Süß, aromatisch, leuchtend rot: Erdbeeren sind einfach verführerisch. Kein Wunder sind sie der Deutschen liebste Früchte. Wie gut, dass sie hierzulande bestens gedeihen. Denn je länger sie vor der Ernte am Strauch reifen dürfen, umso geschmackvoller sind sie.
Der Geschmack von Erdbeeren ist mit nichts zu vergleichen: fruchtige, milde Säure, gepaart mit verlockender Süße und Saftigkeit und einem himmlischen Aroma, das Erinnerungen wachruft an Sommernachmittage am Gartentisch, bei Erdbeerenkuchen mit Schlagsahne. Endlose Reihen dunkelgrüner Sträucher auf gelbem Stroh, von denen man die tiefroten Früchte selbst pflücken konnte und so manche direkt von der Hand in den Mund wanderte. Oder die erste Kugel Eis der Saison, ein Kindheitstraum aus cremiger Sahne und knallroter Erdbeere.
Die rote Frucht auf Kuchen, Desserts und Süßes zu reduzieren, wäre allerdings schade. Sie schmeckt auch wunderbar in Salaten, als Salsa mit Zwiebeln und Chili zu Fleisch oder als raffinierter Gaumenkitzler im Sekt.

Botanisch betrachtet gehört die Erdbeere zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Ihr wissenschaftlicher Name lautet Fragaria, abgeleitet vom lateinischen Wort für „duften“. Streng genommen handelt es sich bei den Früchten nicht um Beeren, sondern um Sammelnussfrüchte, wobei die kleinen Körner die eigentlichen Früchte sind.
Schon in der Steinzeit standen Erdbeeren auf dem Speiseplan unserer Vorfahren. Dabei handelte es sich um die kleinen Walderdbeeren, die man heute noch in der Natur naschen kann. Im Mittelalter wurden sie schon großflächig angebaut und nicht nur als Speise, sondern auch als Heilmittel sehr geschätzt. Die Urformen der deutlich größeren Gartenerdbeeren stammen aus Amerika und wurden im 18. Jahrhundert von Seefahrern nach Europa gebracht.
Wiege des europäischen Erdbeeranbaus ist die bretonische Halbinsel Plougastel, wohin ein Hobby-Botaniker sie aus Chile mitbrachte. Die erste dort kultivierte Sorte war weiß und gedieh im milden, regenreichen Klima der französischen Westküste prächtig. Aus Frankreich stammt auch die Mara de Bois, eine unter Gourmets besonders geschätzte Sorte, die durch intensiven Walderdbeergeschmack besticht.
Heute liegt die größte Anbaufläche Europas in Polen, gefolgt von Deutschland. Die Erdbeere wird aber weltweit kultiviert. Erhältlich ist eine Vielzahl an Sorten, von der ertragreichen Polka über die Klettererdbeere Hummi oder die rosa blühende Topferdbeere Toscana bis hin zur weißen Tubby White. Eine historische Kreuzung zwischen Wald- und Gartenerdbeere wird gerade erst wiederentdeckt: 1931 von einem Wiener Botaniker gezüchtet, gilt Mieze Schindler als ebenso lecker wie kapriziös. Die Frucht, benannt nach der Gattin des Züchters, schmeckt laut Kennern intensiv und unvergleichlich, weshalb sie bisweilen als „Praline unter den Erdbeeren“ bezeichnet wird. Allerdings ist sie sehr weich, druckanfällig und daher quasi nicht transportabel. Auch beim Anbau ist sie anspruchsvoll und eignet sich vor allem für erfahrene Hobby-Gärtner. Sollten Sie jemals die Gelegenheit haben, Mieze Schindler zu kosten, dann zögern Sie nicht!
Erdbeeren haben aber auch innere Werte und eine lange Tradition als Heilmittel. Sie sind reich an Vitaminen, allen voran Vitamin C. Außerdem enthalten sie Mineralstoffe von Kalium über Eisen bis zu Zink, die gut sind fürs Herz und den Stoffwechsel unterstützen. Ihre Antioxidantien wirken entzündungshemmend, blutdrucksenkend und können sogar das Risiko von chronischen Krankheiten mindern. Erdbeeren sind gut für Leber und Galle, verdauungsfördernd, schmerzlindernd und regulieren den Hormonspiegel. Auch die Blätter der Pflanze sind heilsam: Sie enthalten Gerbsäure und helfen, als Tee genossen, bei Magen-Darm-Beschwerden und Zahnfleischentzündungen.

Walderdbeeren sind im Garten hübsche Bodendecker. Nach der Ernte im Hochsommer bilden sie einen dichten dunkelgrünen Teppich, dem menschliche Füße und selbst der Rasenmäher nicht schaden. Am liebsten mögen sie halbschattige Standorte.
Von der Muse geküsst
Die saftigen Früchte weckten schon immer Begehrlichkeiten. In vorchristlichen Kulturen wurden sie mit Liebesgöttinnen in Verbindung gebracht – sinnlich, verführerisch, fruchtbar. Im tiefreligiösen Mittelalter hingegen galten sie wegen ihrer weißen Blüten und ihres niedrigen Wuchses als Symbol für Unschuld und Demut. Und damit auch als Sinnbild Mariens. Poeten, Künstler und Musiker verschiedenster Epochen ließen sich von der Erdbeere inspirieren, meist mit erotischem Beiklang: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.“ In jüngster Zeit gilt alle Aufmerksamkeit der japanische Toichiaika-Erdbeere. Ein US-amerikanisches Luxus-Kaufhaus bot die perfekt geformten, süßen Früchte für stattliche 19 Dollar (18 Euro) pro Stück an, Influencer und Promis wie Heidi Klum lösten einen regelrechten Social-Media-Hype darum aus. Da sind mir ein paar Schälchen der preiswerteren und ebenfalls leckeren Senga Sengana oder Lambada deutlich lieber. Und dann gibt’s Erdbeeren satt!
Beliebte Sorten
Es gibt unzählige Erdbeersorten, die in Größe, Wuchsform oder Ernteperioden variieren. Zu den beliebtesten zählen:
- Polka Eine mittelspäte Sorte mit dunkelroten Früchten, die im Juni und Juli geerntet werden kann. Sie bringt bereits im ersten Jahr nach der Pflanzung gute Erträge.
- Lambada Ab Ende Mai reifen die recht festen Früchte heran, die zu den süßesten Erdbeeren zählen. Sie eignen sich zum Frischverzehr ebenso gut wie für Marmelade und sind auch für Allergiker meist gut verträglich.
- Elsanta Eine herrlich aromatische Sorte, die mittelspät reif wird und gut haltbar ist. Allerdings ist sie anfällig für die Welkekrankheit und sollte nicht an Stellen gepflanzt werden, wo zuvor Kartoffeln oder andere Erdbeersorten gewachsen sind.
- Senga Sengana punktet mit hohen Erträgen und ausgesprochener Süße. Sie ist pflegeleicht, krankheitsresistent und vielseitig verwendbar.
- Honeoye Ab Mai reifen die robusten Früchte heran, meist in großer Zahl. Zu ihrem intensiven Aroma gehört eine zarte Säure, die dunkelrote Farbe ist ein schöner Hingucker. Die Pflanze ist winterhart.
- Ostara ist eine der am häufigsten kultivierten Sorten. Kein Wunder, schließlich entwickelt sie bis zum ersten Frost neue Blüten, trägt große Früchte und schmeckt süß mit feinem Walderdbeeraroma. Auch in Kästen oder Kübeln gedeiht sie gut.
Süß, saftig, leuchtend rot –
Erdbeeren machen einfach gute Laune

Wie ein Sommertag
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Küchentipps
- Erdbeeren haben in Deutschland von Mai bis August Saison. Wie verlockend Importexemplare im Januar auch sein mögen: Sie haben nicht dasselbe Aroma wie vollreif geerntete Früchte aus heimischem Anbau.
- Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Früchte eine glänzende Oberfläche, eine einheitlich rote Farbe und keine Druckstellen haben. Erdbeeren reifen nach der Ernte nicht nach. Haben sie weiß-grüne Stellen, dann wurden sie unreif geerntet und sind weniger aromatisch.
- Essen Sie Erdbeeren am besten frisch oder bewahren Sie sie maximal drei Tage im Kühlschrank auf. Eine halbe Stunde vor dem Verzehr sollten Sie sie wieder herausholen, damit sie bei Zimmertemperatur ihren vollen Geschmack entfalten können.
- Falls die Früchte in Folie verpackt sind, dann entfernen Sie diese, um Feuchtigkeitsentwicklung zu vermeiden. Lagern Sie die Beeren flach auf einem Teller mit einem Stück Küchenkrepp. So entwickeln sie keine Druckstellen, bleiben trocken und verderben weniger schnell.
- Waschen Sie die Früchte erst kurz vor dem Verzehr und nicht unter fließendem Wasser, sondern tauchen Sie sie kurz in eine Schüssel Wasser. Anschließend in einem Sieb abtropfen lassen, danach vorsichtig trocken tupfen. Den Stielansatz sollten Sie erst nach dem Waschen entfernen, weil die Frucht sonst Saft und Aroma verliert.
- Sie können Erdbeeren einfrieren. Allerdings werden sie nach dem Auftauen matschig. Wenn Sie die Früchte weiterverarbeiten wollen, etwa zu Marmelade oder Smoothies, ist das aber kein Problem.

Selbstgemachte Vielfalt Dass man aus Erdbeeren nicht nur Essbares herstellen kann, beweist Doris Kern in ihrem kleinen, feinen Büchlein. Es enthält auch Anleitungen für Erdbeer-Shampoo, -Duschgel oder -Peeling – und Inspirationen für viele andere freche Früchtchen. Verlag Anton Pustet, 264 S., 22 €.
Raffinierte Erdbeeren-Rezepte

ERDBEER-MOJITO
Zutaten für 2 Gläser: ● Limettensaft von 1 Bio-Limette ● 2 Spritzer Erdbeersirup (wer es süßer mag, auch gerne mehr) ● 8 cl Erdbeer-Limes, z. B. von Karls Erdbeernektar ● Eiswürfel oder Crushed Ice ● frische Erdbeeren und Minze zur Deko
Limette vierteln und den Saft von je 2 Limettenvierteln in ein Glas auspressen. Jeweils 1 Limettenviertel mit ins Glas geben. Erdbeersirup und ca. 4 EL Crushed Ice oder Eiswürfel dazugeben.
Jeweils 4 cl Erdbeer-Limes in die Gläser geben und den Rest des
Glases mit Erdbeernektar auffüllen. Mit frischen Erdbeeren und Minze
dekorieren und servieren.
Das Rezept ist aus diesem Buch ->
Am Anfang war die Erdbeere Als Karl Dahl 1921 auf seinem Bauernhof in Mecklenburg die ersten Erdbeeren anbaute, ahnte er nicht, dass seine Familie eines Tages zu einer echten Erdbeer-Dynastie mit insgesamt sieben Erlebnis-Dörfern (www.karls.de) und eigenem Kochbuch heranwachsen würde. Letzteres ist voller abwechslungsreicher Rezepte. Lempertz Verlag, 112 S., 14,99 €

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