- und Weiterbildungen können ein echter Karriere-Booster sein. Simon Kellerhoff, Leiter Sales & Marketing beim Düsseldorfer Bildungsträger IST-Studieninstitut, sprach mit SPA direkt über aktuelle Bildungsangebote für die Wellnessbranche, eine sinnvolle Karriereplanung und welche Rolle die Arbeitgeber in den Hotels dabei spielen.
Welche neuen, lohnenswerten Aus- und Weiterbildungen gibt es aktuell im Bereich Wellness & Spa?
Besonders spannend finde ich das Thema Longevity. Das IST-Studieninstitut hat 2026 erstmals die Weiterbildung „Longevity Coach“ gestartet; der achtmonatige Lehrgang behandelt unter anderem das Zusammenspiel von Bewegung, Ernährung, Regeneration und mentaler Gesundheit. Genau solche Themen passen sehr gut zur Spa-Branche, weil Gäste heute nicht mehr nur kurzfristige Entspannung suchen, sondern Angebote, die Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität langfristig unterstützen. Ebenfalls sehr lohnenswert sind Qualifikationen im Bereich Schlafcoaching. Schlaf ist ein zentrales Regenerationsthema und bietet für Wellnesshotels und Spas großes Potenzial, etwa für Sleep-Retreats, Regenerationsprogramme oder begleitende Beratung im Rahmen von Wellnessaufenthalten. Die IST-Ausbildung „Schlafcoach“ ist auf zwei Monate angelegt und vermittelt schlafpsychologisches und schlafbiologisches Wissen sowie praktische Coachingansätze; ausdrücklich angesprochen werden auch Beschäftigte in der Hotelbranche. Auch Wärme- und Kältereize sind weiter angesagt: Saunieren, Eisbaden oder die Nutzung von Kältekammern. Gerade das Thema Saunieren wird vielfältiger, eingebunden in Rituale, bis hin zum Eventaufguss. Und das Thema Atmung ist sehr spannend, gerade in Verbindung mit dem Eisbaden. Auch hier gibt es lohnenswerte Weiterbildungen am IST-Studieninstitut.
Nach welchen Kriterien sollte man als Spa-Practitioner Weiterbildungen auswählen?
Die wichtigste Frage lautet: Was ist mein nächster sinnvoller Karriereschritt? Und gegebenenfalls: Was braucht mein Betrieb? Eine Weiterbildung sollte nicht isoliert gewählt werden, sondern im Dreiklang aus persönlichem Interesse, beruflichem Ziel und Hotel- beziehungsweise Spa-Konzept, sofern man sich intern weiterentwickeln möchte. Wer beispielsweise operativ sehr stark ist, aber perspektivisch eine Teamleitung übernehmen oder ins Spa-Management wechseln möchte, sollte sich stärker in Betriebswirtschaft, Führung, Marketing und Qualitätsmanagement qualifizieren. Wer dagegen im Treatment-Bereich bleiben möchte, kann sich gezielt in Massageformen, Kosmetik, Prävention, Entspannung, Bewegung oder Beratung spezialisieren.
Wie geht man dabei am besten vor?
In vier Schritten. Erstens eine ehrliche Analyse: Welche Kompetenzen habe ich, welche fehlen mir? Zweitens ein Zielbild: Wo möchte ich in ein bis drei Jahren stehen? Drittens der Abgleich mit dem Betrieb: Welche Zielgruppen, Treatments oder Gesundheitsangebote passen zum Haus? Und viertens: ein konkreter Umsetzungsplan mit Zeitbudget, Kosten, Lernformat und Transfer in die Praxis. Wichtig ist auch, nicht nur auf den Titel einer Weiterbildung zu achten. Entscheidend sind Inhalte, Praxisnähe, Abschluss, Anerkennung, Dozenten, Lernbetreuung und die Frage, ob das Gelernte im Spa-Alltag tatsächlich angewendet werden kann.
Welchen Part sollte der Arbeitgeber übernehmen?
Arbeitgeber sollten Weiterbildung nicht als privaten Wunsch einzelner Mitarbeitender betrachten, sondern als strategische Investition. Gerade in der Hotellerie und Spa-Branche hängt Qualität stark von Menschen ab: von Beratungskompetenz, Servicehaltung, Behandlungssicherheit, Führung und der Fähigkeit, Gäste langfristig zu binden. Wenn ein Spa-Betrieb Mitarbeiter weiterbildet, profitiert er direkt durch höhere Servicequalität, professionellere Abläufe, bessere Auslastung, Zusatzverkäufe und eine klarere Positionierung des Spa.
Was heißt das konkret?
Konkret könnte der Arbeitgeber drei Dinge leisten: erstens eine finanzielle Beteiligung oder vollständige Kostenübernahme, zweitens Zeit – etwa durch Freistellung, Dienstplananpassung oder Bildungsurlaub – und drittens einen klaren Transfer in den Betrieb. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Mitarbeiter nach der Weiterbildung ein neues Treatment, ein Präventionsangebot oder ein Beratungskonzept entwickeln. Gleichzeitig ist Weiterbildung ein starkes Instrument der Mitarbeiterbindung. Wer gefördert wird, fühlt sich gesehen und entwickelt eher eine langfristige Perspektive im Unternehmen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist das ein echter Wettbewerbsvorteil.

„Wer kontinuierlich in die eigene Entwicklung investiert, schafft sich langfristig die besten Voraussetzungen für den nächsten Karriereschritt.“

Die 43-jährige Rostockerin wurde 2018 zur besten Spa Managerin Deutschlands gewählt und bringt langjährige Erfahrung aus der Spitzenhotellerie mit. Vor ihrem Wechsel nach Warnemünde war Maren Brandt für zahlreiche namhafte Gastgeber tätig, darunter das Grand Hotel Heiligendamm, das Steigenberger Hotel Hamburg, die Fleesensee Hotelbetriebsgesellschaft sowie die Arosa Resorts Scharmützelsee und Travemünde.
Welche Rolle haben Weiterbildungen in Ihrer Laufbahn gespielt?
Weiterbildungen haben in meiner beruflichen Laufbahn von Anfang an eine sehr große Rolle gespielt. Bereits während meiner Ausbildung habe ich jede Gelegenheit genutzt, mein Wissen zu erweitern – von Produktschulungen unserer Depotpartner über Hoteltrainings bis hin zu Fachschulungen wie Wellnesstrainer oder Verhalten am Gast & Telefon. Mit zunehmender Berufserfahrung habe ich meine Qualifikationen gezielt ausgebaut – unter anderem durch das berufsbegleitende Studium zum Manager für Fitness- und Freizeitanlagen.
Besonders prägend war für mich außerdem eine Weiterbildung in Singapur, bei der die Schwerpunkte auf Spa-Marketing und internationalen Benchmarks lagen. Der Blick über den eigenen Tellerrand und der Austausch mit internationalen Konzepten haben meinen Blick auf die Branche nachhaltig erweitert. Mir war immer wichtig, nicht nur die praktischen Abläufe zu beherrschen, sondern auch die Hintergründe zu verstehen. Dieses zusätzliche Wissen hat mir im Umgang mit Gästen, Mitarbeitern und Vorgesetzten mehr Sicherheit gegeben und ich konnte mich weiterentwickeln.
Nach welchem Prinzip sind Sie bei der Planung vorgegangen?
Ich habe Weiterbildungen immer danach ausgewählt, was mich fachlich und persönlich weiterbringt und gleichzeitig einen Mehrwert für das Spa und unsere Gäste bietet. Anfangs lag der Fokus auf den Grundlagen – Produkte, Behandlungen und Servicequalität. Mit zunehmender Berufserfahrung kamen Themen wie Führung, Mitarbeiterentwicklung, Organisation und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge hinzu. Besonders spannend finde ich auch immer Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung, sie helfen dabei, unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen besser zu verstehen und die Kommunikation gezielter anzubringen sowohl bei Gästen als auch bei Mitarbeitern. Ich sehe Weiterbildungen als kontinuierlichen Prozess, der sich mit den eigenen Aufgaben und Zielen weiterentwickelt. Für mich gilt bis heute: „Man lernt nie aus“.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Anbieter der Weiterbildungen ausgewählt?
Für mich waren die Qualität der Inhalte und die Praxistauglichkeit immer entscheidend. Besonders wertvoll waren Schulungen von erfahrenen Trainern sowie von unseren Depotpartnern, da sie aktuelles Fachwissen direkt aus der Praxis vermittelt haben. Wichtig war außerdem, dass ich das Gelernte unmittelbar im Arbeitsalltag anwenden und an mein Team weitergeben konnte. Empfehlungen aus der Branche und die Reputation des Anbieters haben bei der Auswahl ebenfalls eine Rolle gespielt.
Welche Tipps würden Sie Spa-Mitarbeitenden am Anfang ihrer Karriere in Sachen Weiterbildung mit auf den Weg geben?
Seien Sie neugierig und nutzen Sie jede Möglichkeit, Neues zu lernen – auch wenn es zunächst nur eine eintägige Schulung ist. Jede Weiterbildung erweitert den eigenen Horizont und stärkt die fachliche Kompetenz. Gerade am Anfang der Karriere lohnt es sich, möglichst viele unterschiedliche Themen kennenzulernen – von Produkten und Behandlungstechniken bis hin zu Kommunikation und Gästeservice. Wer kontinuierlich in die eigene Entwicklung investiert, schafft sich langfristig die besten Voraussetzungen für den nächsten Karriereschritt.

„Weiterbildung ist für mich kein Benefit, sondern die eigentliche Qualitätsstrategie eines Spas.“

so Keven Prünster. Dabei ist ihm wichtig, dass das persönliche Engagement und die Leidenschaft für den Beruf eine große Rolle spielen, um seinen Job aktiv zu gestalten und weiterzukommen.
Welchen Stellenwert hat Weiterbildung im Spa Ihres Hauses und wie unterstützen bzw. fördern Sie Ihre Mitarbeitenden dabei?
Viele Hotels investieren Millionen in Architektur, neue Saunen oder modernste Massageliegen. Das beeindruckt Gäste vielleicht in den ersten zehn Minuten. Ob sie wiederkommen, entscheidet aber das Team.
Ich bin überzeugt: Persönlichkeit schlägt Ausstattung. Die beste Sauna bringt nichts, wenn der Saunameister keine Emotionen erzeugen kann. Die modernste Behandlungsliege ist wertlos, wenn der Therapeut Berührung nicht versteht. Und das schönste Spa verliert an Wert, wenn Mitarbeitende keine Gastgeber sind. Deshalb investieren wir kontinuierlich in Schulungen, fachlich ebenso wie persönlich. Neben Produktschulungen und Behandlungstechniken beschäftigen wir uns intensiv mit Kommunikation, Gästepsychologie, Verkauf, Körpersprache und dem Verständnis dafür, warum Menschen überhaupt Wellness suchen.
Für mich endet Weiterbildung auch nicht nach einem Seminar. Das eigentliche Lernen beginnt danach, im Alltag, durch Feedback, gemeinsames Reflektieren und den Mut, Routinen immer wieder zu hinterfragen.
Welche Rolle spielten in Ihrer eigenen Laufbahn gezielte Weiterbildungen und nach welchem Prinzip gingen Sie dabei vor?
Rückblickend waren Weiterbildungen wahrscheinlich die beste Investition meiner gesamten Laufbahn. Ich habe nie versucht, möglichst viele Zertifikate zu sammeln. Mich hat immer interessiert, von den Besten zu lernen. Deshalb habe ich Kongresse besucht, Spa-Hotels und deren Manager kennengelernt, internationale Spa-Konzepte studiert und viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen geführt aber vor allem habe ich meinen Gästen zugehört. Und ich kam und komme auch kaum aus einem Urlaub zurück, ohne neue Ideen für unser Spa mitzubringen.
Noch heute verbringe ich jedes Jahr viele Tage auf Fachveranstaltungen – als Spa-Experte, Juror oder Teilnehmer. Unsere Gäste verändern sich ständig. Wenn wir uns nicht genauso schnell weiterentwickeln, erfüllen wir irgendwann die Erwartungen von gestern und nicht die Wünsche von morgen. Wer glaubt, nach zehn oder zwanzig Berufsjahren ausgelernt zu haben, verliert schneller den Anschluss, als ihm bewusst ist.
Worauf achten Sie (in Bezug auf das Thema Weiterbildung) bei Bewerbern für Ihr Spa?
Mich interessieren Zeugnisse weit weniger als die Haltung eines Menschen und dessen berufliche Erfahrung. Ich frage Bewerber lieber, was sie in den letzten zwölf Monaten freiwillig gelernt haben. Wer sofort von einem Seminar, einem Buch, einem Podcast oder einer Fortbildung erzählt, zeigt etwas viel Wertvolleres als einen Lebenslauf. Echte Neugier und persönlichen Antrieb.
Themen wie Longevity, Biohacking, Recovery, Mental Health und innovative Behandlungskonzepte verändern unsere Branche laufend. Niemand kann heute alles wissen aber jeder kann bereit sein, dazuzulernen und sich ehrlich für das zu interessieren, was er täglich tut. Genau darin sehe ich den entscheidenden Unterschied. Fachwissen lässt sich vermitteln, echtes Interesse nicht.
Wer Wellness nur als Arbeitsplatz sieht, wird ein Mitarbeiter sein. Wer versteht, warum Menschen Erholung, Gesundheit und neue Energie suchen, wird ein echter Spa-Experte.
„Fachwissen kann man vermitteln. Den persönlichen Willen und die Neugier nicht.“
Und genau diese Neugier entscheidet darüber, ob jemand einfach im Spa arbeitet oder das Spa aktiv mitgestaltet. Ich suche keine Mitarbeitenden, die jeden Morgen nur ihre Schicht antreten. Ich suche Persönlichkeiten, die Trends erkennen, Fragen stellen, Verantwortung übernehmen und jeden Tag ein Stück besser werden wollen.








