Mehr als alle anderen Sinne ist der Geruchssinn mit Emotionen und Erinnerungen verbunden. Als Hotelbetreiber kann man sich dies gewinnbringend zunutze machen – mit cleverem Duftmarketing.
Gerüche wecken Emotionen – stärker als alle anderen Sinne. Schließlich ist der Geruchssinn der älteste unserer Sinne und direkt mit dem limbischen System verbunden. Dieses wiederum fungiert in unserem Gehirn als Zentrum der Emotionen – und des Gedächtnisses. Ob wir uns irgendwo wohlfühlen, entscheidet also als erstes unsere Nase. Das hängt auch davon ab, womit wir welchen Geruch in unserer Erinnerung verknüpfen. Wenn an unbeschwerten Ferientagen in Omas Garten der Flieder blühte, dann wird uns dieser Duft auch noch im Alter mit Glück erfüllen. Das geschieht blitzschnell und unbewusst, lange bevor unser Verstand sich einschaltet. Neben dem individuellen Geruchsgedächtnis gibt es auch Düfte, die die Mehrheit von uns als angenehm empfindet. Dies können Sie sich in Ihrem Wellnesshotel oder Spa zunutze machen – mit cleverem Duftmarketing.
Wettbewerbsvorteil Duftkonzept
„Wo Entschleunigung und Wohlbefinden im Mittelpunkt stehen, kann man diese Experience mit Duft hervorragend unterstützen“, weiß Martin Motyka, Sales Manager Germany bei ScentAir. Der Anbieter von Duftkonzepten unterstützt seit über 30 Jahren B2B-Kunden in Sachen Duftmarketing, darunter Hospitality-Größen wie Marriott oder Hilton. Dass ein angenehmes Dufterlebnis für mehr Umsatz sorgt, belegen Studienergebnisse von CSS Dataintelligence, einem Marktforschungsunternehmen, das sich auf Produktforschung spezialisiert hat. Demnach halten sich 18 Prozent der Kunden länger in einem Geschäft auf, in dem es angenehm duftet. Die Folge: eine Steigerung des Umsatzes um neun Prozent. Bezogen auf Beherbergungsbetriebe und Wellnessanlagen kann dies bedeuten, dass Gäste den Duft vor Ort in ihrer Erinnerung mit einem schönen Aufenthalt verknüpfen, sich emotional stärker mit dem Haus verbunden fühlen, wiederkommen und auch länger bleiben. „Im Wellnessmarkt kann ein multisensorisches Erlebnis, das über den Spa-Bereich hinausgeht, zum Wettbewerbsvorteil werden“, ist Martin Motyka überzeugt. Hotels mit Duftkonzept schnitten bei der Verweildauer im Spa- bzw. Lobbybereich, bei der Gästezufriedenheit, dem Umsatz pro Gast in bestimmten Zonen sowie der Wiederkehrrate besser ab als vergleichbare ohne, spricht er aus Erfahrung. Aus diesem Grund würden Duftkonzepte von vielen Hotelmarken seit Jahren als Marketing-Tool genutzt und seien ein integraler Bestandteil der Markenidentität.

Die Systeme Direct und Stream von ScentAir verfügen über eine fortschrittliche Zerstäubungstechnologie. Sie setzen einen feinen, unsichtbaren Nebel frei – mit individuell erstellten Duftplänen und anpassbarer Duftintensität. Direct ist ein flexibles System, das die Duftabgabe auf mittelgroßen Zielflächen von bis zu 280 m² ermöglicht, Stream eignet sich vor allem für große Räume und deckt bis zu 3500 m³ab. www.scentair.com

Gemeinsam mit dem omanischen Haute-Parfumerie-Haus Amouage präsentiert Mandarin Oriental „Whispers Of The Fan“, eine exklusive Amenity-Kollektion, die weltweit ausschließlich für die Luxus-Hotelkette entwickelt wurde. Für die unverwechselbare Duftsignatur tauchte Amouage in die Welten Hongkongs und Bangkoks ein, wo die Geschichte von Mandarin Oriental begann. Aus dem ikonischen Fächer der Hotelkette mit seinen elf Blättern entstand die Idee von elf unterschiedlichen Duftnoten wie etwa Zitronengras, Ingwer oder Lotusblüte. Der Duft soll die Servicephilosophie von Mandarin Oriental widerspiegeln: intuitiv, aufmerksam und präsent. Die Produkte sind vegan, tierversuchsfrei und bestehen zu 97 Prozent aus natürlichen und biologischen Inhaltsstoffen. Produktion und weltweite Distribution der nachfüllbaren Flakons erfolgen durch ADA Cosmetics.
Von vorgefertigt bis maßgeschneidert
Doch wie findet ein Hotel den richtigen Duft? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Etwa von der Lage des Hauses und der umgebenden Landschaft, die ihre eigenen Gerüche mitbringt – z.B. den Duft des Meeres, einer Bergwiese oder eines mediterranen Gartens. Aber auch von der Ausrichtung des Spas oder dem Gesamtkonzept des Hauses (etwa puristisch, Boho oder luxuriös-opulent). „Die Duftauswahl sollte zum Ambiente des Hotels passen“, empfiehlt Profi Motyka. „Oder bestimmte Eigenheiten aufgreifen – Stichwort Storytelling. Und manchmal begeht man bewusst einen Stilbruch, um einen anderen Effekt zu erzeugen.“ Auch die Zielgruppe ist ein wesentlicher Faktor. Sind Ihre Gäste eher jünger, älter, Familien mit Kindern oder Paare? Bei der Findung unterstützt ScentAir seine Kunden mit einer umfangreichen Duftbibliothek mit hunderten Düften von erfrischend über exotisch bis edel, die sofort eingesetzt werden können. Daneben gibt es auch die Möglichkeit kuratierter Düfte. Allerdings, räumt Motyka ein, sei die Entwicklung eines eigenen Dufts aufwendig und bleibe in der Praxis Kunden mit weltweiten Rollouts an vielen Standorten vorbehalten.
Verschiedene Beduftungssysteme
Ist die richtige Komposition gefunden, geht es an die technische Umsetzung. Dabei können neben kleinen Diffusoren auch ganze Raumbeduftungssysteme zum Einsatz kommen, abhängig von der Größe des Raumes. So gibt es z.B. Ultraschalldiffusoren, die den Duft mithilfe von Ultraschallwellen im Raum verbreiten, sehr leise und dabei energieeffizient sind. Eine gleichmäßige Duftverteilung gewährleisten Luftdrucksysteme, die es häufig mit integrierter Zeitschaltuhr gibt. Bei Heißluft-Duftspendern wird der Duft mithilfe erhitzter Luft freigesetzt. Sie eignen sich gut für große Räume. Bestimmte Duftspender können auch so programmiert werden, dass sie den Duft zu bestimmten Zeiten oder in unterschiedlicher Dosierung verströmen. So kann man Stoßzeiten gezielt nutzen und die Beduftung nachts herunterfahren. Andere Systeme arbeiten mit Sensoren, mit deren Hilfe die Beduftung etwa daran angepasst wird, wie viele Personen sich gerade im Raum befinden. Auch die Steuerung mithilfe von Handy-Apps ist bei manchen Versionen möglich. Martin Motyka hält maschinelle Diffusoren, die mit Kaltvernebelung arbeiten, für die „einzig zuverlässige Technik. Diese gibt es in Form von Stand-Alone-Geräten mit Kartuschen oder als Gerät, das den Duftstoff direkt in die Lüftung einbringt, von wo er zusammen mit der Zuluft gleichmäßig verteilt wird.“

Das Duftkonzept der spanischen Hotelmarke (Fuerte Group) wurde gemeinsam mit Aroma de Ibiza entwickelt, einem der Pioniere für Duftmarketing in Spanien. Es entstand eine eigene Duftsignatur, die den mediterranen, kosmopoliten und Adults-only-Lifestyle der Marke widerspiegeln soll. Ziel ist es nicht nur, Räume angenehm zu parfümieren, sondern die emotionale Wahrnehmung des Hotels aktiv mitzugestalten und Gästen langfristig in Erinnerung zu bleiben. Der Duft, eine Komposition aus Cassis, Geranie, Iris, Zedernholz, Vanille und weiteren Bestandteilen soll Leichtigkeit, Eleganz, dezente Sinnlichkeit und Entschleunigung vermitteln und die entspannte, stilvolle Atmosphäre der Amàre Hotels unterstreichen. www.amarehotels.com/amare-sancti-petri/

Eine etwas andere Art des Duftmarketings verfolgt die Luxusmarke der Accor Gruppe: Gemeinsam mit dem Parfümhaus Montroi wurde eine Weltreise für die Sinne entwickelt. Dazu haben die Parfümeure die Essenz jedes Ortes mit einer individuellen Duftkombination eingefangen, die zugleich eine Hommage an die jeweilige Destination ist. Bergamotte, süßer Jasmin und moschusartiges Sandelholz z. B. erwecken das Ambiente von One&Only The Palm in Dubai zum Leben. Die 15 charakteristischen Düfte sollen die Magie des Reisens einfangen und sind als Geschenk oder Andenken gedacht. Sie sind in One&Only Resorts weltweit sowie unter www.montroi.com erhältlich.
Weniger ist mehr
Ob man für das gesamte Haus einen einheitlichen Duft einsetzt oder verschiedene für die unterschiedlichen Bereiche, ist letztlich Geschmacksache. „Zu viel Durcheinander ist sicherlich nicht gut, denn es dezimiert den Wiedererkennungseffekt eines Signature-Dufts“, erklärt Martin Motyka. Aber gerade im Spa, wo es um Entspannung und Wohlbefinden geht, könne man variieren – insbesondere, wenn der Signature-Duft ansonsten nicht viel mit Spa und Wellness zu tun habe. Der wichtigste Bereich in Sachen Beduftung sei der Eingangsbereich mit Lobby und Rezeption: „Hier wird der Gast in den ersten Augenblicken sofort mit der Kraft des Duftes auf den ersehnten Aufenthalt eingestimmt.“ Gibt es Do’s & Don‘ts? „Ja! Eine zu hohe Intensität wird von vielen Menschen als unangenehm empfunden.“ Zu empfehlen sei hingegen, den Signature-Duft gezielt in Marketing-Strategie oder Corporate Identity des Hauses einzubinden. Dies kann in Form eines Give-aways erfolgen wie auch als Verkaufsprodukt im hoteleigenen Shop. Das Spektrum an Möglichkeiten reicht vom individuell gebrandeten Raumparfüm über die Duftkerze bis zum Lufterfrischer fürs Auto. Martin Motyka: „Wer Duftmarketing nur abhaken möchte oder zur Raumerfrischung degradiert, lässt das enorme Potenzial brachliegen, das der Riechsinn bietet.“
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