Wildkräuter liegen im Trend – als raffinierte Zutaten in der Küche, als natürliche Heilmittel sowie als Wirkstoffe für Kosmetik und bei Wellness-Anwendungen. Gerade im Spa kann man das Thema vielfältig ausspielen, zumal es Trends wie ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein, Nachhaltigkeit und Rückverbindung zur Natur miteinander verbindet.
Es lohnt sich für Wellnesshotels, sich in Sachen Kräuter zu positionieren. Dass naturnahe Erlebnisse bei den Gästen gut ankommen, zeigen Angebote wie Waldbaden, um die es in den letzten Jahren einen regelrechten Hype gab. Meist passen sie gut zur Signatur der Häuser und Resorts, die häufig in ausgedehnten Naturlandschaften mit einer artenreichen Flora gelegen sind, und lassen sich daher stimmig ins Angebot integrieren. Ein guter Einstieg in die Welt der Kräuter ist eine geführte Kräuterwanderung. Sie ist relativ einfach zu organisieren. Am wichtigsten ist ein Experte, der sein Wissen gut vermitteln kann. Neben den regionalen Tourismusinformationen oder örtlichen Naturschutzinstanzen sind die 104 Naturparks in Deutschland ein guter Anlaufpunkt auf der Suche nach Kräuterfachleuten. Das Hotel Weihrerhof in Ritten z. B. arbeitet für seine Kräuterwanderungen mit einem Experten des örtlichen Tourismusvereins zusammen. Gäste entdecken dabei heimische Kräuter und lernen ihre Wirkung kennen. Auch in Küche und Spa des 4-Sterne-Hauses spielen die Kraftpakete aus der Natur eine wichtige Rolle: in der Küche kommen sie auf den Teller, im Spa bereichern sie die hauseigene Naturkosmetiklinie. Das Kronthaler am Achensee beschäftigt eine eigene Heilpflanzenexpertin. Dort gibt es wöchentliche Kräutertouren im Sommer und Kräuterworkshops im Winter, zudem finden mehrmals im Jahr Kräuter-Themenwochen statt.

Entspannen mit Bergheu
Dass Kräuter in der Küche landen, ist nichts Neues. Und doch kann man sie differenziert einsetzen. Das Kräuterhotel Edelweiss im schweizerischen Rigi etwa verwendet ausschließlich Schweizer Rohstoffe und setzt Akzente mit längst vergessenen Kräutern aus dem eigenen Alpenkräutergarten. Bei herbalen Überraschungs-Menüs können die Gäste die Vielfalt der pflanzlichen Aromen erleben. Und in der Kräuter Werkstatt lernen sie, die Kräuter für Leckereien nach alten Methoden selbst zu verarbeiten, etwa in einem Fermentier-Kurs. Doch wie gelingt der Brückenschlag von der Küche ins Spa? Sie könnten damit beginnen, für die Aufgüsse in der Sauna ätherische Öle aus heimischen Kräutern einzusetzen statt aus exotischen Gewächsen. Das Biohotel Gitschberg in Meransen verwendet in seiner Bio Heu-Sauna handgemähtes Bergheu, ebenso wie in der Heu-Lounge, wo über 2000 Kilo davon in der Wandverkleidung stecken.
Für alles ist ein Kraut gewachsen
Auch erlesene Bio-Kräutertees im Spa-Bistro passen gut ins Konzept. Zusätzlich könnten Sie Ihr Spa-Menü mit Treatments bereichern, bei denen regionale Kräuter zum Einsatz kommen. Auch hier sei das traditionelle Heublumenbad bzw. die Heublumenpackung erwähnt, die bei vielerlei Beschwerden wie Muskel- und Kopfschmerzen, Magen-Darm- oder Wechseljahresbeschwerden helfen. Bei Massagen leisten Öle mit Wildkräutern wertvolle Dienste. Denn für so ziemlich jedes Bedürfnis von der Lockerung der Muskulatur bis zur Entspannung von Körper und Geist ist ein Kraut gewachsen. Und auch für die Haut und somit für Gesichtsbehandlungen gibt es viele Produkte mit Wirkstoffen aus Kräutern, bis hin zu pflanzlichen Stammzellen. Und das alles auch in Bio-Qualität. Manche Wellnesshotels gehen noch einen Schritt weiter und lassen eigene Hauslinien entwickeln, die sowohl in Bezug auf die Inhaltsstoffe als auch optisch die Philosophie des jeweiligen Hauses widerspiegeln. Im Waldhof Fuschlsee Resort im Salzkammergut werden eigene Kräuter zu Essenzen und Cremes verarbeitet und im Spa angewendet.
Kräuterparadies im Luxus-Resort
Mit seinen über 120 Hektar Fläche, davon fünf Hektar üppige Gärten, ist das 5-Sterne-Luxus-Resort Borgo Santo Pietro in der Toskana ein wahres Kräuterparadies. Nicht nur stammen die meisten Zutaten für das Sterne-dekorierte Restaurant Saporium von dort. Auch die preisgekrönte eigene Spa-Marke Seed to Skin Tuscany wurde von Inhaberin Jeanette GrØn ThØttrup vor Ort entwickelt. Die verwendeten Rohstoffe sind zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs und stammen zu einem Großteil aus dem eigenen Garten und der umgebenden Toskana. Zum wiederholten Mal bietet das Resort außerdem „Mastering Herbal Medicine“ an, einen Online-Kurs in acht Lektionen plus einem sechstägigen Präsenz-Workshop unter der Leitung einer renommierten Kräuterkundlerin. Er richtet sich an interessierte Laien ebenso wie an Menschen aus Heilberufen wie Homöopathen, Chiropraktiker oder auch Ärzte. Damit schließt sich zugleich ein Kreis, denn Borgo Santo Pietro war im Mittelalter ein Lazarett für Pilger auf dem Weg nach Rom.

Übrigens leisten sich immer mehr Hotels hauseigene Kräuterspezialisten. Eines der ersten war das Castel Fragsburg bei Meran, dessen Spa Managerin aus einer Familie kräuterkundiger Frauen stammt. Sie bereitet die Produkte, die im Spa verwendet werden, vorwiegend selbst aus heimischen Kräutern zu und stellt damit individuelle Behandlungen zusammen. Zum Angebot des Hauses gehören auch Workshops, in denen die Gäste Kräutersalben selbst herstellen, sowie Räucherrituale. Immer mehr Menschen schätzen die heilsame Kraft der Kräuter als ganzheitliche Alternative oder Ergänzung zu Schulmedizin und klassischen Wellbeing-Angeboten. Man muss nicht gleich das große Rundum-Gesamtkonzept entwickeln. Einfache Freizeitangebote wie eine Kräuterwanderung sind ein guter Anfang – und ein Testballon für mehr.
Aufmacherbild: Castel Fragsburg/KOENIGSHOFER








