Meister der Düfte: Rosendo Mateu

Grandseigneur mit Weitblick

Der Spanier Rosendo Mateu gilt als einer der besten Parfümeure der Welt, was er auch mit den olfaktorischen Meisterwerken seines eigenen Labels unter Beweis stellt. Und er hat noch viel vor.

Arenys de Mar, ein katalanischer Fischerort nordöstlich von Barcelona, ist die Heimat von Rosendo Mateu. 1945 wird er dort geboren. Frühe Vorlieben wie Fischen und Fahrrad fahren skizzieren die Orts- und Naturverbundenheit des Spaniers. Noch heute strahlt der groß gewachsene Mann mit weißem Haar eine ruhige Ausgeglichenheit aus. Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit aber auch Perfektion, Stil und Eleganz kennzeichnen sein Wesen und sein Tun.

Spanische Duftkultur
Nach dem Abitur beginnt Mateu mit dem Studium der chemischen Verfahrenstechnik. Er startet bei Puig, arbeitet zunächst im Labor (chemische Analysen und Qualitätskontrolle), wenig später in der kosmetischen Forschung. Dort macht sich sein Faible für Parfums bemerkbar. Sein Interesse und Wissensdurst werden wahrgenommen: „Ich wurde ausgewählt, mit der Ausbildung zum Parfümeur zu beginnen. Was für eine Ehre!“ Mateu ist ein Beispiel dafür, wie die Ausbildung der Nasen seinerzeit organisiert war: Im Rahmen kurzer Aufenthalte an verschiedenen Standorten wurde gemeinsam mit erfahrenen Meistern studiert. So erlernten Studierende diverse Herangehensweisen an die Kreationskunst; Kniffe, Tricks und Ideen wurden im direkten Austausch nahegebracht. Die Ausbildung dauert fünf Jahre. Vom spanischen Unternehmen Lucta, heute multinationaler Dufthersteller, wechselt Mateu ins Ausland: Im französischen Grasse lernt er 1968/69 bei Marcel Carles, Sohn des namhaften Jean Carles. „Hier entdeckte ich die wichtigsten natürlichen und synthetischen Zutaten sowie die Herausforderungen in ihrer Komposition.“ Erster Achtungserfolg noch in dieser Frühphase der Ausbildung: Der Klassiker Agua Brava von Puig, 1968. Bei Firmenich arbeitet er beim großen Meister Arturo Jordi-Pey, Kreateur von Tabac Original, später mit Lucien Ferrero. In der Arbeit mit anderen Parfümeuren sieht er einen besonderen Wert: „Dieser Austausch hat meine eigene Arbeit entscheidend beeinflusst. Gemeinsam konnten wir experimentieren was Ideen, Inhalte und Kreationsstile anbelangt.“ Mehr und mehr bringen gemeinsame Projekte die eigene Handschrift zutage. So folgen viele Jahre in der Parfumkreation für Puig, wo er Verkaufshits schafft und Spezialitäten kreiert. Für seine herausragende Arbeit wird er 2010 geadelt und mit dem Ehrentitel „Maître Parfumeur“ ausgezeichnet. Welche Noten bevorzugt der Maestro? „Ich arbeite gern mit Lavendel, Sandelholz, mit floralen Anteilen sowie mit Moschus-
noten.“ Seinen Stil beschreibt er so: „Ich versuche, in meinen Kreationen einfache Akkorde und Inhaltsstoffe einzusetzen, die eine konzeptionelle Idee vermitteln und der Trägerin gefallen – vom ersten Sprühstoß bis zum letzten Akkord. Eine eindrucksvolle Duftpräsenz auf der Haut spielt dabei eine besondere Rolle.“ Zu seinen Hobbies zählen heute die Malerei sowie das Sammeln von Parfumflakons und -miniaturen. Doch Mateu kann von seinen kreativen Tätigkeiten auch gut eine Auszeit nehmen: „Im Sommer reise ich gerne nach Italien in die Toskana.“ Die Liebe zum Mittelmeer prägt ihn, und er genießt das mediterrane Leben sehr.

Sechs Düfte umfasst die erste Duft-Kollektion von Rosendo Mateu. Die Aufmachung der Flakons ist elegant und stilvoll. Bestseller ist der würzig orientalische Duft No. 5

Mit Mut und Klasse
Nach der Arbeit für große internationale Marken widmet Mateu sich ehrgeizig Projekten, bei denen er maßgeschneiderte Parfums entwickelt. Dazu gründet er gemeinsam mit Sohn Joan (42), seiner rechten Hand, PRFM Barcelona und widmet sich Aufträgen aus der ganzen Welt. Mit ihrem Label Rosendo Mateu (Vertrieb über Delvendahl Distributions) konzipieren Vater und Sohn seit 2015 olfaktorische Impressionen aus Barcelona. „In den letzten Jahren ist die Nische voll erblüht. Weniger Fokus auf Marketing, mehr auf Inhalt. Das Publikum der wertschätzenden und wissenden Endverbraucher, die begeistert werden möchten, wächst“, so seine Einschätzung. Diese Rahmenbedingungen haben die Vorzeichen für seine Kreationen verändert: „Ich liebe es, mich frei ausdrücken zu können, ohne Kosten-einschränkungen bei den Inhaltsstoffen. Mein Schwerpunkt der Arbeit ist die Entwicklung von Parfums und Extraits.“
Edel und stilvoll, doch gleichsam dezent und unaufdringlich wirken die Flakons seiner Kollektion. Auf den Labels stehen nur die jeweilige Ziffer und die Top-Duftnoten. 2019 lanciert das Familien-Duo eine zweite Linie: Die Parfums der hochwertigen „Black Collection“ – Sweet Rose, Incense Wood und Fresh Oud – betören mit einem Duftanteil von mehr als 25 Prozent. „Aktuell arbeiten wir an einem ganz besonderen Patchouli-Duft.“

Die Ansprüche steigen
Wie entwickelt sich der Markt aus Sicht des katalanischen Parfümeurs? „Es gibt mittlerweile hochspezialisierte Verkaufsstellen mit sehr exklusiven, außergewöhnlichen Parfums. Viele Kundinnen sind heute sehr anspruchsvoll und informieren sich ständig über das, was im Nischenbereich passiert. Sie möchten etwas anderes als alle anderen tragen.“ Und er hat festgestellt: „Der Kunde möchte wahrgenommen und verstanden werden. Dieser äußerst anspruchsvollen Kundschaft sollte auf Augenhöhe begegnet werden.“ Man dürfe den Kunden nicht enttäuschen. Rosendo Mateu ist überzeugt, dass erstklassige Produkte, verbunden mit herausragendem Service zu den Gewinnern zählen. Eine besondere Rolle sieht er auch bei den Kreativen. „Manche Parfümeure sind nicht nur in der Kreation und Herstellung die Experten – sondern auch im Verkauf und der Kommunikation. Sie können die Branche dabei unterstützen, die Wertigkeit des Parfums zu betonen und den Verkauf anzukurbeln.“ Auf die künftigen Impulse und Lancierungen aus Katalonien darf man gespannt sein.


Der Beitrag ist erschienen in Ausgabe 3/2021 der INSIDE beauty

Als Kenner des internationalen Duft- und Kosmetikmarkts hat sich Dr. Bodo Kubartz einen Namen gemacht. Er berät Unternehmen und organisiert Branchenveranstaltungen.
www.passion-and-consulting.de

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