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Mittwoch, 10. August 2022

HELLO FUTURE

Weniger und besser, minimal und außergewöhnlich, nachhaltig und intuitiv. Diese Trends sagt Philip Fimmano voraus. Ulrich Lang sprach mit dem Trend-Analysten und Direktor von Trend Union.

Hallo Philip. Wo sind Sie gerade?

Philip Fimmano: Ich bin an diesem sonnigen Tag in meiner Pariser Woh­nung, Frühling liegt in der Luft.

Die Prognose der Trend Union für 2021/22 hieß Stillness – können Sie das genauer erklären?

Philip Fimmano: Stille war bereits 2019 das Thema, das Trend Union kurz vor Beginn der Pandemie prognostizierte und eine neue Periode ankündigte, in der wir eine Pause einlegen würden. Wir sahen voraus, dass der übertriebene Konsum vorbei sein würde und dass sich die Dinge verlangsamen. Die Idee dahinter ist, dass wir uns Zeit zum Nachdenken nehmen, bevor wir zu unserer Alltagsarbeit zurückkehren. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um den Sinn des Lebens und der Arbeit zu überdenken! Diese Prognose passte perfekt zu den Lockdown-Monaten, als wir die Gelegenheit bekamen, alles von Grund auf neu zu erfinden. Das lag bereits in der Luft: Die Menschen wollten in klei­neren Wohnungen leben, ihre Dinge organisieren und viele taten mehr für ihre Gesundheit. Folglich hatten wir auch das Gefühl, dass die Menschen anfangen würden, ihren Konsum neu zu bewerten. Weniger zu kaufen bedeutet nicht, dass wir aufhören, schöne Dinge oder Düfte zu kaufen – im Gegenteil. Schönheit ist eine Form des ästhetischen Aktivismus und lindert irgendwie den Schmerz, den wir erleben. Daher wird der Fokus in Zukunft auf weniger und besser, minimal und außergewöhnlich sowie nachhaltig und intuitiv liegen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Philip Fimmano: Trendprognosen ähneln der Archäologie. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Ideen, die wir finden, in die Zukunft von zwei oder mehr Jahren projiziert werden. Indem wir Informationsfragmente miteinander verbinden, können wir verstehen, wie die Gesellschaft das Leben gestalten, konsumieren, fühlen, verschönern und parfümieren wird. Trends sind keine Modeerscheinun­gen oder vorübergehende Ideen, sie sind in der Gesellschaft verwurzelt und langfristige Phänomene. Das ist es, was wir täglich studieren, und sobald eine Idee eine kritische Masse erreicht (die im Laufe der Zeit an mehreren Stellen auftaucht), wissen wir, dass sie zu einem einflussreichen Trend werden wird. Disruptoren kommen nicht so oft, aber wenn sie einmal da sind, gibt es oft kein Zurück mehr!

Können Sie schon etwas über die Trends für Herbst/Winter 2023/24 verraten?

Philip Fimmano: Wir haben untersucht, wie zentrale Trends von den frühesten Zeiten bis in die späteste Zukunft „ausgegraben“ werden. Sie wecken ein Gefühl der Ehrfurcht vor der menschlichen Fähigkeit, sich selbst zu erschaffen, bis hin zu der Art und Weise, wie Menschen ihre eigene Realität erfinden. Die Menschheit hat es geschafft, Pigmente, Materialien, Metalle, Werkzeuge, Textilien, Rezepte und Kultur zu erfinden. Aktuell werden neue Farbquellen entdeckt, Materialien recycelt, neue Fasern gewebt und außergewöhnliche Lebensmittel entworfen. Wir schreiben, formen, malen, fotografieren und tanzen. Menschen sind genial, und es ist gut, sich in schrecklich unruhigen Zeiten daran zu erinnern, wenn Aggression und Separatismus, Fahrlässigkeit und Rassismus sowie unverhohlener Patriotismus Gefahr laufen, die Oberhand zu gewinnen. Indem wir versuchen, den primitiven Men­schen zu verstehen, unseren grundlegenden Überlebensinstinkt gegenüber den barbarischen Praktiken von heute zu verstehen, hilft uns dies. Durch unsere Fähigkeit zur Erfindung und Improvisation bleiben wir verbunden. Wenn Menschen schon immer so einfallsreich waren, können wir doch nicht so schlecht sein?

Gibt es eine Signatur für die Vorge­hensweise der Trend Union? Was un­terscheidet Ihre Arbeit?

Philip Fimmano: Die Arbeit der Trend Union ist einprägsam, weil sie auf soziokulturelle Weise über Trends spricht und hochästhetische Bilder als Metaphern für die Zukunft verwendet. Indem man zwei vorhandene Bilder miteinander verbindet, kann man einen Eindruck von der Zukunft hervorrufen – sei es eine Farbe, ein Stoff oder ein Duft. Tausende von Referenzen werden über einen Zeitraum von sechs Monaten bearbeitet. Unsere Arbeit spricht die Kreativität, die Sinne und die Menschlichkeit der Menschen an, sie wird nicht durch kommerziellen Druck korrumpiert. Wir gehen sehr präzise und verantwortungsbewusst vor. Manchmal beinhaltet unsere Arbeit auch Musik – als zusätzliches emotionales Erlebnis.

Welchen langfristigen Trend sehen Sie für dieses Jahrzehnt? Gibt es Hoff­nung? Und wird sich diese Zeit in zu­künftigen Trends widerspiegeln?

Philip Fimmano: Absolut! Wir glauben an Design aus Hoffnung statt aus Angst und deshalb haben Li Edelkoort und ich mit dem „World Hope Forum“ begonnen, einem kostenlosen monatlichen Treffen, das Kreative, Philosophen und Aktivisten zusammenbringt, die Zukunft neu gestalten wollen, indem sie Veränderungen anstoßen. Das „World Hope Forum“ hat den Klimawandel auf der Agenda und fördert die Fürsorge füreinander und für den Pla­neten gleichermaßen. Jeden Monat bitten wir einen Kurator aus einem anderen Land, inspirierende lokale Führungskräfte auszuwählen, die anregende, inspirierende Erfahrungen weiter­geben. Auf der Instagram-Seite @worldhopeforum können die Leser der INSIDE beauty mehr erfahren oder sie können sich über unseren YouTube- Kanal informieren. Hoffnung und ästhetischer Aktivismus sind langfristige Ideen, die Trends und die Kreativbranche beein­flussen werden. Gemeinsam werden wir die Renaissance der Gesellschaft neu aufbauen.

Lassen Sie uns über Schön­heit sprechen– welches sind die wichtigsten Trends von morgen? Können Sie Bei­spiele nennen?

Philip Fimmano: Einer der überraschendsten Effekte der Pandemie war die Exposition von viel Haut im Sommer, was möglicherweise eine selbstbewusstere jüngere Generation widerspiegelt. Das geht einher mit natürlichem Make-up, lässigen Frisuren und einer Hautpflege, die mit einem gesünderen Lebensstil korreliert.

Auf der anderen Seite steht Farbe für den dringend benötigten Optimismus. Düfte waren in den letzten Jahren ziemlich opulent und berauschend, und während das bei Nischenmarken so bleiben wird, denke ich, dass wir bereit sind für die Neuentwicklung ultra-leichter Düfte.

Was möchten Sie den INSIDE beauty Lesern noch mitteilen?

Philip Fimmano: Schönheit heute zeigt sich auch in der Faszination für kreativen Schmuck, der organisch und übergroß oder unglaublich fein ist. Diese Extreme kennzeichnen auch die neue freidenkende Generation. Die Art und Weise, wie Accessoires den Körper berühren, ist auch eine interessante Korrelation zu zeitgenössischen Düften – intim, natürlich und sinnlich.
Ulrich Lang

Ulrich Lang schaut mit verschränkten Armen in die Kamera

Ulrich Lang berichtet in jeder Ausgabe von INSIDE beauty aus New York, wo er lebt und arbeitet. Mit dem Trend- Analysten Philip Fimmano, der in Paris lebt, blickte er per Video-Call in die Zukunft. www.ulrichlangnewyork.com

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