Ob wir uns wohlfühlen, hängt wesentlich von den Aromen und Düften ab, mit denen wir uns umgeben. Kaum zu glauben: Menschen können mehr als zehntausend Duftnoten unterscheiden.

Sie wecken Leidenschaften und Wünsche. Sie sind der sinnlichste und persönlichste Schmuck. Und sie sind in unserem Gedächtnis fest verankert – Düfte. Ein Duft steigt uns in die Nase … und erinnert uns beispielsweise an glückliche Kindertage, an eine längst vergessene Landschaft oder an einen geliebten Menschen. Warum das so ist? Der Geruchssinn ist der unmittelbarste der menschlichen Sinne. Düfte wirken im Gehirn direkt auf das limbische System, wo Emotionen verarbeitet werden. Sie kennen das bestimmt: Wenn man zum ersten Mal einen Raum betritt oder einen unbekannten Menschen trifft, dann ist es in der Regel der Geruchssinn, der einem den ersten Eindruck verschafft und entscheidet: sympathisch oder nicht. Auch die menschliche Erinnerung ist eng mit Düften und Gerüchen verknüpft. Ein Geruch kann einen in eine lange zurückliegende und vielleicht längst vergessene Situation zurückversetzen, in der man ihn zum ersten Mal wahrnahm.

Die Kunst der Parfümeure
Wir Menschen können mehr als 10000 verschiedene Duftnoten unterscheiden. Wer sich gezielt mit Düften auseinandersetzt und das Riechen trainiert, kann seine Wahrnehmung deutlich steigern. Geruchsinformationen können dann besser verarbeitet und auch benannt werden. Es gehört nicht nur viel Übung, sondern auch Talent und Leidenschaft dazu, will man zum Duftexperten werden. Und oft wird der Grundstein für diese Passion schon im Kindesalter gelegt, das berichten Parfümeure. Nicht von ungefähr nennt man sie auch „Nasen“. Denn es ist ihr Riechorgan, das wahre Meisterleistungen vollbringt. Die Kunst des Parfümeurs ist es, die Geheimnisse der Natur einzufangen und sie in wundervolle Essenzen zu verwandeln. Er kennt die Magie der Düfte, er ist der poetische Künstler, der Alchimist, der die Träume der Menschen in einen Duft umzusetzen weiß. Duftexperten findet man jedoch auch in Parfümerien. Vor allem Fachgeschäfte setzen auf Luxus und Qualität, auf Kompetenz, Wertschätzung und Respekt. Freundliche und professionelle Beratung ist ihnen eine Verpflichtung, auch im Bereich der Düfte. Aus Duftexperten werden in einer intensiven Ausbildung sogenannte „Maîtres des Parfums“, Meister der Düfte. Ihre Leidenschaft ist es, die Kundinnen und Kunden durch das große Universum der Düfte zu führen, um den ganz persönlichen, den maßgeschneiderten Duft für jeden gewünschten Anlass zu finden. Jana Heiderich, Filialleiterin der Parfümerie Mußler Beauty in Leinfelden-Echterdingen trägt den Titel „Maître des Parfums“. Sie verrät im Interview auf Seite 60, was eine gute Duftberatung ausmacht und wie viel Zeit man einplanen sollte, um sein individuell passendes Lieblingsparfum zu finden.

Mit allen Sinne erleben
„Parfum ist nicht nur ein Duft – es ist Traum, Wunsch, Hoffnung und Erinnerung. Es unterstreicht unsere eigene Persönlichkeit, schlägt unsichtbare Brücken, ist Lockmittel, Botschaft oder Provokation und fördert unsere innere Harmonie und Lebenslust“, so trefflich beschreibt Duftkenner Marcel F. Reinhold die Magie der Düfte. Schon seit vielen Jahren „brennt“ er für Parfums, führt Duftseminare durch und organisiert Duftessen. Bei diesen Veranstaltungen kreiert ein Spitzenkoch u.a. mit den Inhaltsstoffen der präsentierten Parfums ein mehrgängiges Menü. Gäste dieser Events können Düfte so ganz neu entdecken und genießen. Ein Duft steigt in die Nase, sie ist das Zielorgan. Doch alle anderen Sinne werden auch angesprochen. Der erste Eindruck eines Duftes ist sein visuelles Erscheinungsbild. Dann folgt das haptische Erlebnis: Man spürt das Glas, die Formen des Flakons. Doch ein Duft sendet auch akustische Signale: Wenn man auf den Sprühknopf drückt und sich feinste Duftmoleküle ausbreiten. Erst durch die Verschmelzung von Haut und Duft nimmt man „seinen Duft“ wahr. Am besten ist es, ihn auf pulsierende Stellen aufzutragen, denn dort, wo der Puls pocht, ist die Haut wärmer und der Duft kann sich wunderbar entfalten, so die Empfehlung von Jana Heiderich. Auch schmecken kann man einen Duft – das ist die Idee des beschriebenen Duftessens, bei dem Duftnoten wie Schokolade, Himbeere, Vanille oder Karamell verkostet werden. Eine besondere Erfahrung ist es, die Seele eines Duftes kennenzulernen, seine Geschichte. Mit diesem Wissen wird die Beziehung zum Lieblingsduft noch intensiver.

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