Amsterdam stand schon lange auf meiner Bucket List. Doch immer schwang ein leichter Vorbehalt mit. Zu laut, zu voll, zu kalt. Sollte es nicht doch lieber Richtung Süden nach Madrid oder Rom gehen – wegen der Sonne? Oder, wenn schon Norden, dann gleich richtig nach Oslo oder Kopenhagen? Nach mittlerweile zwei Reisen in die Hauptstadt der Niederlande ärgere ich mich fast ein wenig über mich selbst, warum ich diese tolle Stadt nicht schon früher für mich entdeckt habe. Klar, sie ist voll. Doch welche spannende Großstadt ist das nicht? Laut? Nein.

Vor fast jedem Haus gibt es Bank oder Stuhl, um in der Sonne einen Kaffee zu trinken oder mit den Nachbarn zu plaudern. Und noch eine Kuriosität: Viele der schmalen Grachtenhäuser besitzen einen Haken unter dem Giebel – Möbel werden bis heute lieber durchs Fenster als über die oft steilen und engen Treppen transportiert (Foto: shutterstock_Lizzy-Komen)

Dank der vielen autofreien Straßen und der entspannten Atmosphäre wirkt Amsterdam überraschend ruhig. Meist hört man nur das Klingeln der Fahrräder oder das Plätschern der Grachten. Und kalt? Das kann durchaus sein. Ich war sowohl im April als auch im Juli dort – bei bestem Wetter. Draußensitzen garantiert. Und das kann man hier wirklich wunderbar. Zum Beispiel in einem der vielen Cafés, auf einer Dachterrasse wie der des Nemo Science Museums oder im kreativen Viertel Noord direkt am Stadtstrand. Die Amsterdamer zelebrieren das Leben im Freien ohnehin mit großer Hingabe. Vor vielen Häusern gibt es gemütliche Sitzgelegenheiten, mögen sie auch noch so klein sein.

Fahrradfahren bei Sonnenaufgang
Fahrradfahren ist ein Muss in Amsterdam. Für alle, die nicht sicher auf dem Drahtessel sind, empfiehlt sich eine frühmorgendliche Tour. Denn so kann man entspannt durch die Stadt und über die Brücken (Tipp: Magere Brug) radeln … Keiner überholt genervt mit Dauerklingeln, Fußgänger hopsen einem nicht ständig vors Rad, stattdessen hat man Muße zum Schauen. Ob E-Bike oder nicht: Helme trägt hier übrigens keiner. Und: Vor allem bei Jugendlichen sind aktuell Fatbikes schwer angesagt.

Wer in Amsterdam unterwegs ist, merkt schnell: Das Fahrrad ist hier kein Fortbewegungsmittel, sondern Teil der Stadtkultur. Rund 900 000 Räder sollen in der niederländischen Hauptstadt unterwegs sein – bei knapp 940 000 Einwohnern fast eins pro Kopf. (Foto: iStock-_pixdeluxe)

Mit und vom Wasser leben

Viel anzuschauen gibt es natürlich auch. Die Museumsdichte ist beeindruckend. Klar muss man die „Nachtwache“ von Rembrandt gesehen haben, ebenso die weltberühmten Werke von Vincent van Gogh. Wer es etwas spielerischer mag, wird im Upside Down Museum seinen Spaß haben. Und auch das Thema Shopping kommt nicht zu kurz. Trotzdem wirkt die Stadt nie hektisch. Vielleicht liegt das am Wasser, das überall präsent ist. Grachten, Hausboote, Fähren – Amsterdam lebt mit und vom Wasser.
Was mir aber fast am besten gefällt, sind die Menschen. Lässig, stylish und angenehm unaufgeregt. Niemand scheint beweisen zu müssen, wie beschäftigt er ist. Vielleicht ist es genau diese Gelassenheit, die auf Besucher abfärbt. Als ich zum dritten Mal an derselben Brücke stehe, obwohl ich ganz woanders hinwollte, musste ich lachen: Amsterdam erschließt sich nicht auf Anhieb. Die Stadt will entdeckt werden – ich muss also noch einmal wiederkommen – unbedingt!

Futuristische Bauten findet man gleich gegenüber des Hauptbahnhofs am IJ-Ufer. Das weiße Gebäude beheimatet das Eye-Filmmuseum, das Gebäude dahinter das Museum für digitale Kunst (Foto: Amsterdam Tourism/Jan de Ridder)
Um eine Vorstellung von den vielen Wasserstraßen zu haben, ist eine Grachtentour zu empfehlen. Viele starten vom Hauptbahnhof aus, wie z. B. der Anbieter Mokumboot, der auch kleine Elektroboote vermietet. Wer glaubt, dass viel zu viele Boote unterwegs sind, sollte bei der Canal Parade (1.8.2026) anlässlich der World Pride dabei sein. Da sind die Boote so dicht an dicht, dass man kein Wasser mehr sieht. (Foto: iStock-Robert-Matarazzo)
Anne-Frank-Haus: Eine wahre Geschichte hinter den unscheinbaren Mauern der Prinsengracht 263, die einem immer noch den Atem stocken lässt. Ein Besuch ist schon allein, gegen das Vergessen, unbedingt einzuplanen. Das Hinterhaus ist im Originalzustand erhalten, das Vorderhaus wurde rekonstruiert. An dieses schließt direkt ein Bibliotheks- und Dokumentationszentrum an. Jeden Dienstag um 10 Uhr sind alle Tickets für einen Besuch sechs Wochen später online verfügbar. www.annefrank.org (Foto: shutterstock_Lorena-Huerta)
Mit Abstand zu betrachten: Das berühmte Nachtwache-Bild von Rembrandt befindet sich im Rijksmuseum in einem speziellen Raum hinter Glas (Foto:shutterstock_Irene-Di-Prato-Visuals)
Die leuchtenden „Sonnenblumen“ sind nur ein Highlight der Ausstellung. Auf mehren Etagen gibt es Werke (600 Gemälde und 200 Zeichnungen) aus verschiedenen Schaffensphasen des Ausnahmekünstlers, Arbeiten berühmter Zeitgenossen, familiäre Hintergründe und, und, und (Foto: shutterstock_Richie-Chan)

Kleine Köstlichkeiten

Wird aktuell in den sozialen Medien gehypt und man muss vor Ort Schlange stehen, um einen Matcha Latte und ein Sandwich bei Chun zu bekommen. Ob Geheimtipp oder Social-Media-Effekt – entscheiden muss jeder selbst. Unser Tipp: Statt Matcha einen Hōjicha Latte (gerösteter Grüntee mit nussigem Aroma) bestellen.
Die kleinen, fluffigen Poffertjes werden aus Hefe und Buchweizenmehl gebacken und sollten am besten noch warm und ganz klassisch mit einem Klecks Butter und einer guten Portion Puderzucker gegessen werden. Unser Tipp: Pat’s Poffertjes, Oude Leliestraat 7.
Stroopwaffeln testen! Wobei man eigentlich nur eine probieren kann (und nicht mal die habe ich geschafft), weil sonst der Zuckerschock droht. Also besser erst einmal vorsichtig herantasten und im Zweifel nachordern. Beim Traditions-Waffelbäcker Hans Egstorf kann man direkt zuschauen, wie aus Teigkugeln die flachen Waffeln gepresst werden

Rooftop-Bars

  • Nemo Rooftop Die frei zugängliche Dachterrasse des Science Museums bietet einen der schönsten Ausblicke über die Altstadt. Perfekt für eine Kaffeepause mit Panorama. www.nemosciencemuseum.nl
  • The Living Kitchen Rooftop Restaurant and Bar by Zoku Amsterdam. Versteckter Dachgarten mit Gewächshaus, Kräuterbeeten und entspannter Atmosphäre. www.livezoku.com/amsterdam
  • DoLuminAir Stylische Rooftop-Bar nahe dem Hauptbahnhof. Besonders zum Sonnenuntergang beliebt, mit weitem Blick über Wasser, Altstadt und Hafen. www.luminairamsterdam.com
  • W Lounge Elegante Dachterrasse mitten im Zentrum. Pool, Cocktails und ein cooler Blick auf die Dächer Amsterdams. www.wamsterdam.nl

Essen gehen

  • Kaasbar (Ferdinand Bolstraat) Hier dreht sich wirklich alles um Käse: Über ein Förderband rollen niederländische und internationale Sorten direkt an den Tisch. Verspielt, lecker und garantiert kein Standard-Restaurant. web: kaasbar.amsterdam
  • De Kas Vom Beet direkt auf den Teller. In einem historischen Gewächshaus serviert De Kas saisonale Gerichte aus Gemüse, Kräutern, essbaren Blüten und Obst, die größtenteils aus den eigenen Gärten stammen. www.restaurantdekas.com
  • The Seafood Bar Mitten am Spui, einem der schönsten Plätze der Altstadt, werden Austern, Hummer und fangfrischer Fisch in einem Jugendstilgebäude serviert. Unsere Empfehlung: die große Seafood-Platte, ideal auch zum Teilen. www.theseafoodbar.com
  • The Dean im The College Hotel ist ein außergewöhnliches Konzept. Im ehemaligen Schulgebäude aus dem 19. Jh. kredenzen angehende Hotelfachkräfte und Köche ein 3-Gang-Menü für 32,50 €. www.thecollegehotel.com

Beach-Feeling am IJ (Foto: shutterstock_fokke-baarssen)

Auf in den kreativen Norden

Wo früher Schiffe gebaut wurden, gibt es heute Street Art, Designstudios, kleine Stadt-strände und Restaurants. Besonders im Sommer zieht es viele Amsterdamer Richtung Noord.

Mit der kostenlosen Fähre F3 gleich hinter dem Hauptbahnhof geht es in wenigen Minuten über das IJ, einem breiten Wasserarm, nach Amsterdam Noord. Schon auf der kurzen Überfahrt fühlt man das Meer, Containerschiffe kreuzen. Auf der anderen Seite wartet keine Grachtenidylle, sondern viel Raum, Wasser und kühne Architektur. Die Fähre legt direkt beim futuristischen Eye Filmmuseum und dem A’dam Tower an. Wer schwindelfrei ist, fährt nach oben und wagt dort auf Europas höchster Schaukel einen Blick über die Dächer der Stadt.

Beachfeeling inklusive
Wer länger bleiben möchte, sollte ein Fahrrad dabei haben, denn Noord ist weitläufig. Nächstes Ziel: das ehemalige Werftgelände NDSM. Wo einst Schiffe gebaut wurden, haben sich zwischen alten Hallen, Containern und Industriekränen Künstler, Designer und Start-ups angesiedelt. Regelmäßig findet in den IJ-Hallen Europas größter Flohmarkt statt. Ein Muss nicht nur für Street-Art-Fans: das Straat Museum. Schon das riesige ehemalige Werftgebäude ist beeindruckend, im Inneren hängen monumentale Werke internationaler Künstler.
Wer jetzt Hunger hat, sollte bei Pllek vorbeischauen. Das Restaurant aus alten Schiffscontainern gehört zu den schönsten Sommeradressen der Stadt. Hier finden Konzerte und Open-Air-Events statt, jeden Sonntagmorgen trifft man sich zum Yoga. Danach bleiben viele gleich zum Brunch. Die Sonne im Gesicht, die Füße im Sand und die Skyline von Amsterdam gegenüber – bestes Beachfeeling in der City.

NDSM Einst Werft, jetzt weiträumiger Szeneort mit Flohmarkt, Museum und coolen Kneipen (Foto: Shutterstock/ Wolf-photography)
Restaurant, Yoga-Treff, Open-Air-Bühne: Das relaxte Pllek ist alles in einem

Unsere Hoteltipps in Amsterdam

Bunt, relaxt und ganz nah dran
Für alle, die auf direktem Weg zu van Gogh oder Rembrandt und danach noch eine Runde durch das Viertel De Pijp möchten, ist das Avani Museum Quarter Amsterdam die erste Wahl. Das 2024 eröffnete Avani setzt auf einen modernen Stil, der Anleihen bei der niederländischen Designbewegung De Stijl nimmt mit dem Maler Piet Mondrian als berühmtem Vertreter. Offene, gut durchdachte Raumkonzepte und kräftige Farbakzente geben in den 163 Zimmern und Suiten den Ton an. Von den höheren der insgesamt sieben Etagen gibt es einen weiten Blick über die Dächer der Stadt, zum Teil aus bodentiefen Fenstern. Für Yogafans übrigens der beste Platz, um dort die im Zimmer befindliche Yogamatte auszurollen. Tolle Idee: Über einen speziellen QR-Code gibt es einen kostenfreien Zugang zur „This.Is.Eden x Avani Active Meditation“ – einem in Amsterdam entwickelten Konzept, das elektronische Musik, Bewegung und Achtsamkeit zu einer 40-minütigen geführten Auszeit verbindet.

Außen klare Linien, innen kräftige Farbakzente mit einem mit der entspannten Lässigkeit Amsterdams (Foto: Guido Pijper)

Avani Museum Quarter Amsterdam

Vom Flughafen Schiphol erreicht man das Avani Museum Quarter Amsterdam in rund 25 Minuten per Taxi oder mit Bahn und Metro. www.avanihotels.com
Preise ab zirka 220 Euro pro Nacht im Doppelzimmer, je nach Reisezeitraum und Zimmerkategorie.

Nobler Treffpunkt
Hinter historischen Mauern verbirgt sich mit dem Mandarin Oriental Conservatorium einer der schönsten Rückzugsorte der Stadt. Ottolenghi macht ihn jetzt noch reizvoller. Manche Gebäude erfinden sich immer wieder neu. Das Conservatorium war Bank, später Musikhochschule und zählt heute zu den architektonisch spannendsten Hotels Amsterdams. Mit dem neuen Ottolenghi-Restaurant kommt nun eine weitere Facette hinzu. Die 129 Zimmer und Suiten bleiben dem Grundgedanken des Conservatorium treu: viel Licht, warme Materialien und eine unaufgeregte Eleganz. Für Staunen sorgt stattdessen das spektakuläre Atrium unter dem Glasdach. Eher urbaner Treffpunkt als klassische Hotellobby, herrscht hier den ganzen Tag über ein reges Kommen und Gehen.
Genau an diesem Ort hat nun Yotam
Ottolenghi sein erstes Restaurant in den Niederlanden eröffnet. Wie in seinem Londoner Erfolgslokal setzt er auch hier auf Levante-Küche mit saisonalem Gemüse, kräftigen Aromen, Fermentiertem und Gerichten zum Teilen. Wer hier essen möchte, muss allerdings weit im Voraus buchen.
Vom Atrium führen wenige Stufen hinab in einen völlig anderen Kosmos: das Akasha Spa. Mit seinem 18 Meter langen Indoor-Pool, Sauna, Behandlungsräumen und Yogastudio zählt es zu den schönsten Wellnessadressen der Stadt.

Wo einst Studenten musizierten, treffen sich heute Gäste und Amsterdamer zu Ottolenghis kreativer Küche unter dem spektakulären Glasdach des Hotels

Mandarin Oriental

Vom Flughafen Schiphol erreicht man das Mandarin Oriental Conservatorium in etwa 20 Minuten per Taxi , Bahn und Tram. Der Hauptbahnhof liegt rund 15 Minuten entfernt. www.conservatoriumhotel.com
DZ im Sommer ab zirka 850 Euro pro Nacht.

Luxus maßgeschneidert & zeitlos – Anantara Grand Hotel Krasnapolsky
Vom Kaffeehaus eines Schneiders zur Grande Dame Amsterdams – Erleben Sie mit uns einen Ort mit Geschichte, der sich trotz seiner Größe angenehm persönlich anfühlt:


Buch-Tipps:

Mal anders will das Büchlein, Michael Müller Verlag, sein. Vor allem für Amsterdam-Kenner, die besondere Orte und ihre Geschichte kennenlernen möchten. 2025, 240 S., 15 €.

Hintergrundwissen gibt es im Reiseführer Amsterdam vom Michael Müller Verlag genügend. Mit Stadtplan und QR-Code für die kostenlose App mmtravel.com, 2024, 300 S., 19,90 €.

Auf 12 abwechslungsreichen Stadtspaziergängen entdecken Besucher lebendige Viertel und versteckte Schätze. Mit vielen Fotos, ÖPNV-Hinweisen und einer Übersichtskarte. Droste Verlag, 2025, 168 S., 16,00 €

Klassiker von Marco Polo. Alles drin und dran, perfekt für Handtasche oder Rucksack und ein erstes Kennenlernen der quirligen Stadt an der Amstel. 2025, 144 S., 17,95 €.


Aufmacherbild: shutterstock_Dmitry-Rukhlenko

Reise-Tipps für die schönsten SPA Metropolen und ausgewählte Hotels stellen wir in der aktuellen Ausgabe SPA inside vor.