Es ist kurz nach 9 Uhr morgens. Das blau-weiße Schiff leert sich langsam. Am Ostseekai in Kiel hat die Mein Schiff 6 festgemacht. Das neueste Flottenmitglied hat Platz für 2534 Passagiere – und die gehen gerade ein wenig wehmütig von Bord. Ihr Urlaub auf dem Wellnessschiff ist vorbei, die Kabinen müssen frei gemacht werden für die nächsten Gäste. Die stehen bereits Schlange am Check-in im Kreuzfahrtterminal. Nur wenige Stunden Zeit bleiben der Crew an diesem sogenannten Wechseltag, um sich auf die neuen Gäste vorzubereiten. Das gilt für alle auf dem schmucken Schiff, auch für die 33 Mitarbeiter, die im Bereich ,,Spa & Meer“ arbeiten.

Kein Sport? Nicht auf der Mein Schiff

Etwa 1800 Quadratmeter umfassen das Spa- und Fitnessareal auf der Mein Schiff 6. In insgesamt 17 Anwendungs-Räumen können Gäste sich unter anderem Massagen von Kopf bis Fuß, Ayurveda, Shiatsu, Rasul- sowie Anti-Aging- und Wellnessbehandlungen auswählen. Die exklusiven Marken an Bord sind Babor Cosmetics aus Aachen und Hyapur aus Bundeshauptstadt Berlin.

Außerdem können es sich die Passagiere unter anderem in der finnischen Sauna, in der Bio- sowie Lichtsauna mit einmaligem Panorama auf das Meer und auf den Wärmeliegen bequem machen. Ganz neu im Angebot: ein Klangschalen-Aufguss. Im Fitness-Bereich stehen Sportgeräte der neuesten Generation auf rund 300 Quadratmetern zur Verfügung. Aber das ist längst nicht alles, erfahre ich von Martina Schumann, Director Spa & Sport Services. Sie ist mit mir aufs Schiff gekommen, um nach dem Rechten zu schauen und mir alles zu zeigen. Martina Schumann kümmert sich bei der Firma Sea Chefs Cruises unter anderem um das Angebot im Spa und um die Mitarbeiter auf der Mein-Schiff-Flotte. „Wir probieren immer wieder Neues aus und lassen auch die Gäste mitentscheiden. Das TRX Personal Training sowie die Gruppenkurse laufen so gut, dass sich unsere Besucher diese TRX-Bänder für zu Hause mitnehmen können.“ Wiederum sei die Idee, Yoga-Online-Kurse anzubieten, nach einer viermonatigen Testphase wieder eingestellt worden. „Die Gäste möchten doch lieber ein Face-to-Face-Training. Trotzdem sind etwa zehn Yoga-Videos in der Kabine über den TV abzurufen“, sagt Martina Schumann. Wer nicht aufs Joggen verzichten will: Im Freien wurde eine Joggingrunde über 280 Meter angelegt, dazu ein Trimm-Dich-Pfad mit acht Geräten.

Sturmsichere Blumenvasen

An Wechseltagen sind zwar an Bord keine Massagen buchbar. Aber die Spa-Mitarbeiter haben trotzdem alle Hände voll zu tun. Es müssen Handwerker koordiniert werden, die die Sauna reparieren, die Einteilung für die nächste Fahrt besprochen, die Auflistung der Verkaufsprodukte gecheckt, der Kursplan im Fitnessareal aktualisiert werden.

Janine Moehle ist in einem der Behandlungsräume unterwegs. Zeit, die grandiose Aussicht aus den bodentiefen Fenstern auf den Kieler Hafen zu genießen, hat sie nicht. Nach einem genauen Ablaufplan richtet die Kosmetikerin aus Namibia jeden Morgen die Räume her, schaut, ob genügend Kabinenware in den Schränken ist und überprüft die Funktionstüchtigkeit der Geräte. Heute, hier im Hafen, ist sie etwas später dran. ,,Normalerweise starte ich bereits um 7.45 Uhr, damit um neun Uhr, wenn wir mit den Behandlungen beginnen, alles gerichtet ist.“

Wer genauer hinschaut sieht, dass die Liegen, Tische und Geräte rutschfest im Boden mit speziellen Vorrichtungen verankert sind. ,,Nicht immer geht es so ruhig zu wie jetzt im Hafen“, sagt die Kosmetikerin. Abends nach Dienstschluss bekommen sie genaue Wetterinformationen vom Kapitän, um alles, was bei stürmischer See durch die Gegend fallen oder rollen kann, gegebenenfalls festzuzurren.

Jeder Gegenstand hat seinen genauen Platz. Selbst die kleinen Blumenvasen werden abends vorsichtig in das Waschbecken platziert, das vorher mit einem Handtuch ausgelegt wird. Apropos Handtücher. Deren Wechsel sei eine logistische Meisterleistung, erklärt mir Janine Moehle. Mal eben in die Bordwäscherei spazieren, das gehe nicht. Wie alle anderen Abteilungen auf dem Schiff auch, bekommt das Spa-Team einen bestimmten Slot, also ein genaues Zeitfenster zugewiesen, wann sie ihre Wäsche bringen und holen dürfen. Es ist wirklich jedes Detail auf der Mein Schiff geregelt.

Auf ein Neues

Es ist 13 Uhr. So langsam füllt sich das Schiff mit den neuen Gästen. Da die Kabinen noch nicht freigegeben sind, ordern die Neuankömmlinge in den Restaurants das Mittagessen und testen die Sonnenliegen an Deck. Als die ersten von ihnen in Richtung ,,Spa & Meer“ schlendern, ist dort alles längst vorbereitet. Die Behandlungskabinen sind hergerichtet, die Regale aufgefüllt, der Dienstplan ist geschrieben …

Jetzt ist alle Aufmerksamkeit auf die neuen Gäste gerichtet. Wer mag, kann sich bei einem Rundgang die Kabinen zeigen und die verschiedenen Behandlungen erläutern lassen. Im Handumdrehen werden die Termine im Spa ausgebucht sein, vor allem an den Seetagen. ,,Also alles wie immer“, meint Martina Schumann zufrieden, bevor sie mit mir wieder von Bord geht.

www.tuicruises.de

Lesetipp: Wladimir Kaminer „Kreuzfahrer“

Die Kreuzfahrer von Wladimir Kaminer

Ein Kreuzfahrtschiff ist eine ganz eigene Welt. Der Reisende betritt eine schwimmende Oase des Glücks mit Bar, Tanzabenden und dem reibungslosen Übergang von einer Mahlzeit in die nächste. Und natürlich mit jeder Menge neuer Bekanntschaften. Aber auch an Land gibt es viel zu entdecken: von Putin-Schokolade in St. Petersburg, über falsche Götter auf der Akropolis bis zu verrückten karibischen Taxifahrern. Und wer könnte schöner davon erzählen als Wladimir Kaminer, Kreuzfahrer aus Leidenschaft?

Gebundenes Buch, Halbleinen, 224 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-336-54798-2
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Wunderraum

 

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20.9. Stadttheater,  08371 Glauchau

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