Meister der Düfte: Bertrand Duchafour

„Ich liebe natürliche Rohstoffe“

Er gilt als vielgefragte und hochgeschätzte Nase. Der französische Parfümeur Bertrand Duchaufour hat eine außergewöhnliche Anzahl an besonderen Düften kreiert – sowohl für große Brands als auch für Nischenmarken. Ein Gespräch über Rohstoffe, Duftnoten, Technik und die Liebe.

Manche bezeichnen Bertrand Duchaufour als „Rockstar“ im Nischensegment der Branche. Er beherrscht die Klaviatur der Düfte, von großen Marken bis zu Nischenbrands. Wenn man ihn nach seiner Handschrift fragt, antwortet er selbstbewusst: „Ich bin unverwechselbar, weil ich mich selbst immer schon als ‚Selfmade Man‘ wahrgenommen habe. Mein Stil unterscheidet sich sehr konsequent.“
Die Arbeit mit ausgewählten Materialien ist ihm wichtig. „Ich schätze insbesondere harzige und balsamische Noten. Sie verleihen den Basisnoten des Duftes eine sehr schöne und spezifische Patina.“ Die Vorliebe für inhaltsreiche und charakterstarke Anteile geht auf seine fundierte Ausbildung in den 80er-Jahren bei Laurent Florasynth in Grasse zurück. „In Grasse habe ich meine Liebe zu wunderschönen natürlichen Rohstoffen entdeckt! Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir Civet-Absolue getestet haben.“ Die Wahl exquisiter Rohstoffe motiviere ihn stetig neu, ansprechende olfaktorische Welten zu gestalten.

Zahlreiche Herausforderungen
Er skizziert einen herausfordernden Markt: „Die Arbeit eines Parfümeurs ist heutzutage sehr intensiv und herauszufordernd. Das liegt daran, dass Prozesse immer schneller ablaufen – für mehr und mehr Marken, mehr und mehr Kreationen. Viele Düfte sind wirklich innovativ, weil sie neue Moleküle nutzen, inklusive solche, die ursprünglich aus dem Food-Bereich kommen. Durch diese Entwicklungen werden wir kontinuierlich angeregt, uns weiterzuentwickeln.“
Duchaufour hat für eine Vielzahl selektiver, engagierter Marken gearbeitet. Wie läuft ein idealer Prozess dabei ab? „Die aufregendste Herausforderung ist es, an einem sehr spezifischen und schwierigen Konzept mit einem Experten zu arbeiten, der die Entwicklung stetig evaluiert.“ Der Parfümeur schätzt es sehr, wenn er sich mit seinen Auftraggebern auf Augenhöhe über die Duftentwicklung austauschen kann.
Neben dem Fokus auf den Nischenbereich hat Monsieur Duchaufour auch für Marken wie Acqua di Parma, Dior und Givenchy gearbeitet. Welche Erfahrungen konnte er in Projekten mit diesen Marken mitnehmen? „Die Erfahrung aus der Arbeit für größere Marken war sehr interessant. Ich habe entweder in Zusammenarbeit oder in Konkurrenz mit anderen Parfümeuren gewirkt. Das war sowohl stimulierend als auch herausfordernd. Und es war der beste Weg, die entscheidenden Aspekte des Kreierens zu erlernen und meinen Stil mit denen anderer Parfümeure zu vergleichen.“
Für mehrere Jahre hat der Franzose für größere Nischenhäuser wie L’Artisan Parfumeur, Comme de Garçons und Penhaligons kreiert. Die größte Herausforderung sei es, stets etwas Neues zu schaffen – gerade, wenn man wiederholt für Marken arbeitet. „Das Schlimmste wäre für mich, mich zu wiederholen. Daher lege ich meine Aufmerksamkeit darauf, stets Neues zu kreieren“, so Bertrand Duchaufour. „Positiv ist, dass ich Marken und ihre Kollektionen bereits gut kenne. Daher weiß ich, wie es mir gelingt, knifflige Wiederholungen zu vermeiden.“

Einschränkungen nehmen zu
Eine besondere Challenge, die seine Arbeit verändert hat, ist gesetzlicher Art. „Aufgrund der Gesetzgebung werden natürliche wie chemische Ingredienzien immer stärker eingeschränkt, teilweise sogar verboten. Wir stellen zunehmend fest, dass unsere olfaktorische Palette in bestimmten Duftfamilien – etwa bei den floralen Aldehyden – dramatisch reduziert wird.“ In der Summe komme es darauf an, dem sich inhaltsseitig schnell wandelnden Markt durch clevere Kompositionen zu begegnen. Auch olfaktorisch sind Notwendigkeiten zur Alleinstellung gegeben. Wie können diese duftgestalterisch herausragen? „Erfolgreich zu agieren, wird immer schwerer. Das hat auch damit zu tun, dass die Konsumenten – auch in anderen Ausdrucksformen der Kunst wie bei Musik, Malerei und Design – nicht wirklich eine Aussage treffen können, was gut, schön und wertig ist – und was eben nicht. Daher halte ich eine individuelle, kompetente Beratung für sehr wichtig. Sie macht letztendlich den Unterschied.“

In Zusammenarbeit mit Bertrand Duchaufour schuf die New Yorker Künstlerin Phuong Dang eine luxuriöse Kollektion reiner Parfums, die die Seele berühren (Nobilis). Das Foto des Fotografen Martin Hill diente Bertrand Duchaufour als Inspiration für den Duft „Vanilla Shot“

Lob vom Auftraggeber
„Ich liebe seine großartige Inspiration und seine komplexen Düfte.“ Celine Verleure, Gründerin von Olfactive Studio ist angetan von der Zusammenarbeit mit dem charismatischen Franzosen. „Ähnlich wie französische Weine, entwickeln sie sich sehr stark von den Kopf- zu den Basisnoten hin – mit zahlreichen Facetten. Wir haben uns auch menschlich sehr gut verstanden.“
Für ihre Marke hat Duchaufour den Duft Woody Mood komponiert und auch die Kompositionen der neuen Sepia-Collection hat sie ihm übertragen. Die Bilder des Fotografen Martin Hill dienten dabei als Inspiration. Jedes der drei Extraits de Parfum (über Isis Parfums) beginnt mit einem Akkord des Rohmaterials und bringt so je nach Duft z. B. Vanille, Leder und einen Chypreakkord besonders zur Geltung.
„Für die Kollektion habe ich zuerst den Namen gewählt, danach die Bilder, die ich Bertrand als Inspirationsquelle gab. Die Emotionen der Bilder haben die perfekte Duftentwicklung ermöglicht“, erklärt Celine Verleure. Das Foto, nach dem der Duft „Vanilla Shot“ entstand, zeigt ein Kunstwerk im neuseeländischen Wanaka Lake: Ein Bogen aus dünnen Holzstäben, die durch bewegliche Leinenfäden verbunden sind und deren Form an Vanilleschoten erinnert. Dazu den passenden Duft zu kreieren, das war genau die Herausforderung, die Bertrand Duchaufour liebt.


Der Beitrag ist erschienen in der INSIDE beauty 2/2019

Als Kenner des internationalen Duft- und Kosmetikmarkts hat sich Dr. Bodo Kubartz einen Namen gemacht. Er berät Unternehmen und organisiert Branchenveranstaltungen.
www.passion-and-consulting.de

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