Das Thema Nachhaltigkeit ist längst im Mainstream angekommen. Immer mehr Häuser achten auf erneuerbare Energien, umweltfreundliche Technologien und soziale Verantwortung. Wir haben uns in der Hotellerie umgeschaut, wie man sein grünes Profil schärfen kann.

Die Idee des Leitlhofs: „Wärme, Strom und Wasser in unseren Händen.“ Dazu gibt es einen eigenen Bauernhof und Rinderzucht. (Foto: Rabensteiner Mike)

Gut aufgestellt in Sachen nachhaltige Energiewirtschaft ist etwa der Leitlhof. Das Naturhotel in den Südtiroler Dolomiten ist seit Jahren klimapositiv. Gamechanger war ein Holzblockheizkraftwerk, das Geschäftsführer Stephan Mühlmann selbst entwickelt hat – eigentlich, um die hohen Energiekosten für den ganzjährig beheizten Außenpool zu senken. Doch als er sich intensiver mit dem Thema befasste, wurde ihm seine Verantwortung als Hotelchef für die Umwelt immer bewusster – und schließlich zu seiner „Mission“. Seit 2015 versorgt das Kraftwerk den Leitlhof mit Wärme und Strom und produziert sogar mehr Energie, als es selbst verbraucht. Das Holz stammt aus dem eigenen Wald. Da das 4-Sterne-Superior-Hotel auch über eine Wasserquelle verfügt, ist es energieautark. Dieses Engagement wurde kürzlich bei den World Travel Awards zum sechsten Mal in Folge mit dem Titel „Europe’s Leading Green Hotel“ belohnt.

Wasserverbrauch senken
Man muss nicht gleich eine eigene Quelle haben. Verantwortungsvoll umgehen sollte man mit Wasser dennoch. Schließlich sind rund 40 Prozent der der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen. Mit einer eigenen Aufbereitungsanlage kann Regenwasser sinnvoll genutzt werden. Das Naturresort Gerbehof etwa sammelt es zur Gartenbewässerung und zeigt Gästen damit direkt, wie Wasser sinnvoll wiederverwendet werden kann. In den Adler Spa Resorts & Lodges wird Grauwasser wiederaufbereitet und Abwasser ökologisch behandelt. Im 4-Sterne-Hotel Okelmann’s in Niedersachsen kommen Schilfbeete als natürliche Klärsysteme zum Einsatz: Pflanzen und Mikroorganismen reinigen das Wasser biologisch, bevor es wieder in den natürlichen Kreislauf gelangt.

Das Eco-Aparthotel Olm Nature Escape wurde im November 2025 von Gault Millau zum besten Hotel Südtirols 2026 gewählt (Foto: hannes-niederkofler)

Darüber hinaus sind wassersparende Armaturen und Technologien hilfreich. Im Hotel Bella Vista Zermatt stehen Gäste unter Duschbrausen, die nur sechs Liter Wasser pro Minute verbrauchen. Gleichzeitig sensibilisieren Hinweise direkt in der Dusche: „Wenn du nur eine Minute weniger duschst, sparst du so viel Wasser, wie du in einer Woche trinkst!“ Effiziente Technik, kombiniert mit freundlich formulierten Erinnerungen an ein bewusstes Verhalten der Gäste zeigen, wie einfach Wasser eingespart werden kann. Wassersparende WCs sowie optimierte Duschköpfe sorgen im Olm Nature Escape (Südtirol) für geringen Wasserverbrauch bei maximalem Komfort. Der Warmwasserkreislauf dort ist als vollständiger Ring ausgeführt (ohne Abschnitte mit stehendem Wasser) und sorgt durch eine spezielle Technologie an jedem Wasseranschluss dafür, dass sofort warmes Wasser aus dem Hahn kommt, ohne es zuvor unnötig laufen lassen zu müssen.

Im Hotel Weihrerhof werden Wasserspararmaturen mit langlebigen Materialien und umweltfreundlichen Reinigungsmitteln kombiniert. Warmwasser entsteht effizient aus Solarenergie und Abwärme der Kälteanlagen, was zusätzlich Energie spart. Auch beim Housekeeping können Sie Wasser sparen. Viele Hotels, darunter das Biohotel Sturm in Bayern, setzen bereits auf freiwilligen Handtuchwechsel statt täglich neuer Handtücher. Was auf den ersten Blick simpel wirkt, spart täglich große Mengen Wasser und Energie und wird von den Gästen durchaus positiv aufgenommen. So wird Nachhaltigkeit direkt erlebbar und Teil des Hotelerlebnisses.

Nein zu Einweg
Auch die Vermeidung von Müll ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Einwegprodukte aus Plastik wie kleinteilige Kosmetik-Kits gehören per Gesetz ohnehin bald der Vergangenheit an. Es gibt inzwischen immer differenziertere Angebote der Kosmetikindustrie mit wiederbefüllbaren Verpackungslösungen, die nicht nur deutlich Material einsparen, sondern auch in Sachen Hygiene punkten. Wir haben hier einige für Sie zusammengestellt. Badeschlappen stellen nicht alle Hotels automatisch zur Verfügung, sondern nur auf Nachfrage – und eventuell gegen Aufpreis. Die Bereitstellung von Mehrwegtrinkflaschen zur Abfüllung von Leitungswasser spart weiteren Müll ein. Zugleich sind die Flaschen ein nachhaltiges Giveaway für die Gäste.

Jeden Tag packen Teams von Hilton übrig gebliebenes Essen von den Frühstücksbuffets in „Überraschungstüten“. Diese werden dann vergünstigt über die kostenlose App „Too Good To Go“ angeboten.

Materialverschwendung sollte auch in der Küche vermieden werden. Das fängt bei kleineren Tellern am Büffet an und hört bei Foodsharing nicht auf. Auch eine Reduzierung CO2-intensiver Zutaten wie Fleisch und ein größeres Angebot vegetarischer Gerichte verbessert die Öko-Bilanz. Seine Zutaten sollte man bevorzugt aus Bio-Anbau oder -haltung beziehen, möglichst saisonal und aus der Region.

Manche Häuser, etwa das Biohotel Eggensberger, gehen noch einen Schritt weiter: Zu dem Haus im Allgäu gehört ein familieneigener Bioland-Hof, der einen Großteil der Kochzutaten liefert. Regional ist auch bei der Innenausstattung eine gute Wahl: regionale, umweltfreundliche Materialien wie (unbehandelte) Holz- oder Steinarten oder Lehm schaffen nicht nur einen Bezug zur umgebenden Natur, sondern verbessern auch das Raumklima und können von Handwerkern aus der Gegend ausgeführt werden. Dasselbe gilt auch für Innenausstattung und Mobiliar.

Nachhaltiges Denken und Handeln hat im Biohotel Eggensberger Tradition: Schon 2002 ließ sich das Haus als erstes im Allgäu bio-zertifizieren.

Manche Hotels bereichern ihr Interieur mit Upcycling-Mobiliar und -Deko. Six Senses, ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und entsprechend zertifiziert, setzt in seinem Haus in Rom auf Vorhänge aus recycelten Fischernetzen und Wandverputz aus Cocciopesto, einem römischen Baustoff aus alten Tongefäßen.

Regenerativer Tourismus

Die traditionelle Handwerkskunst Umbriens wird für Gäste des Borgo dei Conti erfahrbar (Foto: Dario-Garofalo)

Unter dem Schlagwort regenerativer Tourismus vereinen sich ökologisches Engagement, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Fairness. Etwa durch die Verwendung von Fairtrade-Produkten in Haus und Küche. Im Borgo die Conti Resort erleben die Gäste die lebendige Handwerkskunst Umbriens in exklusiven Workshops oder Atelierbesuchen in historischen Werkstätten, von Keramik über Glasmalerei bis zu Jacquard-Weberei. In der Adler Lodge Ritten können sie im großen Bauerngarten helfen, der mit benachbarten Jungbauern ökologisch und artenreich betrieben wird. Das Hotel Das Rübezahl im Allgäu pflanzt für Gäste, die freiwillig auf den Zimmerservice verzichten, einen Baum in der Region. Auf dem Gelände leben sechs Bienenvölker, die seltene Wildkräuter, Orchideen und andere geschützte Pflanzen bestäuben. Regelmäßige Führungen mit dem Imker machen ihre Bedeutung für das Ökosystem erlebbar.

Wie regenerativer Tourismus die kulturelle Identität kleiner Dörfer stärken kann, zeigt das Albergo Diffuso Relais del Maro in Ligurien. Das Konzept integriert Hotelstrukturen in bestehende Ortskerne und sorgt so für die Erhaltung historischer Gebäude. Gäste erleben lokale Architektur, heimische Traditionen und regionale Gastronomie, während sie gleichzeitig die Wiederbelebung des Dorfes aktiv unterstützen.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich bei wachsender Nachfrage in Sachen Nachhaltigkeit am Markt zu positionieren. Ob Bio-Küche, Kreislaufwirtschaft oder ökologisches Bauen – fangen Sie da an, wo gerade Bedarf ist. Nicht nur für Ihre Gäste, die immer bewusster auf Nachhaltigkeit achten. Sondern auch für nachfolgende Generationen.


Bhutanische Feuerzeremonien, Stargazing in Saudi-Arabien oder Yoga tragen ebenso zum auf Führungskräfte zugeschnittenen Wellbeing-Programm bei wie integrierte Wellness-Programme, die Klangschalen, Atemarbeit oder Ayurveda mit modernen wissenschaftlichen Technologien wie Biohacking verbinden.

Nachhaltiges Wellbeing für Führungskräfte
Führungsqualitäten und eine gute Business Performance beginnen mit stabilem Wohlbefinden. Auf dieser Erkenntnis basieren neue Erlebnis-Programme, mit denen die Six Senses Häuser der exklusiven Hotelkette Führungskräfte und CEOs unterstützen, Entscheidungen zu treffen, unter Druck widerstandsfähig zu bleiben und mit Klarheit, Ruhe und Zielstrebigkeit zu führen.


Nachhaltig Reisen in Zahlen

  • Reisen macht glücklich. Das gaben 85 Prozent der befragten Menschen bei einer weltweiten Umfrage an. 62 Prozent achten darauf, ihren CO₂-Fußabdruck beim Reisen zu verringern, etwa durch die Nutzung von Bahnen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch ethische Werte werden auf Reisen hochgehalten: 80 Prozent gaben an, darauf zu achten.
  • Langsam und bewusst. 59 Prozent der Deutschen setzen beim Reisen mehr auf Qualität statt auf Quantität und möchten lieber weniger, das aber intensiv erleben. Neben dem schonenden Umgang mit Ressourcen geht es ihnen auch um den Respekt vor der Natur und um die Kultur des Urlaubslandes.
  • Eine intakte Natur am Urlaubsort ist vielen Reisenden wichtiger als Sehenswürdigkeiten. Das gaben 85 Prozent der Befragten an.

Quellen: G Adventures, Studie „Happiness List 2026“, holidaycheck.de


Kosmetik fürs Hotelzimmer

Weniger Materialverbrauch, mehr Hygiene und Kosmetik aus natürlichen Inhaltsstoffen – die Auswahl an nachhaltigen Produkten für Hotelbad und Spa wird immer größer.

Rund 50 Produkte vom Duschgel über Sonnencreme bis zur Power-Ampulle umfasst das Sortiment von Magdalena’s made in Tyrol. Sie zeichnen sich durch pflanzliche Wirkstoffe alpinen Ursprungs wie Edelweiß, Enzian oder Bergarnika aus. Die Marke wurde 2017 von einer Hotelière und ihrem Sohn, einem Pharmazeuten, gegründet. www.magdalenas.tirol

Auf Clean Beauty in Manufakturqualität hat sich I Want You Naked spezialisiert. Ihre Hotellinie gibt es in den Duftvarianten Good Karma und For Heroes, abgepackt in puristischen Glasflaschen in Schwarz und Weiß. www.iwantyounaked.com

Native Nature heißt die neue Hotellinie von Ada Cosmetics. Herzstück ist ein Duft, der zu 100 Prozent aus recycelten Holz- und Waldextrakten gewonnen wird und die belebende Kraft der Natur einfängt. www.ada-cosmetics.com

Auf Basis ätherischer Öle und natürlicher Inhaltsstoffe entwickelt L’Occitane En Provence seine Produkte, basierend auf Phyto- und Aromatherapie. Die Kultmarke aus Südfrankreich gibt es auch für Hotels. de.loccitane.com

Kurze Transportwege, die Verwendung von recycelten Plastikflaschen und 90 Prozent Inhaltsstoffe, die man gern an seine Haut lässt, zeichnen das Hotelsortiment von Jean & Len aus. Gibt es in den Duftvarianten Rosemary Ginger und Cardamom Tonka. www.jeanlen.de


Aufmacherbild: Olm Nature Escape/Oliver Weberberger