Geduld und Gelassenheit muss ich noch ziemlich üben
Mehr als 30 Jahre lang spielte Sophie von Kessel markante Hauptrollen auf der Bühne und zeigte ihre Wandlungsfähigkeit in zahlreichen TV-Serien und Dramen. Weit weg vom Rampenlicht hat die sympathische 57-jährige Schauspielerin ihren ganz persönlichen Ruhepol gefunden, an einem Ort, an dem ein ganz anderer der Star ist.
Ihre Kindheit war eine Reise um die Welt, von Mexiko-Stadt über Helsinki nach Washington D.C. Und ihr Berufsleben führte sie an die renommiertesten Bühnen im deutschsprachigen Raum: Residenztheater München, Wiener Burgtheater und Salzburger Festspiele. Als Schauspielerin liebt Sophie von Kessel die Veränderung und die Verwandlung, auch vor der Kamera. Privat mag es die Wahl-Münchnerin dagegen bodenständiger. Wir haben mit der sympathischen Darstellerin über ihren geheimen Berufswunsch, das Diplomatenleben, ihren Lehrmeister in Sachen Geduld und ihr Beauty-Rezept gesprochen.
Frau von Kessel, was macht Sie bei Ihrer Arbeit glücklich?
Dass kein Tag wie der andere ist. Egal ob beim Dreh oder auf der Bühne – alles verändert sich ständig. Heute ist es extrem anstrengend wegen intensiver Proben, am nächsten Tag sitzt man viel herum, wartet oder fährt lange Strecken. Man entwickelt immer wieder eine neue Rolle, lässt sich auf ein neues Team, ein neues Ensemble und andere Bühnen ein. Ich empfinde das als eine große Bereicherung.
Unvergesslich bleibt für mich die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Schauspieler John Malkovich. 2017 stand ich mit ihm in einem intensiven Zwei-Personen-Stück auf der Bühne der Hamburger Elbphilharmonie. Er spielte mit einer so unglaublichen Tiefe und Präsenz, dass es sich gar nicht wie „Schauspiel“ anfühlte. Das war ein echtes Geschenk. Diese Zusammenarbeit mit ihm hat mich sowohl gefordert als auch gefördert.
Sie haben mehrfach am Theater und im Film die Rolle einer Medizinstudentin oder Ärztin gespielt. Zufall?
Erst war es Zufall, später bewusste Auswahl, weil ich die Rollen toll fand. Ich bewundere Ärzte sehr. Früher war es tatsächlich auch ein geheimer Wunsch von mir, Medizin zu studieren – vor allem die Unfallchirurgie hätte mich sehr interessiert. Warum ich es nicht gemacht habe? Ich weiß es nicht. Vielleicht lebe ich diese Affinität ja in meinen Rollen aus, wie zuletzt in der ZDF-Serie „Einfach Elli“. Dort habe ich die Klinikdirektorin gespielt, die im Rollstuhl sitzt.
Was würden Sie gerne besser können?
Ich wäre wirklich gerne geduldiger. Aber da muss ich noch an mir arbeiten. Und ich würde mir gerne weniger Sorgen machen. Kennen Sie das Sprichwort „We cross the bridge, when we come to it“? Ein guter Rat! Es bedeutet im übertragenen Sinne: Mach dir keinen Kopf um ungelegte Eier. Man macht sich das Leben sonst nur selbst schwer. Sich zu sorgen, ist im Grunde reine Energieverschwendung und ändert nichts. Aber das muss man erst einmal für sich erkennen.
Was kann Sie auf die Palme bringen?
Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas ungerecht ist – da kann ich mich im Großen wie im Kleinen wahnsinnig aufregen. Ich versuche inzwischen, mit einer Meditations-App gelassener zu werden. Aber ich muss gestehen: Es fällt mir schwer.
Ihr Vater war Diplomat, dadurch lebten Sie immer kurzzeitig an unzähligen Orten in aller Welt. Wie hat Sie das geprägt?
Empfehlen kann ich dieses unstete Leben im Diplomatischen Dienst nicht. Für mich selbst war es zwar nicht dramatisch – es ist eben, wie es ist –, aber zum Glück hatte ich meine beiden Schwestern. Das war enorm wichtig und hat uns stark zusammengeschweißt. Alle drei Jahre woanders zu sein, eine neue Sprache, eine fremde Kultur, andere oder gar keine Freunde – das ist für Kinder und Pubertierende eine wahnsinnige Zumutung.
Nur der diplomatische Ablauf blieb immer gleich: Wir Kinder gingen auf eine Deutsche Schule, meine Mutter war dreimal die Woche auf Empfängen. Musste Cocktailpartys und Dinner ausrichten, wurde aber nie dafür bezahlt. Die Vorstellung, dass sie damals von Mexiko-Stadt nach Helsinki gezogen ist, dann nach Wien und wieder nach Bonn – unglaublich.
Der positive Aspekt: Man findet sich überall auf der Welt schnell und gut zurecht. Der Begriff „Heimat“ wird vielleicht aufgeweicht, aber man wird dadurch internationaler. Man lernt loszulassen, wenn auch oft auf schmerzhafte Weise.
Wann sind Sie am meisten bei sich?
Spontan würde ich sagen: Wenn ich auf meinem Pferd sitze. Das stimmt aber so nicht ganz. In dem Moment bin ich gedanklich zwar weit weg vom Alltag, aber eben ganz beim Tier. Sagen wir so: Fridolin, mein großer schwarzer Wallach, erdet mich enorm. Und die Zeit mit ihm geht ja weit übers Reiten hinaus. Mit ihm habe ich mir vor zwei Jahren einen Herzenswunsch erfüllt. Er ist mein drittes Kind – mit Fell! Ein gnadenloser Zeitfresser, aber gleichzeitig eine totale Erfüllung und eine große Freude.
Ihr Beauty-Geheimnis?
Viel Schlaf, wenig bis keinen Alkohol. Und Sonnenschutz! Eine meiner besten Freundinnen ist Hautärztin. Sie mahnt mich mantramäßig immer zu Sonnenschutz, Sonnenschutz, Sonnenschutz.
Kurz & Knackig
Mein Tag ist perfekt, wenn … ich einen Parkplatz finde (lacht)! Denn die sind in München überall Mangelware.
Ich tanze am liebsten zu … Eigentlich zu jeder Musik – und zwar sehr gerne.
Entspannen kann ich am besten, wenn … es dunkel ist, mit Räucherstäbchen und schöner Musik.
Früher Vogel oder Nachteule? Früher Vogel, ab 5.30 Uhr bin ich wach und finde es herrlich so früh am Tag.
Mein liebstes Reiseziel ist … Indien war immer ein Traum, oder China. Aber um ehrlich zu sein, das Reisen reizt mich nicht mehr so.
Aufmacherbild: Christian Schoppe
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