Der Mensch fühlt sich zu allem Lebendigen und seinen vielfältigen Erscheinungsformen in der Natur hingezogen. Das besagt zumindest die Biophilie-Hypothese des US-amerikanischen Soziobiologen Edward O. Wilson. Sie dient als Grundlage eines Trends, der in der Wellnesshotellerie immer mehr Fuß fasst: Biophiles Design.
Das Anliegen biophiler (Innen-)Architektur ist es, die positiven Eigenschaften natürlicher Habitate in gebaute Räume zu transportieren, indem bewusst natürliche Elemente integriert werden. Ziel ist es, Stress zu reduzieren sowie Wohlbefinden, Konzentration und Gesundheit des Menschen zu steigern. Diese Effekte wurden durch verschiedene Studien belegt. Dass das zum Wellnessgedanken passt, liegt auf der Hand. Schließlich wirkt die Verbindung zur und das Eintauchen in die Natur beruhigend, ausgleichend und stabilisierend. Trends wie Waldbaden oder Treatments mit Naturprodukten wie Kräutern, pflanzlichen Ölen oder Salz haben es vorgemacht. Da war es nur logische Konsequenz, das Prinzip auch auf die „Hardware“ zu übertragen.


Die Landschaft ins Haus holen
Immer mehr Hotels orientieren sich bei der Gestaltung ihrer Wellnessbereiche an den Prinzipien der Biophilie. Das fängt schon mit der Architektur an. Beispiel My Arbor: Das 5-Sterne-Hotel bei Brixen bietet nicht „einfach nur“ Suiten mit Blick in die traumhafte Bergwelt Südtirols, sondern steht auf Stelzen, die an die Stämme der umgebenden Bäume erinnern und das Haus mit dem Wald verschmelzen lassen. Oder die Luisenhöhe – Gesundheitsresort Schwarzwald: Das Hotel bei Freiburg fügt sich in sanftem Schwung in die Schwarzwälder Szenerie ein, während großzügige Fensterfronten neben der Landschaft auch viel Tageslicht ins Haus holen – beides wichtige Aspekte der biophilen Architektur.


Natürliche Werkstoffe
Typische Gestaltungselemente biophiler (Innen-)Architektur sind natürliche Werkstoffe wie Stein und Holz, bestenfalls aus der Region, in der das jeweilige Hotel steht. Gerade im Wellnessbereich lassen sich diese Materialien wunderbar einsetzen. So vereinen sich etwa im Natürlich.Spa der Kaiserlogde in Scheffau am Wilden Kaiser heller und dunkler Naturstein mit honigfarbenem Holz zu einem Ambiente voller Wärme und Harmonie. Auch Keramik in Natursteinoptik lässt sich im Spa-Bereich hervorragend verbauen. Der Hersteller Caesarstone beispielsweise hat mit Onyxa aus der Kollektion Supernatural eine elegante, natürlich bewegte Oberfläche mit organischen Adern geschaffen, die dank goldener Rostablagerungen zugleich einen Hauch von Glamour erzeugt.
Für alle Sinne
Stichwort Farbe: Auch sie ist ein wichtiges Gestaltungselement des biophilen Designs. Ein natürliches Spektrum von cremigem Weiß über Sandtöne und erdiges Grün bis hin zu warmen Honigtönen sorgt für ein naturnahes Ambiente. Dunkle Töne wie etwa Schiefer schaffen eine sogartige Dramaturgie und vermitteln die Geborgenheit einer Höhle. Unterschiedliche Texturen bei der Ausstattung mit einem Wechsel von glatten und rauen Oberflächen, sorgen nicht nur für zusätzliche optische, sondern auch für haptische Reize und ermöglichen multisensorische Erlebnisse.


Sanft geschwungen
Auch eine organische Formensprache gehört zum Kanon des biophilen Designs. Im neuen Ju-Well Spa des Alpin Juwel in Saalbach-Hinterglemm (siehe Aufmacherbild) schaffen Wände aus geschwungenen Holzpaneelen ein Gefühl, als ob man durch eine hohle Gasse im Wald schreitet, und in der Salzsauna des Parkhotels Egerner Höfe in Rottach-Egern kombinierte der Saunabauer Klafs Stein und Holz mit wellen förmigen Sitzbänken. Der „Feinschliff“ in Sachen biophiles Design erfolgt über die Bepflanzung. Es muss nicht gleich ein spektakulärer „Tree of Life“ sein wie im Radisson Collection Hotel Berlin, ein vertikaler, grüner Garten im Foyer mit 24 Metern Höhe. Auch grüne Mooswände oder eine Spa-kompatible Begrünung mit echten Pflanzen eignet sich prima. Lesen Sie mehr dazu in unserem SPAdirekt Beitrag Grüne Oasen statt Wellness-Dschungel.
Biophiles Design ist nicht nur ein Trend. In Zeiten zunehmender Digitalisierung und damit einhergehender Entfremdung von unseren natürlichen Wurzeln schafft es Oasen der Erdung und Rückverbindung, die gerade in Wellnesshotels ein echter Mehrwert sein können.
Aufmacherbild: Alpin Juwel /Foto Atelier Wolkersdorfer








