Meister der Düfte: Amandine Clerc Marie

Vibrierende Parfums mit Struktur und Eleganz

Amandine Clerc Marie kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Die renommierte Parfümeurin hat für Marken wie Chloé, Davidoff, Gucci, Valentino und Mugler gearbeitet und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. „Düfte zu kreieren ist meine Leidenschaft. Ich fühle mich lebendig, wenn ich mit Düften arbeite“, betonte sie im Gespräch mit Dr. Bodo Kubartz.

Amandine Clerc Marie wuchs in eine Welt voller Düfte hinein. Ihre frühesten olfaktorischen Erinnerungen stammen aus der Zeit im großväterlichen Haus in der Normandie. Dort konnte sie die Natur frei erkunden. „Wenn ich die Augen schließe, spüre ich den intensiven Duft von Gras, zerdrückten Blättern am Rand des Gartenteiches und seine feuchte Luft – frisch, grün, aromatisch“, erzählt sie. Prägende Kindheitserfahrungen und die familiäre Herkunft – ihre Mutter ist in der Parfumindustrie tätig – legten den Grundstein für ihre Duftleidenschaft. Die Tätigkeit des Vaters, ein Bauunternehmer, beeinflusst sie ebenfalls: „Meine Liebe zur Kreation und Konstruktion wurde früh geweckt. Wenn ich nicht als Parfümeurin arbeiten würde, wäre ich Architektin geworden. Doch Parfum zu kreieren, scheint ein Teil meiner DNA zu sein.“ Die ausdrucksstarke Macherin nutzt klare Statements und zugleich eine bildreiche Sprache. Clerc Marie ist ein kollegialer Typ, der viel Wert auf einen guten und vertrauensvollen Umgang legt. Und sie ist ein Familienmensch: ihr Mann und die beiden Kinder (15 und 19 Jahre alt) geben ihr Sinn und Erfüllung.
Nach dem Schulabschluss bewarb sich Clerc Marie erfolgreich an der renommierten Parfümerieschule ISIPCA in Versailles. Eine Episode blieb im Gedächtnis: „Ich hatte noch nie im Süden gelebt. Während meines Praktikums bei Robertet in Grasse entdeckte ich die Sonne, neue Blumen und die provenzalische Küche. Eine neue Welt mit sensorischen Erlebnissen öffnete sich. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Am Ende ihres Studiums schrieb sie eine Diplomarbeit über die Modernisierung der Ledernote im Parfum Bel Ami (Hermès). In der Zeit lernt sie Starparfümeur Michel Almairac kennen. Von 2001 arbeiteten beide für mehr als zehn Jahre immer wieder zusammen. Sie sagt: „Michel und ich haben uns von Anfang an gut verstanden. Er hat viel Geduld, aber auch hohe Ansprüche. Er schulte mich in Präzision: Formeln abzuwiegen, dann in Tests bewerten. Ich konnte die Effekte und Wirkung der Rohstoffe sehen.“ Wichtiger mag sogar noch ein weiterer Beitrag gewesen sein: keine Angst vor eigenen Ideen zu haben! Die Zusammenarbeit mit Almairac war eine Zeit der Intensiverfahrung von Geduld, Beständigkeit, aber auch Entschlossenheit und Sorgfalt. Im Jahr 2011 wechselte sie zum heutigen dsm-firmenich – ein Karrieresprung.
Amandine Clerc Marie schätzt Teamwork, der Austausch mit jungen Leuten inspiriert sie. Sie arbeitet auch beim neuen Arbeitgeber mit den Besten zusammen, etwa mit Maestro Alberto Morillas.

Lebendige Duftkompositionen
Besonderen Wert legt sie auf natürliche Ingredients: „Ich konzentriere mich gern darauf, die Schätze der Natur durch unerwartete Verbindungen neu zu erfinden. Das Privileg, olfaktorische Emotionen zu schaffen und ihre Wirkung auf die Menschen, die sie tragen, zu imaginieren, erfüllt mich mit Stolz.“ Sie erlebt hautnah, wie moderne Technologien die olfaktorischen Qualitäten von Extrakten verbessern. Hat sie Lieblingsmaterialien? Bergamotte, ein Stoff mit unverwechselbarer Frische, und Patschuli – kraftvoll und für abstrakte und sinnliche Nuancen gut nutzbar.
Die Liebe zur Innovation und Konstruktion spiegelt sich in ihrer Arbeit als Parfümeurin wider: „Wie ein Bildhauer suche ich immer nach einer vertikalen Struktur, die meinen Stil definieren kann.“ Bei Vertikalität in Parfums geht es um eine geschichtete Erfahrung, bei der die Elemente des Duftes eher gleichzeitig, kontinuierlich wahrgenommen werden. So ist Amandine Clerc Maries „Handschrift“ in der Parfümerie durch die Schaffung von einprägsamen Signaturen in solch vibrierenden Düften gekennzeichnet. Dabei ist sie frei und zielgerichtet zugleich. „Düfte zu kreieren ist meine Leidenschaft; ich fühle mich lebendig, wenn ich mit Düften arbeite. Ich bin der Meinung, dass jede Idee willkommen ist. Alles ist erlaubt.“ Bei dsm-firmenich kann sie innovative Technologien und hochwertige Rohstoffe nutzen, um moderne und unverwechselbare Düfte zu kreieren. Mittlerweile im Rang eines Senior Perfumer ist sie bei großen, wichtigen Projekten gefragt und erfolgreich am Werk. Die Freude, die sie beim Kreieren empfindet, und die Möglichkeit, olfaktorische Emotionen zu erschaffen, sind für sie der größte Antrieb. Bei ihrer Arbeit sieht sie unterschiedliche Herausforderungen, je nachdem ob es um einen ganz neuen Duft oder eine Überarbeitung geht. „Beide erfordern viel Arbeit und ein tiefes persönliches Engagement, bei dem Inspirationen, Kreativität, Qualität und Innovation entscheidend sind.“ Manchmal fällt es ihr schwer, die Arbeit an einem neuen Duft zu beenden. „Ich denke oft, dass ich ihn noch besser machen könnte.“

Amandine Clerc Marie hat zahlreiche erfolgreiche Düfte kreiert, darunter La Nuit Trésor und Les Destinations Montreux. Ihr neuestes Werk: Burberry Goddess Eau de Parfum Intense, ein aromatischer, holziger Gourmand-Duft

Unermüdlich zur Perfektion
Die Qualität ihrer Kreationen ist in vielen Erfolgen sichtbar – auch für große, weltweit bekannte Marken. Goddess (Burberry) wurde mehrfach prämiert, gewann zuletzt einen französischen FiFi. „Der Erfolg dieses Parfums liegt in der innovativen Nutzung von Technologien und Rohstoffen, die es ermöglichen, Düfte mit tiefer emotionaler Resonanz zu schaffen. Es ist ein Duft, der durch eine einzigartige Kombination von Vanille-Extrakten eine neue Art von olfaktorischer Erfahrung bietet“ hebt sie hervor.Beständig entwickelt sie ihre Fähigkeiten weiter und summiert: „Es gibt etwas sehr Menschliches bei dsm-firmenich, wir haben viel Freiheit. Das ist mir wichtig“.
Wenn Amandine Clerc Marie nicht arbeitet, ist sie gern unterwegs und lässt sich beiläufig inspirieren. Im Arbeitskontext war eine Reise mit mehreren Parfümeuren nach Guatemala besonders eindrücklich. „Dieses Land ist olfaktorisch reich – dank Patschuli, Kardamom, Hölzern und Harzen. Wir nahmen an einer Maya-Zeremonie teil, der Schamane verbrannte Materialien, die unglaublich dufteten.“ Auch privat ist sie gerne unterwegs – mit ihrem Mann und den Kindern. „Ich liebe es, als Familie zu reisen und den Kindern viel zu zeigen – etwa neue Kulturen, Landschaften und Farben. Diese kostbaren Momente mit meiner Familie zu teilen, ist sehr wichtig für mich – und gleichzeitig inspirierend.“ Eine sehr sympathische Frau, auf deren weitere Kreationen wir gespannt sein dürfen.


Der Beitrag ist erschienen in der INSIDE beauty 5/2024

Als Kenner des internationalen Duft- und Kosmetikmarkts hat sich Dr. Bodo Kubartz einen Namen gemacht. Er berät Unternehmen und organisiert Branchenveranstaltungen.
www.passion-and-consulting.de

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