Zerbricht man eine Kokosnuss, dann zeigt sie ihr strahlend weißes Inneres. Für Hindus ist dies ein ritueller Akt, der das Aufbrechen des Egos und die Entfaltung des inneren Selbst symbolisiert. Die tropische Steinfrucht gilt seit Jahrtausenden als Sinnbild für Reinheit, Fülle und spirituelles Wachstum. Und als Tausendsassa, der nicht nur nährt, sondern auch heilt, pflegt und als vielseitiger Werkstoff Verwendung findet.
Für mich ist Kokos außerdem ein kleiner Vorgeschmack aufs Paradies – cremig, sanft süßlich, nussig, voller Exotik. In meiner Kindheit war dieses unverwechselbare Aroma besonderen Anlässen vorbehalten, etwa der Weihnachtsbäckerei. Als junge Frau mochte ich es in Trendgetränken wie Batida de Coco oder Malibu, später entdeckte ich seine deftig-würzige Seite in asiatischen Restaurants. Dass Kokos nicht nur süß kann, war für mich eine Offenbarung.


Wenn Kokosnüsse reisen
Kokosnüsse werden schon seit mehreren tausend Jahren genutzt. Sie wachsen auf Palmen (botanisch Cocos nucifera), die im gesamten südostasiatischen Raum, der Südsee und anderen feuchtwarmen Tropengebieten vorkommen. Da sie gut auf sandigen, salzhaltigen Böden gedeihen, säumen sie viele Traumstrände dieser Erde. Wenn sie von dort ins Wasser fallen, machen sie sich auf die Reise übers Meer. Bis zu 4000 Kilometer können Kokosnüsse übers Wasser treiben. Und sie können noch keimen und Wurzeln schlagen, wenn sie Monate später wieder an Land gespült werden. Allerdings gedeihen sie nur, wenn sie ganzjährig und rund um die Uhr eine Mindesttemperatur von 20 Grad, viel Sonne und Feuchtigkeit abbekommen. Dann werden sie bis zu 120 Jahre alt.
Die Nüsse, die eigentlich Steinfrüchte sind, werden ganzjährig geerntet. 30 bis 80 Stück kommen pro Palme und Jahr zusammen. Die Ernte ist nicht ganz einfach und erfolgt meist mithilfe von Messern, die an langen Stöcken befestigt sind. In manchen Regionen klettern die Bauern den Stamm hinauf. Oder sie schicken dressierte Affen in die Baumkronen, die die Nüsse mit flinken Fingern herausdrehen. Ob daher das Lied stammt: Wer hat die Kokosnuss geklaut? Geerntet werden die Früchte jedenfalls in grünem, leicht unreifem Zustand. Aufgrund der dicken, faserigen Außenhülle sind sie so groß wie ein menschlicher Kopf. Entfernt man dieses sogenannte Mesokarp, kommt die Steinschale zum Vorschein: ein hartes, holziges, rund fünf Millimeter starkes Kerngehäuse mit drei geschlossenen Keimlöchern, kleinen Dellen, die beim Öffnen der Frucht eine Rolle spielen. An der Innenwand der Schale sitzt das leuchtend weiße Fruchtfleisch in einer Schicht von bis zu zwei Zentimetern, im verbleibenden Hohlraum sammelt sich Kokoswasser.
Kokosnüsse und -palmen sind in ihren Ursprungsländern Grundnahrungsmittel und Rohstoffquelle zugleich, nahezu alle Teile können verwendet werden. Aus den Fasern des Mesokarp stellt man Matten und Seile her, aus den Steinschalen Küchenutensilien und mehr. Das Holz wird zum Bau von Booten, Häusern und Möbeln genutzt, die Palmwedel werden zu Körben geflochten.

Lass‘ knacken!
Es gibt verschiedene Methoden, eine Kokosnuss zu öffnen. Der erste Schritt ist immer das Auffangen des wertvollen Kokoswassers. Bohren Sie hierfür mit einem Schrauben- oder Korkenzieher oder einem anderen spitzen Werkzeug ein Loch in zwei der drei Vertiefungen (das zweite dient als Luftloch) und gießen Sie das Wasser in ein Gefäß oder trinken Sie es direkt aus der Nuss. Die einfachste Methode, die Schale zu knacken, ist, sie mehrmals auf einen harten Boden fallen zu lassen. Sie können die „Taille“ auch rundherum mit einem Hammer bearbeiten, bis ein Riss entsteht. Oder Sie legen die Kokosnuss etwa 20 Minuten bei 200 Grad in den vorgeheizten Backofen, bis sie springt. Wenn Sie häufiger Kokosnüsse genießen möchten, rentiert sich die Anschaffung eines speziellen Kokosnuss- öffners. Die dünne, braune Haut, die das Kokosfleisch umgibt, können Sie mitessen oder mit einem Sparschäler entfernen.

Lecker in allen Variationen
Am verlockendsten aber ist die kulinarische Verwendung. Da wäre als erstes das Kokoswasser, das man beim Öffnen der Frucht unbedingt auffangen sollte. Es ist ein prima Durstlöscher, kalorienarm, erfrischend und isotonisch. Das feste, faserige Fruchtfleisch schmeckt roh ebenso köstlich wie geröstet und ist ein knackiger Snack von der Hand in den Mund. Frisch enthält es bis zu 50 Prozent Wasser, ist fest und saftig zugleich. Raspelt oder püriert man es und vermischt es mit Wasser, kann man daraus Kokosmilch pressen und zum Kochen, Backen oder für Mixgetränke verwenden. So entstehen auch wunderbar sämige Soßen, die jedem Curry den Extra-Schmelz geben. Allerdings ist Kokosmilch mit rund 200 Kalorien auf 100 Milliliter eine ziemliche Wucht. Getrocknetes Fruchtfleisch, auch Kopra genannt, enthält nur noch rund fünf Prozent Wasser, der Fettgehalt liegt bei bis zu 70 Prozent. Es wird zu Kokosraspeln oder Flocken weiterverarbeitet. Auch Kokosöl wird aus Kopra gepresst. Es eignet sich als Back-, Brat- und Frittierfett, aber auch für Kosmetik. Mehl wird ebenfalls aus Kokosnuss hergestellt. Es ist ballaststoffreich und frei von Gluten, was es auch für Menschen mit Zöliakie interessant macht. Aktuell wird Zucker aus dem Nektar der Blüten gehypt. Er hat eine ähnliche Süßkraft wie herkömmlicher Zucker, aber einen geringfügig niedrigeren glykämischen Index. Sein Geschmack ist leicht karamellig.

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Gesunde Powerfrucht
Kokosnuss, in Maßen genossen, ist gesund, trotz ihres hohen Fettanteils. Die enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren werden schnell in Energie umgewandelt und können zu einer Erhöhung des „guten“ HDL-Cholesterins führen, was wiederum der Herzgesundheit zugute kommen kann. Eine dieser Fettsäuren, die Laurinsäure, wirkt antiviral, antibakteriell und entzündungshemmend, eine weitere, Caprylsäure, unterstützt die Gehirnfunktion. Die Ballaststoffe der Frucht fördern den Stoffwechsel und stabilisieren den Blutzuckerspiegel, die Mineralstoffe sind gut für Knochen, Muskeln und die Bildung roter Blutkörperchen. B-Vitamine stärken neben Haut, Haar und Nägeln auch die Nerven, und Antioxidantien neutralisieren freie Radikale. Im Ayurveda, der indischen Gesundheitslehre, spricht man der Kokosnuss kühlende Eigenschaften zu. Sie gilt als süß, schwer und nährend und soll gegen Sodbrennen und Magenschmerzen helfen. Manchmal hilft sie auch bei Fernweh: Augen schließen, auf der Zunge zergehen lassen, und schon liegt man unter Palmen am schneeweißen Sandstrand.
Mal kalt, mal heiß, immer lecker

Schonend kochen!
Wenn Sie Kokosmilch zum Kochen verwenden möchten, sollten Sie sie nicht zu stark erhitzen und nicht zu lange kochen, da sie sonst gerinnen könnte. Köcheln Sie das Gericht stattdessen leise oder fügen Sie die Milch erst gegen Ende hinzu und lassen Sie sie kurz aufkochen.
Frische-Test
Von außen sieht man einer Kokosnuss nicht an, wie alt sie ist. Mit der Zeit allerdings schwindet das Kokoswasser im Inneren, die Frucht trocknet aus und verdirbt. Der beste Frischetest ist daher, die Nuss ans Ohr zu halten und kräftig zu schütteln. Hören Sie das Wasser gluckern, ist sie frisch und genießbar. Übriggebliebenes Fruchtfleisch sollten Sie im Kühlschrank lagern, am besten in Kokoswasser eingelegt, alternativ luftdicht in Frischhaltefolie verpackt, und am nächsten Tag aufbrauchen. Oder Sie trocknen es geraspelt bzw. gehobelt bei 120 Grad in zehn bis 15 Minuten im Backofen. Auch Einfrieren ist eine Option.
Cremige Kokos-Popsicles
Für super-cremige Kokos-Popsicles pürieren Sie 400 ml vollfette Kokosmilch, 2 EL Ahornsirup und etwas gemahlene Vanille. Die Masse in Formen füllen, Stiele einstecken und mindestens vier bis sechs Stunden einfrieren. Sie schmecken pur oder in Kombination mit Fruchtschichten (z. B. Erdbeeren oder Himbeeren) sehr lecker.



Mango-Kokos-Suppe
Zutaten für 4 Personen
● 2 mittlere Süßkartoffeln ● 2 kleine Zwiebeln ● 1 Stück frischer Ingwer (ca. 2 cm) ● 2 EL Rapsöl ● 1 TL Chiliflocken plus etwas mehr zum Garnieren ● 500 ml Gemüsebrühe
● 2 Dosen Kokosmilch à 400 ml ● 2 reife
Mangos ● Salz ● 1 Spritzer Limettensaft
- Die Süßkartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Zwiebeln abziehen, den Ingwer schälen und beides ebenfalls in feine Würfel schneiden.
- Das Öl in einem Topf erhitzen. Zwiebeln und Ingwer darin bei mittlerer Hitze ca. 2 Minuten glasig andünsten. Die Süßkartoffelwürfel dazugeben und kurz mit anbraten. Die Chiliflocken darüber streuen.
- Mit Gemüsebrühe und Kokosmilch ablöschen und alles bei mittlerer Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen, bis die Süßkartoffeln weich sind.
- Unterdessen die Mango schälen und würfeln, in den Topf geben und 2 Minuten mitkochen.
- Den Topf vom Herd nehmen und die Suppe pürieren, bis sie eine cremige Konsistenz hat. Mit Salz und Limettensaft abschmecken.
Unser Tipp! Bestreuen Sie die Suppe vor dem Servieren mit gerösteten Kokossplittern, Mangostücken und den restlichen Chiliflocken. Dazu passt warmes Fladenbrot.
Aufmacherbild: iStock-Julia_Sudnitskaya
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