Aktiv für die Parfümerie der Zukunft
Seit vielen Jahren ist Marc vom Ende eine feste Größe der internationalen Branche. Mehr als ein Parfümeur ist er Duftkünstler, Mentor und Visionär. Im Gespräch gibt er Einblicke in seine außergewöhnliche Karriere, von seiner Ausbildung bis zur Leitung der Symrise-Parfümerieschule.
Marc vom Ende wurde 1968 in „Spandau bei Berlin“ geboren und verbringt dort die Kindheit. Er stammt aus bodenständigem Haus: Der Vater Schreinermeister, die Mutter Friseurmeisterin; beide arbeiten später an berufsbildenden Schulen, geben Wissen weiter – ein Ansatz, der den Filius prägt. Ende der 1980er zog die Familie ins Weserbergland. In Hameln machte vom Ende Abitur. Sein Lebensweg ist stringent, aber nicht ohne Schicksalsschläge: Seine Schwester starb 1997, er selbst verunfallte 2011 mit dem Motorrad schwer, sitzt seither im Rollstuhl. Er kämpfte sich beständig ins Leben zurück und seine Tochter Pia hat daran großen Anteil. Heute Mitte 30, teilt sie mit ihm die Liebe zu Kunst, Kultur und Duft und ist sein großes Glück.
Nach dem Abi begann Marc vom Ende eine Ausbildung zum Chemie-Laboranten bei Dragoco in Holzminden, will dann Chemie studieren. Dort wird seine Begabung bemerkt: „Bei Riechtests wurde entdeckt, dass ich eine sehr gute Nase habe.“ Er ist einer von wenigen weltweit ausgewählten Talenten, die mit der Ausbildung zum Parfümeur starten. Marc vom Ende erinnert sich gut an diese intensive Zeit. Er testete und erlernte Hunderte von Rohstoffen. „Einen holzigen Duft zu riechen, brachte mich direkt in ein Wildgehege aus meiner Kindheit. Bis heute ist es ein magischer Prozess, aus einzelnen Molekülen eine Duftgeschichte zu kreieren, die Emotionen weckt und Menschen berührt.“ Es begeistert ihn, wie er mit der Kombination einzelner Rohstoffe gezielt Emotionen und Bilder hervorrufen kann. Zudem lernt er schon früh, Rohstoffessenzen von den Pflanzen in der Natur zu unterscheiden.
1992 schließt er die Parfümeursausbildung ab und bleibt beim Unternehmen – bis heute. „Ich habe die Firma nie gewechselt, aber sie hat sich gewandelt.“ Intern nimmt er Chancen wahr. 1999 arbeitet er für ein Jahr in New York City, eine weitere Station ist Paris. Die Vielschichtigkeit der Projekte – neben Feinparfum arbeitet er an Personal Care wie Duschgel, Cremes, Lotions – erhöht die Flexibilität des jungen Parfümeurs.
2003 bilden Dragoco und Haarmann & Reimer das Unternehmen Symrise.
Homeoffice in Berlin
Der Arbeitsalltag des heutigen Symrise Senior Perfumer ist durch einen wöchentlichen Wechsel geprägt – und für ihn ideal organisiert: Das Homeoffice in Berlin ermöglicht ihm die intensive Arbeit an Projekten. Die formulierten Ideen gibt er nach Holzminden, wo sie gemischt werden. Er erschnuppert folgend die Kreationen im Büro des Firmensitzes und überarbeitet sie, bis ein finaler Duft erreicht ist. Seine Arbeit zeichnet Engagement in einer Vielzahl von herausfordernden Projekten – teils mit hohen Freiheitsgraden – aus, die technisches Know-how und kreatives Gespür erfordern. Beispiele? Marc vom Ende kreierte für den Künstler Mike Bouchet einen charakteristischen Duft von US-Dollar-Banknoten. Die Duft-Skulptur Tender wurde 2017 in der Marlborough-Gallery in Chelsea/NYC gezeigt. Beim Projekt ‚Neuwagen‘ war die Herausforderung, aus dem technischen Produkt eines Neuwagens ein Feinparfum zu gestalten – ohne dieses technisch riechen zu lassen. „Das Symrise-Captive Flowerpool® ist mit einer starken Überdosierung enthalten. Dies allein würde den Duft sehr technisch machen. Zur Balance setzte ich eine passende Ledernote ein. Das war die Kunst.“ Und für das Projekt „Air Balance“ von Mercedes-Benz hat der Parfümeur mit der dort federführenden Automobil-Visionärin Sabine Engelhardt Konzepte und Ideen in nun 20 Düfte verwandelt. Es geht darum, die Fahrzeuginnenräume auch olfaktorisch zu gestalten, also Luxus und Kultur multisensorisch wirken zu lassen. Und es gilt, Technologie, sensorisches Erlebnis, ein globales Kundenspektrum sowie die Markenwerte gekonnt zu vereinen.

Die Handschrift des Maestro
Marc vom Ende beschreibt sich als Liebhaber des olfaktorischen Minimalismus: „Kurz und knapp. Ich versuche, einen Hauptakkord aus zwei bis fünf Komponenten zu kreieren. Denn je komplexer der Duft, desto weniger können ihn Verbraucher nachvollziehen.“
Bei Symrise ist er maßgeblich an der Entwicklung von Captive-Molekülen beteiligt, die als Bausteine für innovative Duftkreationen dienen. Gemeinsam mit dem Forschungsteam von Symrise arbeitet er daran, Moleküle zu bewerten und nutzbar zu machen. „Es ist spannend, direkt an der Genesis eines Duftstoffs mitzuwirken – an dem Punkt, wo eine Idee zur Grundlage für zukünftige Parfums wird.“
Der Blick nach vorne
Seit 2022 leitet der erfahrene Kreateur die Symrise-Parfumeursschule. Ihn begeistert es, globale Talente – im laufenden Jahr sind Trainees aus USA, Brasilien, China, Südafrika und Spanien engagiert – zu fördern und ihnen das notwendige Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere zu vermitteln. „Es inspiriert mich, mit wissbegierigen, ambitionierten jungen Leuten Fähigkeiten zu trainieren und meine Erfahrung weiterzugeben.“ Zusätzlich schult vom Ende das Personal der Qualitätsgemeinschaft ‚First in Beauty‘. Es ist ihm stets wichtig, „den Blick für die Vielfalt der Düfte zu schärfen und das Gespür für ihre Wirkung zu fördern.“ Am Beispiel der langjährig gepflegten Initiative „Maîtres des Parfums“ hebt er hervor, wie entscheidend gemeinsamer Austausch und die enge Zusammenarbeit für den langfristigen Erfolg der Branche sind.
Marc vom Ende tankt durch Reisen auf: Neben der Wahlheimat Südafrika ist er gerne in den USA, Südkorea, Barcelona – die Stadt ist sehr behindertengerecht. Seine Passion und sein Faible für seine Arbeit wird in folgendem Statement deutlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann in den Ruhestand zu gehen. Duftkreation macht einfach Spaß.“
Der Beitrag ist erschienen in der INSIDE beauty 1/2025

Als Kenner des internationalen Duft- und Kosmetikmarkts hat sich Dr. Bodo Kubartz einen Namen gemacht. Er berät Unternehmen und organisiert Branchenveranstaltungen.
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