Meister der Düfte: Patricia de Nicolai

„Wir sind klein und dynamisch“

Patricia de Nicolaï entdeckte ihre Leidenschaft für Düfte schon früh. Nach ihrer Ausbildung zur Parfümeurin war sie für große Parfumhäuser tätig, bevor sie 1989 ihre eigene Marke gründete. Alle ihre Parfums sind von ihrer einzigartigen Geruchssignatur geprägt.

Nicolaï Parfumeur Createur ist eines der wenigen Parfumhäuser, das noch privat geführt wird. Wir sprachen mit der Gründerin über aktuelle Herausforderungen und neue Ideen.

Patricia, wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?
Patricia de Nicolaï: Wir hatten viele Herausforderungen zu bewältigen! Die erste war die Schließung unserer Geschäfte in Paris, zwei Monate im Frühjahr und ein Monat im November. Zum Glück haben wir unseren Online-Shop – er hat uns geholfen, zu überleben. Unsere Online-Verkäufe sind im Vergleich zu 2019 (das bereits ein Rekordjahr war) um 100 Prozent gestiegen. Das ist etwas Positives, das wir aus dieser Krise mitnehmen. Investitionen in den Bereichen Digitalisierung und Kundenservice sind mit Sicherheit auch künftig sinnvoll und zukunftsweisend.

Ihre Düfte stehen in der Tradition großer französischer Häuser. Was eint sie?
Patricia de Nicolaï: Ich konnte in mehr als 30 Jahren eine einzigartige Geruchssignatur entwickeln, basierend auf meinem persönlichen Geschmack und auf meinen Lieblings-Ingredienzen. Ich habe eine Kernpalette von Rohstoffen, die ich oft verwende. Allerdings bin ich auch sehr offen, neue Materialien zu erkunden. Zum Beispiel habe ich vor kurzem die Yuzu-Essenz entdeckt und lieben gelernt! Ich habe sie als frischen Auftakt für Baïkal Leather Intense verwendet und sie dann als Hauptnote meines neuen Eau Fraîche Eau de Yuzu eingesetzt.

Inwiefern hat sich die Duftentwicklung in den letzten Jahren verändert?
Patricia de Nicolaï: Manche Dinge ändern sich nie, wie die Neugier, immer neue Düfte zu entdecken. Aber die Art und Weise, wie ich arbeite, hat sich mit Sicherheit verändert. Am Anfang war ich allein mit meinem Mann, der sich auf das Marketing und die Entwicklung der Marke konzentrierte. Heute arbeite ich zusammen mit zwei assistierenden Parfümeuren. Zudem ist mein Sohn Axel intensiv in den Prozess involviert. Er ist immer dabei, wenn es um die Beurteilung und die Entwicklung der verschiedenen Projekte geht.

Ihre Kompositionen zeichnen sich durch hohe Anteile reiner Naturessenzen aus. Aktuell ist das ein großer Trend. Ihre Einschätzung?
Patricia de Nicolaï: Es ist in der Tat sehr wichtig, gute natürliche Zutaten zu verwenden, die aus nachhaltigem Anbau stammen. Ich bin für den Einkauf aller Rohstoffe verantwortlich und bin dabei sehr akribisch. Zum Beispiel kaufe ich mein Sandelholz direkt von einem nachhaltigen Bauern in Australien und die Qualität ist hervorragend. Natürlich ist es mir nicht möglich, alle Rohstoffe direkt zu kaufen. Meist beziehe ich sie von Unternehmen (bevorzugt aus Grasse), die gute Beziehungen zu nachhaltigen Anbaukulturen haben. Mein Patschuli stammt beispielsweise aus einer nachhaltigen Kultur in Indonesien.

Rund 40 Parfums und Raumdüfte zählen zu Ihrem Sortiment. Woran arbeiten Sie aktuell?
Patricia de Nicolaï: Ich arbeite immer parallel an der Entwicklung von drei oder vier Düften. Nicht alle werden auf den Markt gebracht. Im Moment arbeite ich an einem neuen Moschus-Duft, den wir im September lancieren werden.

Ihre Düfte werden in elf eigenen Stores verkauft, u.a. in London, Dubai und Moskau. Welcher ist Ihr Favorit?
Patricia de Nicolaï: Im „Corona-Jahr“ haben wir tatsächlich eine 8. Filiale in Paris eröffnet, in der Nähe der Champs-Elysées. Dieser Store ist mein persönlicher Favorit. China entwickelt sich auch sehr gut, dort haben wir im Dezember ein zweites Geschäft eröffnet und ein drittes im Februar. Ich wünsche mir sehr, dass ich sie bald besuchen kann!

Nicolaï Parfums gehört bei mehr als 200 internationalen Einzelhändlern zum Sortiment. Was schätzen die Händler bzw. deren Kunden besonders?
Patricia de Nicolaï: Nicht nur die Düfte selbst, sondern auch die Art und Weise, wie wir arbeiten, gefällt unseren Händlern. Klein ist schön! Wir sind eine unabhängige Familienmarke und arbeiten als dynamisches Team. Unsere Einzelhändler mögen diese direkte Verbindung, die auch wir sehr schätzen. Sie wissen, dass sie sich bei jedem Problem auf uns verlassen können und dass wir immer einen Weg finden, ihre Wünsche zu erfüllen.

Sie gelten bei Raumdüften als Wegbereiterin für den Einsatz von natürlichen Essenzen. Wo liegen die Unterschiede zu synthetischen Duftstoffen?
Patricia de Nicolaï: Es ist wichtig, beides zu verwenden! Natürlich versuche ich immer, die besten natürlichen Rohstoffe für meine Düfte zu finden, aber gute synthetische Duftstoffe sind auch wertvoll. Man darf nicht vergessen, dass sich die moderne Parfumkunst dank der synthetischen Noten entwickelt hat. Mit ihnen ist der Parfümeur in der Lage, kreativer zu sein und Noten zu verwenden, die er in der Natur nicht haben kann, wie die berühmten „stummen Blüten“, also Maiglöckchen, Mimose, Geißblatt, Flieder oder Veilchen. Sie geben ihren Duft nicht durch Lösungsmittelextraktion oder Destillation ab. Dasselbe gilt für einige animalische Noten wie Moschus, der – aus gutem Grund – immer synthetisch ist. Die Gegenüberstellung von natürlich und synthetisch halte ich für nutzlos. Das Thema sollten wir ganzheitlicher betrachten.

Seit vielen Jahren arbeiten Sie mit der Aroma Company zusammen. Was zeichnet Ihre Partnerschaft aus?
Patricia de Nicolaï: Sie waren die Ersten! Sie hatten den Mut, Nicolaï in Deutschland auf den Markt zu bringen, zu einer Zeit, als wir in Frankreich noch nicht wirklich bekannt waren. Der deutsche Markt ist eine Herausforderung, auch heute noch. Ich freue mich über die Gelegenheit, unser Dufthaus hier vorzustellen und ich vertraue der Aroma Company, die deutschen Händler von unserem starken Potenzial zu überzeugen.


Der Beitrag ist erschienen in der INSIDE beauty 2/2021

Als Kenner des internationalen Duft- und Kosmetikmarkts hat sich Dr. Bodo Kubartz einen Namen gemacht. Er berät Unternehmen und organisiert Branchenveranstaltungen.
www.passion-and-consulting.de

Schon gesehen?

LESERSERVICE

INSIDE beauty aktuell

Junge Frau mit blonden Haaren steht am Regal und liest die Information auf einem Flakon in ihrer Hand.

IKW: Halbjahresbilanz– Export wieder im Plus

Die Schönheits- und Haushaltspflegebranche wächst im ersten Halbjahr 2026 moderat. Der Gesamtumsatz liegt mit 19,1 Milliarden Euro um 2,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die...

Die Kraft Ihrer Positionierung

Die eigene Positionierung ist keine einmalige Aktion, sie ist vielmehr ein lebendiger Prozess. Erfahren Sie, wie Sie den größten Hebel für mehr Umsatz, bessere...
Mann in Polo-Shirt vor buntem Gemälde

Marc vom Ende bei Bell Flavors & Fragrances in Leipzig

Seit August 2026 verstärkt der renommierte Parfümeur Marc vom Ende als Master Perfumer und Consultant Fragrances das Team von Bell Flavors & Fragrances am...

Meister der Düfte: Louise Farina

Tradition im Aufbruch – 300 Jahre und ein neuer Horizont Seit 1709 steht Farina für die Geburtsstunde einer Duftgattung. Heute führt die Parfümeurin Louise Farina...

Neuer Online-Shop, neue Services

Bei der Parfümerie CB hat sich in den letzten Monaten viel getan. Zum 1. Juli wurden fünf Standorte der Parfümerie Akzente übernommen. Der Online-Shop...