Dr. Christina Berndt ist promovierte Biochemikerin, preisgekrönte Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung und Autorin mehrerer Bestseller. Über ihr Schwerpunktthema Resilienz hält sie beim FORUM SPA inside vom 29. bis 30. Juni 2026 auf der Luisenhöhe – Gesundheitsresort Schwarzwald einen inspirierenden Vortrag.

Frau Dr. Berndt, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Resilienz. Wie kamen Sie dazu?
Im Zusammenhang mit der Kindererziehung. Ich habe mich damals gefragt: Wie macht man Kinder stark fürs Leben? Kann man etwas tun, das über die normale elterliche Fürsorge hinausgeht? So kam ich auf das Thema Resilienz, und es hat mich seither immer wieder fasziniert. Ich beschäftige mich jetzt schon 20 Jahre damit und merke, dass es mir einfach selbst guttut. Man kann so viel Kraft schöpfen aus den Techniken, die damit verbunden sind, und es geht einem so viel besser. Das ist einfach ein wunderbares Thema.
Welche Techniken sind damit gemeint?
Es gibt verschiedene. Das Leben bringt Krisen, Herausforderungen und Stress mit sich. Die Frage ist immer: Wie gehe ich damit um? Resilienz bedeutet, den Weg aus einer Krise zu finden, ohne psychisch krank zu werden oder allzu sehr zu leiden. Dazu gehört positives Denken, das sehr oft missverstanden wird. Einfach gesprochen geht es darum, den Blick trotz der Schwierigkeiten, die man hat, auch auf die guten Dinge im Leben zu lenken. Dazu gehört auch, sein Temperament beim Katastrophisieren ein bisschen auszubremsen. Wenn etwas Schlimmes passiert ist, muss man nicht denken, dass dies in der Katastrophe endet. Vielmehr kann man sich fragen: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Wie schlimm kann es wirklich werden? Und was könnte ich dann tun? Oder: Wie schaue ich in fünf Stunden, fünf Tagen oder fünf Wochen auf dieses Problem? Dabei merkt man, dass manche Dinge sich schnell wieder auflösen. Dass sie handhabbar sind. Und dass man sich darüber nicht so sehr aufregen muss.
Es gibt aber auch Toxic positivity. Alles schönzureden ist nicht unbedingt förderlich.
Positives Denken wird oft falsch verstanden. Es geht keinesfalls darum, die Welt immer rosa zu tünchen. Man muss sich nicht zwingen, alles positiv zu sehen. Und auch nicht an jeder Krise wachsen oder ein besserer Mensch werden. Das ist Quatsch. Manche Dinge braucht kein Mensch, da ist einfach nichts Positives dran zu finden. Es geht vielmehr um eine Chance. Um die Frage an sich selbst: Kann ich das vielleicht auch anders sehen? Kann ich diesem Unglück, diesem Missgeschick, das mir gerade passiert ist, vielleicht auch etwas Positives abgewinnen? Eine Kündigung zum Beispiel ist ja wirklich ein Angriff auf unsere psychische Gesundheit. Aber womöglich entwickelt sich daraus auch etwas Positives – weil ich den Job eh nicht gern gemacht habe oder jetzt die Chance habe, mich noch mal neu aufzustellen. Man kann also selbst in solchen Einschlägen im Leben noch was Positives sehen, ohne sich selbst zu belügen. Das gilt auch bei kleinen Alltagsdingen: Wenn mir beim Verlassen des Hauses einfällt, dass ich mein Handy in der Wohnung habe liegenlassen, kann ich mich drüber ärgern, dass ich nochmal umkehren muss. Ich kann mir aber auch sagen: Gut, dass mir das jetzt eingefallen ist und nicht erst, wenn ich der U-Bahn mein digitales Ticket nicht vorzeigen kann. Man kann Dinge einfach mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Unabhängig von persönlichen Missgeschicken leben wir aktuell in schwierigen Zeiten. Kann man die Techniken, die Sie gerade geschildert haben, auch bei übergeordneten Problemen anwenden?
Absolut. Ich verstehe, dass das momentan schwerfällt. Auch mich belastet das aktuelle Weltgeschehen. Der Klimawandel und die Kriege bereiten einfach Sorgen. Es geht bei Resilienz und positivem Denken nicht darum, dass man das völlig negiert. Trotzdem helfen diese Techniken auch bei den wirklich großen Themen im Leben, weil man sich trotz aller Krisen, trotz aller schlimmen Dinge auf das besinnen kann, was dennoch an Schönem passiert. Trotz der weltpolitischen Lage habe ich in meinem Leben ja immer noch Grund zur Freude, Grund zum Lachen, kleine Erfolge. Und es ist wichtig, dass ich darauf meinen Geist fokussiere, statt mich in Gedanken nur mit dem Schrecklichen zu beschäftigen. Dass ich ganz bewusst sehe, wie schön die Bäume gerade blühen, und mich daran erfreue. Genauso wie an einem kleinen beruflichen Erfolg, oder der Anerkennung, die ich von anderen bekomme. Das beruhigt meinen Geist, gibt mir Zuversicht und hilft, gesund durch die großen Krisen dieser Zeit zu kommen.
Man könnte diese Techniken also auch auf andere Lebensbereiche oder auch bestimmte Branchen übertragen?
Ja, sie sind allgemeingültig und man weiß das seit vielen Jahrzehnten. Ursprünglich drehte sich Resilienzforschung um Kinder und wie sie in einem schwierigen Umfeld gesund groß werden können. Heute weiß man, dass diese Techniken, diese Denkweise jedem und überall helfen – Menschen mit einer schweren Erkrankung, mit Jobproblemen, akutem Stress oder Trennungsschmerz. Resilienzstrategien helfen grundsätzlich. Auch bei wirtschaftlichen Sorgen. Es ist verständlich, sich jetzt Sorgen zu machen. Aber wenn man zurückschaut sieht man, dass es immer wieder Krisen gegeben hat, die auch Branchen wie etwa die Hotellerie getroffen haben. Und man hat sie bewältigt. Klar kann es sein, dass es eine Delle gibt, aber es wird auch wieder bergauf gehen.
Aber es fällt einem nicht in den Schoß, man muss schon daran arbeiten …
Ja, das sollte man tatsächlich üben. Ich bin die letzte, die Leute zur Selbstoptimierung treiben oder ihnen was aufzwingen will. Aber wenn man das Gefühl hat zu leiden, Sorgen zu haben oder die Dinge zu schwer zu nehmen, dann sind diese Techniken eine tolle Chance. Es braucht ein bisschen Energie, aber letztlich gar nicht so viel. Wenn man nur sechs Wochen lang trainiert, das Positive im eigenen Leben wahrzunehmen, dann mindert es erwiesenermaßen depressive Symptome. Insofern lohnt es sich. Und der Aufwand ist wirklich nicht groß.
Als Hoteldirektor oder Spa-Manager hat man ein Team. Wie kann man seinen Mitarbeitern Ruhe und Gelassenheit vermitteln, auch in schwierigen Zeiten?
Führungskräfte sind ein nicht zu unterschätzender Faktor beim Thema Resilienz am Arbeitsplatz. Wenn einem das bewusst ist, kann man als Hoteldirektor oder Spa-Manager sehr positiv wirken. Ganz wichtig ist, dass Resilienzkultur vorgelebt wird und die Führungskraft Dinge zur Sprache bringt. Etwa auch mal ehrlich sagt: Wir haben gerade Schwierigkeiten und mir geht‘s damit auch nicht so gut. Und gleichzeitig Lösungswege beschreitet. Man sollte seine Leute mitnehmen, ehrlich sein und Sorgen offen ansprechen. Auch die Ressourcen einer Führungskraft sind begrenzt. Spielen Sie Ihrem Team nicht vor, dass Sie der Ritter in der Rüstung sind, der alles schafft und dem nichts etwas ausmacht! Fragen stellen und über Probleme sprechen zu dürfen macht vieles schon besser. Die Mitarbeiter sollten mitsprechen können. Natürlich können sie nicht über das Schicksal des Hotels entscheiden. Aber wenn sie auch nur kleine Entscheidungsoptionen haben, etwa, wie sie ihre Arbeit ausführen, Ideen einbringen können und das Gefühl haben, danach gefragt zu werden, auch wenn nicht alles umgesetzt wird, dann ist das ist ein ganz starker Resilienzfaktor – Stichwort Selbstwirksamkeit.
Wie können Wellnesshotels das Thema Resilienz an ihre Gäste weitergeben?
Angebote wie Achtsamkeitskurse, Yoga, Meditation oder auch mal ein Vortrag zum Thema können den Aufenthalt durchaus bereichern.
Was dürfen die Teilnehmer des FORUM SPA inside noch von Ihrem Vortrag erwarten?
Ich werde auch auf den Zusammenhang von Resilienz und körperlicher Gesundheit eingehen, das ist total faszinierend! Menschen, die Resilienztechniken anwenden und positiv in die Welt blicken, erkranken weniger leicht, können besser mit Erkrankungen umgehen und werden sehr viel schneller gesund. Menschen mit guter Resilienz haben bei einer Krankheit auch weniger Schmerzen als Leute, denen nicht so viel Resilienz mitgegeben ist.
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