Die 40-jährige Braunschweigerin ist ein kreatives Multitalent: Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin, Synchron- und Hörspielsprecherin. Man kennt sie als Kommissarin Alexandra Luschke im Brandenburger „Polizeiruf 110“ sowie als Gendarmin Nevou an der Seite von Kommissar Dupin in der Bretagne. Als selbstbewusste Plus-Size-Frau spielt sie gegen Vorurteile und Rollenzuweisungen an.

Frau Flake, Sie sind Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin, Moderatorin – welches Talent schlummert noch in Ihnen?
Wenn ich das mal wüsste … Ich wünsche mir auf jeden Fall zehn Leben, damit ich alles mal ausprobieren kann, was vielleicht noch in mir steckt. Wo ich, glaube ich, noch ein Talent habe, ist beim Austüfteln von Ordnungssystemen in der Wohnung. Ich könnte mich Stunden mit der Auswahl der richtigen Regale, Boxen, Ordner und Labeldrucker beschäftigen.

Hatten Sie schon immer den Wunsch auf der Bühne zu stehen?
Nicht wirklich. Die Bühne war halt immer da: Dadurch, dass mein Vater eine Theater- und Kleinkunstbühne geleitet hat, war es zwar ein magischer Ort, aber eben auch ein recht alltäglicher. Dass ich das mal beruflich machen würde, konnte ich mir nie vorstellen. Und trotzdem bin ich sehr froh, dass ich diesen Ort, an dem alles möglich ist, an dem man immer jemand anderes ist, an dem es keinen Alltag gibt, in meinem Leben immer habe und hatte!

Seit 2021 spielt Gisa Flake im deutsch-polnischen „Polizeiruf 110“ aus Swiecko (polnischer Grenzort) an der Seite von Klaudiusz Kaufmann (li.) und André Kaczmarczyk (Mitte) die Rolle der Alexandra Luschke: eine bodenständige und respektierte Kommissarin mit ausgeprägten Sinn für Kultur und Liebe zu ihrer Heimatstadt Cottbus (Foto: rbb/Oliver Feist)

Im „Polizeiruf 110“ spielen Sie eine Kommissarin, im Dupin-Krimi eine Polizistin. Lieben Sie Krimis?
Privat bin ich nicht auf ein Genre festgelegt. Dass ich momentan so präsent im Krimi sein darf, liegt unter anderem auch an der schieren Masse an Krimis im deutschen Fernsehen. Was ich sehr schätze, ist, dass man über mehrere Filme hinweg eine Figur besser kennenlernt und trotzdem in immer andere Welten eintauchen kann. Das ist der Reiz des Krimis. Ich möchte zwar nicht zum tausendsten Mal in einem Verhör sitzen und fragen: „Wo waren Sie zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens?“. Aber es gibt bestimmt Wege, Krimis spannend zu erzählen. Den Ehrgeiz habe ich.

Sie haben einmal gesagt, Sie wären lange auf die Rolle der „lustigen Wuchtbrumme“ abonniert gewesen? Wie hat sich das geändert?
Nicht nur die „lustige Wuchtbrumme“, auch die Verliererin. Wer eine größere Kleidergröße hat, wird immer noch – im Film wie im Alltag – verknüpft mit negativen Attributen wie faul, erfolglos, hässlich und auch alt. Ich habe mit Mitte 20 schon Rollen gespielt, die im Drehbuch mit Mitte 50 angegeben waren. Mir war relativ schnell klar, dass ich dieses Bild von Plus-Size-Frauen per se nicht ändern kann, aber ich will meinen Beitrag leisten.
Ich kann in gewisser Weise dagegen anspielen, in dem ich das Klischee nicht vollends bediene. Kann, wenn ich finanziell den Spielraum habe, beleidigende oder verletzende Angebote ablehnen. Und ich werde versuchen, ein bisschen das Bewusstsein – bei den Zuschauenden, aber vor allem bei den Fernsehmachenden – dafür zu schärfen, was unterbewusst permanent an Body- und Fatshaming abläuft. Ich will keine Gallionsfigur oder Role Model sein, aber ich habe eine gewisse Verantwortung. „Lustige“ Witze vor der Kamera auf meine Kosten, das kann ich ab, das dicke Mädchen auf dem Schulhof darf sie keinesfalls abbekommen. Für die „lustige Wuchtbrumme“ werde ich, ehrlich gesagt, weiterhin angefragt, doch mein Portfolio hat sich dankenswerterweise erweitert. Beim „Polizeiruf 110“ beispielsweise ging es kein einziges Mal um mein Gewicht, sondern um andere Qualitäten. Darüber bin ich sehr froh.

Sie sind großer Fan Ihres Heimatvereins Eintracht Braunschweig. Kicken Sie auch selbst?
Ach, großer Fan … Ich hänge schon an Eintracht Braunschweig (und eigentlich genauso am BVB) und habe enormen Respekt für Fußball-Fans, die sich dem Verein so voll und ganz verschreiben, alle zwei Wochen ins Stadion gehen und mitleiden. Aber ich bin eher Radio- als Stadion-Fan. Als ich Kind war, lief samstags immer die Bundesliga-Konferenz. Und das habe ich beibehalten, Über’s Selberkicken reden wir besser nicht. Ich habe zu sehr Angst vor Bällen, die auf mich zufliegen.

Ihr Partner Knud Riepen ist ebenfalls Schauspieler. Wie ist das, als Paar gemeinsam vor der Kamera zu stehen?
Wir haben uns vor der Kamera kennengelernt! Er war Polizist in einer durchgängigen Rolle bei der ARD-Serie „Zwischen den Zeilen“, und ich war die mordende Kugelstoßerin (natürlich). Wir sollten in einer langweiligen Verhörszene (da haben wir das Thema wieder!), etwas improvisieren. Das haben wir gemacht: Knud sprang auf meinen Rücken, ich warf ihn auf den Tisch und ein paar Monate später waren wir ein Paar. Ich hatte Respekt davor, gemeinsam zu drehen, aber es ist immer wieder ein Geschenk, weil wir uns so gut kennen und dadurch intensiver miteinander arbeiten können. Wir arbeiten zwar sehr unterschiedlich, haben aber den gleichen Ehrgeiz und den gleichen professionellen Anspruch.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Knud besonders?
Er ist extrem aufmerksam und hört zu. Ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen. Er würde alles stehen und liegen lassen, wenn ich ihn brauche. Als ich während einer Theaterproduktion in Wien krank im Bett lag, kam er von Berlin und stand mit Hühnersuppe vor meiner Tür. Seine Aufmerksamkeit gibt mir so viel Stärke und Selbstbewusstsein, dass ich auch entspannter mit dieser manchmal sehr anstrengenden Schauspielbranche umgehen kann.

Was bringt Sie im oft stressigen Alltag runter?
Das Wissen, dass (fast) jeder Tag im Bett endet. Selbst wenn ich morgens weiß, ich muss heute die Zähne zusammenbeißen, in spätestens 18 Stunden habe ich es geschafft. Ansonsten, und ich weiß, es klingt abgedroschen: Atmen. Immer wieder sich einen Moment nehmen und tief ein- und ausatmen ist das Beste, was mich wieder erdet.


Kurz & Knackig

  • Einmal im Leben … möchte ich morgens Nachrichten lesen und denken: Ja, es geht doch in die richtige Richtung!
  • Meine schlechte/beste Eigenschaft … Meine schlechte: Snoozen. Ich liebe es morgens noch zu duseln.
    Meine beste: Ich glaube, dass ich recht fair und konstruktiv bin.
  • 40 zu sein ist … momentan noch herrlich.
  • Humor ist … unverzichtbar.
  • Urlaub am liebsten in … kleinen Etappen.

Aufmacherbild: Ralph Keith

In jeder Ausgabe von SPA inside stellen wir inspirierende Power-Frauen vor.