
Biophiles Design im Spa boomt. Die Einbindung der Natur unter Verwendung organischer Formen und natürlicher Materialien ist auch das Spezialgebiet der Diplom-Ingenieurin und Innenarchitektin Gracia Arnsburg. Im Interview mit SPA direkt sprach sie über Wirkung und Nutzen dieser Gestaltungsform für die gehobene Wellnesshotellerie.
Gracia Arnsburg, Dipl.-Ing. Innenarchitektin, Spezialistin für moderne Bestandsarchitektur und Spa-Design in der gehobenen Hotellerie sowie Expertin für biophiles Design
Die Idee der Biophilie ist nicht neu. Allerdings scheinen (Innen-)Architekten das Thema in jüngster Zeit für Spas und Wellnessanlagen neu entdeckt zu haben. Warum gerade jetzt?
Architektur ist auch immer ein Zeichen des Zeitgeschehens. Um die Jahrtausendwende war alles sehr clean, man hatte futuristische Gedanken. Ich beschreibe das immer als „Apple-Optik“ – touchless. In Krisenzeiten, wie wir sie aktuell erleben, und mit immer mehr Technologie im Alltag wie KI und Social Media haben die Menschen ein größeres Bedürfnis nach Natur. Sie vermittelt Ruhe, und ich denke auch Schutz. Außerdem sorgen sich viele um das Klima und die Umwelt. Wir (Innen-)Architekten sehen diesen Trend und setzen ihn um. Im Spa ist die Besonderheit, dass man sich leicht bekleidet durch die Räume bewegt, besonders entspannt und sensibel ist. Daher ist hier der Wunsch nach Natur, Schutz und Ruhe noch intensiver – aber auch die Erwartung, dass die Betreiber sich um die Natur kümmern und nachhaltig handeln.
Was zeichnet biophiles Spa-Design aus?
Es gibt drei unterschiedliche Ansätze. Der erste nimmt die Natur unmittelbar auf, so dass man im Spa direkte Naturerfahrung hat – durch Ausblicke in die Natur, begrünte Flächen oder eine Panoramasauna. Der zweite Ansatz interpretiert diese Naturerfahrung und überträgt sie indirekt ins Spa, etwa mit Werkmaterialien wie Holz oder Naturstein. Der dritte geht davon aus, dass die Räume grundsätzlich so gestaltet sein sollten, dass der Gast die Neuroarchitektur und -ästhetik wahrnimmt. Hier ist man in der Gestaltung freier.
Warum passen biophiles Design und Wellness so gut zusammen?
Es geht darum, dass Räume wirken, auch auf die Gesundheit, und zur Entspannung beitragen sollten. Wir nehmen Räume mit allen Sinnen wahr. Entsprechend sollte das Spa gestaltet sein.

Nicht jeder Hotelier hat die Möglichkeit, sein Spa komplett neu bauen zu lassen. Wie kann man biophile Elemente ohne großen (finanziellen) Aufwand in den bestehenden Wellnessbereich integrieren?
Man kann mit Grünpflanzen anfangen oder natürliche Materialien verwenden, z.B. Loungesessel aus Holz. Auch Farben und Stoffe wie Leinen verwenden sowie warmes Licht sind ein guter Anfang.
Welchen Nutzen hat das für die Hotels und die Gäste?
Der Hotelier signalisiert, dass er sich seiner ökologischen Verantwortung bewusst ist. Das wird grade für jüngere Gäste immer wichtiger. Außerdem zeigt er, dass sein Haus sich des aktuellen Trends bewusst ist und mit der Zeit geht. Letzteres gilt dies auch für den Gast. Weiter gedacht wirkt sich biophiles Design auch auf die Mitarbeiter aus. Die entsprechend gestalteten Räume steigern die Attraktivität als Arbeitgeber und verbreiten gute Laune im Team. Wenn dann noch grüne Technologie dazukommt, etwa Wärmetauscher oder die Aufbereitung von Grauwasser, spart der Hotelier langfristig auch noch Energiekosten.
Welche Beispiele für biophiles Spa-Design aus der Wellnesshotellerie halten Sie für mustergültig?
Ich war vor Kurzem anlässlich der Verleihung der SPA Star Awards in der Luisenhöhe – Gesundheitsresort Schwarzwald – ein sehr gutes Beispiel für biophile Architektur. Alle Sinne werden angeregt, die umliegende Natur dringt durch jedes Fenster des Gebäudes. Die Fassadengestaltung mit Holzschindeln ist typisch für die historische Baukultur in der Gegend. Das entschleunigt total. Viele Hotels im DACH-Raum verfolgen bereits diesen Ansatz, etwa das Naturhotel Forsthofgut oder das Forestis. Großartig finde ich das Spa im Aman Kyoto. Es bezieht die Tradition des japanischen Bauens und der japanischen Kultur mit ein. Viel Holz, Naturstein, sozusagen ein Zen-Garten. Ein zeitloses Meisterwerk! In diesem Kontext ist auch das Mizu Onsen Spa im Bachmair Waissach am Tegernsee zu sehen. Nach wie vor sehr gelungen finde ich das Meranesse fine Spa des Hotel Castel in Dorf Tirol, dessen Planung ich mitgestalten durfte. Gespannt bin ich auf das neue Six Senses Milano, das Ende des Jahres eröffnet werden soll – hier wird Nachhaltigkeit großgeschrieben, es wird ein Rausch der Sinne und sehr kosmopolitisch in der Heimat des Designs. Auch das neue Rosewood Blue Palace auf Kreta erwarte ich mit Spannung.








