Kreativer Tausendsassa
Schon früh entdeckte Mark Buxton seine Passion für Duft. Die Teilnahme bei „Wetten dass ..?“ brachte den Stein ins Rollen: Ein Riechstoffhersteller wurde auf sein Talent aufmerksam. Der umtriebige Engländer lebt und arbeitet in Paris.
Der große, hagere Mann mit prägnantem Hut ist ein pfiffiger Freidenker, ein Kumpeltyp von nebenan. Man kommt schnell mit ihm ins Gespräch. Er ist klar und direkt, diskussionsfreudig und meinungsstark. Die Biografie skizziert einen umtriebigen Tausendsassa. Seine Düfte sind laut, exzentrisch, mitunter abgefahren und garantiert gut für olfaktorische Abenteurer.
Mark Buxton wurde 1963 in Derby, England, geboren. 1970 zog er mit der Familie um und wuchs in Weeze am Niederrhein auf. Während seiner Ausbildung lernte er seine Frau Karoline kennen, Parfümeurin bei Symrise. Gemeinsam mit ihr kreierte er verschiedene Linari-Düfte. Die beiden feiern in diesem Jahr Silberhochzeit, haben zwei Söhne: Elvis, 20, und Miles, 18.
Die Passion für Düfte entstand früh. Sein Vater schenkte der Mutter zu Weihnachten Chanel No.5. Der Flakon auf dem Badezimmerschrank war für den Fünfjährigen unerreichbar. „Eines Tages nahm ich einen Stuhl, griff danach und wollte riechen. Die Flasche rutschte aus meiner Hand, zerbrach im Waschbecken in 1000 Stücke. Das Badezimmer roch jahrelang.“ Doch zunächst studierte er Geowissenschaften in Göttingen. Mit einem Freund reichte er bei Wetten dass ..? eine Wette ein: Wir erriechen alle Parfums.
Außergewöhnliches Talent
Die beiden wurden eingeladen. Die Wette im Dezember 1984 ging zwar verloren, doch Haarmann & Reimer (heute Symrise) meldete sich umgehend. Buxton nahm an olfaktorischen Tests teil. Ein Ausbildungsplatz in der internen Parfümeursschule war frei – er überlegte nicht lange. Die intensive Ausbildung dauerte fünf Jahre: Rohstoffe riechen, Akkorde komponieren, Trendsetter nachbauen. „Mir ist gleich aufgefallen, dass ich ein sehr gutes olfaktorisches Gedächtnis habe. Ein-, zweimal die Sachen gerochen – und registriert.“ Nach drei Jahren wird er Juniorparfümeur. Erste Erfolge für Marken wie Salvador Dali, Jacomo und Charles Jourdan stellen sich ein. Noch während der Ausbildung geht er für ein Projekt in die französische Hauptstadt – und verliebt sich in die Metropole an der Seine.
Seit 31 Jahren ist Paris nun seine Wahlheimat. „Ein wichtiger Schritt in meiner Karriere war der erste Duft für Comme de Garçons 1997. Die Konkurrenz war groß, doch wir haben gewonnen.“ Buxton freundet sich mit dem Team an, kreiert im Zeitverlauf acht Düfte für das Label. „Das war wichtig für meine Karriere. Es hieß: ein Engländer in Paris. Ein Underground-Parfümeur, der vieles anders sieht. Mir wurde bewusst: Parfümerie kann anders sein, wenn Kreativität freien Lauf hat.“
Nichts aus der Schublade Wie kreiert die umtriebige Nase? Mit Mark Buxton Perfumes (MBP) ist er in der Nische tätig. Seit fünf Jahren arbeitet er mit Nachwuchsparfümeur David Chieze (31). Den Chemieabsolvent lernte Buxton über Bertrand Duchaufour kennen und bildete ihn aus. Wie die Zusammenarbeit abläuft? MBP wird beauftragt, beide reichen Muster ein. Der Kunde entscheidet, mit welchem Entwurf gearbeitet wird. „Wir fangen stets bei Null an, arbeiten maßgeschneidert. Wir haben keine Library, nichts aus der Schublade.“ Bei Neukunden wird abgeschätzt, wie kreativ es sein darf; bei bestehenden Kunden kennen die Parfümeure Optionen und Wünsche. „Nische sollte für Neues stehen: Wir sind Trendsetter, wir sind vorneweg – ob neue Akkorde, Chemicals, Naturprodukte oder Überdosierungen.“ Wodurch ist Neues machbar? „Wir arbeiten mit ausgefallenen Rohstoffen. Durch unseren Partner PCW (Grasse) kommen wir an abgefahrene Sachen: echtes Ambergris, Champaca, verschiedene Iris-Qualitäten – wir sind gut bestückt.“ Zu seinen Favoriten zählen „Vetiver, Rosenöl, Jasmin, Iris – alles, was Natur ist, aber auch wunderschöne synthetische Produkte wie Ambroxid, Iso-E-Gamma, synthetische Holzriechstoffe.“
Rohstoffe fordern ihn immer wieder heraus, alle sind eigen. „ Patschuli ist nicht gleich Patschuli. Es kommt darauf an, wie man seinen Duft von Anfang an strukturiert.“ Auch wenn er auf Reisen Inspirationen sammelt, Paris empfindet er nach wie vor als eine der schönsten Städte der Welt: „Ein Melting Pot. Ich bin in Straßencafes, beobachte Menschen und rieche: Was trägt man? Das ist von Viertel zu Viertel anders.“ Seine olfaktorische Handschrift beschreibt der Parfümeur als „laut, etwas schreiend, sehr direkt“. Seine Philosophie: „Ich arbeite mit sehr kurzen Rezepturen, 20 Ingredienzien durchschnittlich. Ein Rezept ist schlank, jeder Stoff hat eine Bedeutung. In der Kürze liegt die Würze – die DNA eines Parfums hat drei, vier Hauptbestandteile.“ Nicht zuletzt bei seiner Marke wird die Handschrift deutlich.

Mit Mark Buxton Perfumes widmet er sich seit zehn Jahren Artistik- und Konzeptdüften und arbeitet für verschiedene Labels. „Meine eigene Serie ist eine Reise durch meine Karriere, jeder Duft das olfaktorische Bild einer Situation, Szene, Person. Wood & Absinth ist seine Erinnerung an Korsika, der Übergang von der Hitze des Tages zum Anbruch der Nacht.“
Blick nach vorne
„Der Nischenmarkt ist spannend, doch übersättigt. Wir müssen nach vorne schauen und stets versuchen, Neues zu bringen.“ Qualität stehe vor Quantität. „Der Vorteil in der Nische ist, dass man kreative Freiheit hat. Qualität spielt eine große Rolle in der Nische.“
Doch nur Präsentieren reiche nicht aus. „Nische zu verkaufen ist nicht einfach. Man braucht die richtige Story, muss es spannend rüberbringen können.“
Worauf dürfen Duftbegeisterte gespannt sein? „Auf der Esxence in Mailand lanciere ich zusamme mit David eine neue Serie: Vier Parfums, ein ganz anderes Konzept und Design.“ Und ergänzt: „Was uns bei MBP interessiert, ist die Konzeptentwicklung.“ Sein Titel dafür: Identity-Düfte. MBP hat auch bereits für Museen und Filme Düfte kreiert, aber auch für Hotels wie das Badrutt’s Palace Hotel in St. Moritz, das Tortue in Hamburg oder das Omnia in Gstaad. „Die Frage lautet: Was haben wir für eine Signatur, wie könnte diese Identität riechen? So entsteht Innovatives.“ Buxton ist sicher: „Wir werden immer nach vorne gucken und versuchen, was Spannendes, Neues, Kreatives in die Flasche zu bringen.“
Der Beitrag ist erschienen in der INSIDE beauty 1/2020

Als Kenner des internationalen Duft- und Kosmetikmarkts hat sich Dr. Bodo Kubartz einen Namen gemacht. Er berät Unternehmen und organisiert Branchenveranstaltungen.
www.passion-and-consulting.de






