Das Klettern in geringer Höhe ohne Seil und Gurt erfreut sich wachsender Beliebtheit. Bouldern ist ein Fitnesstrend, der Körper und Geist stärkt, für Groß und Klein geeignet ist und das soziale Miteinander fördert.
Wissen Sie, was Boulder bedeutet? Das englische Wort für Felsblock ist Namensgeber für diese Sportart: dem Bouldern. Dass es von immer mehr Fitnessbegeisterten betrieben wird, verwundert nicht. Denn das Klettern ohne Seil oder Gurt macht Spaß und verbindet körperliche Herausforderung mit mentaler Stärke. Man kann es allein oder gemeinsam mit anderen ausüben. Da man sich zum Bouldern meist in speziellen Hallen trifft, spielt das Wetter keine Rolle. Und – man benötigt kein besonderes Equipment.
Beim Bouldern geht es darum, an einer Wand, die in der Regel nicht höher ist als 4,5 Meter, einen Parcours aus unterschiedlichen Griffen zurückzulegen, das sogenannte „Boulderproblem“. Man erkennt die einzelnen Probleme, die es in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gibt, an der Farbe der Griffe. Diese bestehen meist aus Kunststoff oder Gips und stellen verschiedene Herausforderungen an die Kletterer. Leicht zu handhaben sind etwa die sogenannten Jugs (Henkel), während Pinches (Zangen) oder Pockets (Fingerlöcher) schon schwieriger zu greifen sind. Hat man das Ziel eines Parcours erreicht, den „Topgriff“, dann klettert man dieselbe Route wieder zurück – oder springt ab. Aber Vorsicht: Trotz dicker Matten, die auf dem Boden ausgelegt sind, will das Abspringen gelernt sein! Außerdem sind die Matten härter, als man denkt.
Entstanden als Trainingsvariante für Kletterer, hat Bouldern sich inzwischen zu einer eigenständigen Sportart entwickelt, die sich durch kurze, intensive Bewegungsabfolgen auszeichnet.

Klettern in freier Natur
Wen die Boulder-Leidenschaft gepackt hat, der möchte auch raus in die Natur. Der Wald von Fontainebleau mit seinen rund 35 000 bizarren Felsblöcken ist das größte Boulder-Revier der Welt. Schon im 19. Jahrundert trainierten hier Pariser Kletterer für die Alpen. Ein weiteres Dorado befindet sich im Schweizer Averstal: Der sogenannte „Magic Wood“ (magischer Wald) bietet eine Vielfalt an Boulder-Möglichkeiten in einer zauberhaften Atmosphäre aus Wasser, Wald und Felsen. In Deutschland locken der Pfälzerwald, die Eifel oder die Sächsische Schweiz. Beim Bouldern im Freien ist ein transportables Crashpad Pflicht, das beim Springen (und Stürzen) schützt.
Regelmäßiges Bouldern trägt zum Aufbau von Muskeln am ganzen Körper bei, trainiert die Tiefenmuskulatur intensiv und verbessert Griffkraft, Balance, Koordination, Beweglichkeit sowie die Körperspannung. Auch das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt. Und nicht zuletzt steigert Bouldern die Konzentrationsfähigkeit sowie die Kompetenz beim Lösen von Problemen und es lehrt, mit Frustration umzugehen. Es kann auch beim Abbau von Stress und Ängsten helfen und stärkt das Selbstbewusstsein. Es werden sogar psychologische Klettertherapien (oft auch als Boulderpsychotherapie) angeboten.
Weil dieser Sport eine immer größere Fan-Gemeinde hat, bieten auch immer mehr Wellness- und Familienhotels Boulder-Wände an. Große und kleine Gäste freuen sich darauf, beispielsweise im Gradonna Mountain Resort in Kals am Großglockner (www.gradonna.at) oder im Naturhotel Lüsnerhof in Südtirol (www.luesnerhof.it).
Erlernen kann diesen Trendsport jeder. Der Deutsche Alpenverein (DAV), der knapp ein Drittel der rund 560 Kletteranlagen in Deutschland betreibt, empfiehlt jedoch, erst Kinder ab sechs Jahren kontrolliert bouldern zu lassen, heißt: unter Aufsicht und mit Hilfestellung. Erst ab 14 Jahren ist selbstständiges Bouldern empfehlenswert, da Kinder ab diesem Alter Gefahren eigenverantwortlich analysieren und bewerten könnten und risikobewusst handeln. Es gibt auch Kletterhallen mit eigenen Kinderbereichen. Boulder-Kurse werden in den meisten Kletterhallen angeboten, beim DAV kann man neuerdings auch einen Boulderschein erwerben: Beim „Indoor Boulder-Check“ werden grundlegende Verhaltensregeln sowie ein Verständnis für Sicherheit vermittelt. Denn es ist wichtig, bestimmte Grundsätze und Regeln zu beachten.

Sicherheit geht immer vor!
Vor dem Bouldern ist erstmal Aufwärmen angesagt. Matten bzw. Crashpads (für Boulder-Touren im Freien) sind unverzichtbar, denn Stürze kommen nun mal vor. Der DAV und andere Anbieter lehren in ihren Kursen Fall- und Landetechniken, mit denen schwerere Verletzungen vermieden werden können. Für sicheren Halt sorgen gute Kletterschuhe und Magnesia/Chalk. Achten Sie auch auf bequeme, aber nicht zu weite Kleidung, in der Sie sich eventuell verfangen könnten. Eine weitere Regel ist, den Sturzraum unterhalb des Boulders freizuhalten, um sich und andere Kletterer im Fall eines Sturzes zu schützen.
Mit Expertise
Der Deutsche Alpenverein ist Bergsport- und Naturschutzverband in einem. Rund ein Drittel der Kletterhallen in Deutschland werden vom DAV betrieben, die meisten mit eigenen Bereichen zum Bouldern. Bei Indoor Boulder-Checks lernen Kinder und Erwachsene grundlegende (Verhaltens-)Regeln, können eine Prüfung ablegen und einen Boulderschein erwerben. www.alpenverein.de

Kurz Nachgefragt bei Rebekka Schütze
Bouldern hat sich zu einem Trendsport entwickelt. Woran liegt‘s?
An Zugänglichkeit und Gemeinschaftsgefühl. Man braucht keine Vorerfahrung, meist reicht eine kurze Einführung – und schon hängt man an der Wand. Gleichzeitig ist es unglaublich gemeinschaftlich. Es macht einfach Spaß, zusammen an einem Boulder zu tüfteln. Für viele ist Bouldern zum Fitnessstudio-Ersatz geworden – nur eben familiärer.
Was reizt Sie selbst am Bouldern?
Die Mischung aus körperlicher Herausforderung und mentalem Knobeln. Jeder Boulder ist wie ein kleines Rätsel, das man mit dem eigenen Körper lösen muss. Mal geht es um Kraft, mal um Technik, Balance oder Kreativität – und oft um alles gleichzeitig.
Außerdem liebe ich es, dass man beim Bouldern sofort im Moment ist. Man kann gut abschalten und den manchmal stressigen Alltag vergessen. Nicht zuletzt ist es die Atmosphäre: Dieses gemeinsame Ausprobieren, Anfeuern und Mitfreuen. Man lernt immer Gleichgesinnte kennen!

„Man ist sofort im Moment“
Was war Ihr persönliches Boulder-Highlight?
Vorletzten Winter war ich drei Monate mit meinem Freund und meinem Hund Yuki in Spanien unterwegs. Wir sind von Klettergebiet zu Klettergebiet gefahren, haben uns einfach treiben lassen. Rund eineinhalb Monate waren wir in Albarracín, einem Bouldergebiet im Südosten, jeden Tag draußen am Block, Sandstein unter den Fingern, Sonne im Gesicht. Dieses konstante Draußensein, die Ruhe und der Fokus aufs Bouldern waren etwas ganz Besonderes.
Boulder Basics
Die Kleidung zum Bouldern sollte bequem sein und gut sitzen. Das Wichtigste sind die Schuhe, die man in den meisten Hallen ausleihen kann. Ein weiteres Utensil, das gewöhnlich beim Indoor-Bouldern bereitsteht, ist Magnesia. Es hält die Hände trocken und sorgt so für einen besseren Grip. Outdoor-Boulderer packen ihr Magnesia in Chalkbags, kleine Beutel zum Umhängen. Sie benutzen außerdem spezielle Handbesen zum Reinigen der Griffe sowie Crashpads, das sind mobile Matten. Denn auch bei niedriger Fallhöhe kann man sich verletzen. Gut gesichert, fokussiert und aufmerksam, geht der Weg dann steil nach oben.



(Aufmacherbild: iStock/monstArrr_)





