Florierende Städte im Nebel von Weihrauch, Buchten unter Dattelpalmen, grüne Berge mit türkisfarbenen Wadi-Tälern und dazwischen majestätische Wüstenlandschaften. Der Oman ist mehr als ein Geheimtipp, er gleicht einem touristischen Rohdiamanten. Hier findet jeder, wonach er sucht – vom Gipfel der Freiheit bis zur Insel der Erholung.

Tauchen Sie
ein in ein Land mit Tradition
und visionärer Kraft

Milde, sommerweiche Luft. Zackige Palmblätter, die sich zum Himmel strecken. Feiner Sand knirscht unter unseren Schuhen, die vor acht Stunden noch mit deutschem Dauerregen kämpfen mussten. Jetzt dürfen sie Pause machen – denn unsere Füße haben das dringende Bedürfnis, nackt in den Sand gesteckt zu werden.
Während unseres Winters von November bis April lockt der Oman als sonniger Zufluchtsort, und überrascht mit weit mehr als nur Badeurlaub. Da sind zum einen die weitläufigen, kraftvollen Landschaften, die von schroffen Gebirgsketten bis zu einsamen Buchten reichen. Da ist die Wüste, die lehrt, was wahre Stille bedeutet. Und da ist die Kulinarik, in der heimische Produkte auf die Aromen jahrhundertealter Handelsrouten treffen und zu überraschend feinen Kompositionen verschmelzen. Nicht zuletzt beeindruckt die Architektur, die in luxuriösen Hotels, Opernhäusern und Palästen Tradition und Moderne in harmonische Balance bringt.
Die stetig voranschreitende Modernisierung ist dem allseits beliebten und trotz seines Ablebens 2020 noch sehr präsenten Sultan Quaboos zu verdanken, der das Land mit visionärer Kraft ins neue Jahrhundert katapultierte.

(Foto:iStockLuca-Ladi-Bucciolini)

Ein Land im Wandel
Seine Regierungsgeschichte liest sich fast wie ein Roman: 1970 putschte er gegen seinen despotischen Vater. Zu dieser Zeit existierten nur ein Krankenhaus, drei Kilometer Straße und eine Analphabetenrate von 98 Prozent. Sonnenbrillen, Autos und Radios waren verboten. Heute ist die medizinische Versorgung auf europäischem Niveau, an der Universität musste eine Männerquote eingeführt werden und auf den mehrspurigen Straßen schieben sich weiße blitzblank polierte SUVs durch die Capital Area. Auch Quaboos Cousin
und Nachfolger Haitham bin Tariq zeigt sich einer behutsamen, zukunftsorientierten Moderne zugetan. Mit der Sultan Haitham City baut er zum Beispiel gerade eine nachhaltig-smarte Stadt mit Fokus auf erschwinglichem Wohnen, Grünflächen und moderner Infrastruktur.
Wir Besucher profitieren von der guten Infrastruktur schon jetzt, etwa durch die hohe Sicherheit vor Ort oder den ausgeprägten Wellness-Ambitionen der Region. Nirgendwo sonst auf der Erde wird der Reise- und Wellnessmarkt so aktiv vorangetrieben – die vom Erdöl abhängigen Länder suchen nach neuen Einnahmequellen. Auch bei den Kosmetiklinen, Amenities und Behandlungen wird das Erbe des Orients zelebriert. Omans exklusives Dufthaus „Amouage“ entwickelt duftende Meisterwerke von bester Qualität, die mittlerweile auch als Shampoos und Seifen die Gäste vieler Luxushotels begleiten. Auf den Spa-Menüs finden sich Treatments mit Weihrauch, Granatäpfeln, Rosen und Datteln – Inhaltsstoffe, die nicht nur pflegen, sondern auch Geschichten erzählen.

Multikulturelles Erbe
Datteln sind im Oman nicht nur in Form von nährenden Packungen und Peelings von zentraler Bedeutung, sondern gelten seit jeher als Grundnahrungsmittel. Rund 150 verschiedene Sorten und etwa 7 Millionen Dattelpalmen sind im Land zu finden. Einst ernährten sich Beduinen über mehrere Tage lang nur von den süßen Früchten, da sie extrem nahrhaft, reich an Zucker, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien wie Eisen und Kalium sind. Bis heute gelten sie als Symbol der Gastfreundschaft und werden oft zu Kaffee serviert. Ansonsten stapeln sich auf omanischen Tellern Fladenbrot, gewürzter Reis, Rind- und Lammfleisch, Hummus, Mutabal, Taboulé und Currys. Wer in den Genuss kommt, merkt sogleich: Es duftet verführerisch – und genauso schmeckt es auch.
Das kulinarische Erbe des Oman wurde von Portugiesen, Indern und Sansibaris beeinflusst, die einst mit Safran, Kardamom und Masala die Region – und insbesondere die Hauptstadt Muskat – prägten. Gerade diese bewegte Vergangenheit und das reiche kulturelle Erbe machen Muskat zu einem unverzichtbaren Fixpunkt jeder Oman-Reise. Auch wenn man dafür die Zehen wieder in die Schuhe zwängen muss.


Tradition des Orients

Schönste traditionell arabische Handwerkskunst ziert die Mihrab, die Gebetsnische, der Sultan-Qabus-Großmoschee in Muskat: filigrane Fliesenarbeiten in Blau-, Gold- und Grüntönen und feinste Kalligrafie. In einen Farb- und Duftrausch fällt man bei Besuch eines Souqs dank der mannigfaltigen Gewürze und Kräuter. In Omans Dörfern entstehen aus heimischem Lehm in Handarbeit schlichte Gefäße, deren erdige Töne die Landschaft widerspiegeln. (Foto: iStock-pespiero)
(Foto: shutterstock_Blooms-Heart)

Der Duft von Weihrauch ist allgegenwärtig Der Weihrauch aus dem Oman ist ein sehr geschätztes Souvenir und ein zentraler Bestandteil der omanischen Kultur. Das getrocknete Harz der Boswellia-Bäume aus dem Süden Omans, der Dhofar-Region, gilt unangefochten als der beste Weihrauch der Welt. „Grüner Hojari“ ist die beste Güteklasse. Dieses besonders helle Harz, oft in gelblichen bis zart grünlichen Tönen, zeichnet sich durch höchste Reinheit und den einzigartigen, intensiven, typisch balsamischen Duft aus. Der würzige Duft von Weihrauch bringt Klarheit, Reinheit und Ruhe, gleichzeitig wirkt er anregend und zugleich entspannend. Im Oman wird er auch für einen guten Geruch der Kleidung, aber auch zur Desinfektion derselben verwendet.

Ziegen – & Töpfermärkte Der Oman ist berühmt für seine traditionellen Märkte (Souqs), wobei die Stadt Nizwa in der Mitte des Landes das unbestrittene Zentrum für Viehmärkte und Töpferwaren ist. Jeden Freitagmorgen, etwa von 6 bis 10 Uhr, findet ein solches Spektakel im zentralen Souq von Nizwa, nahe der Festung, statt. Einheimische präsentieren ihre Ziegen, Schafe und manchmal Kamele und feilschen mit den potenziellen Käufern um den Preis. In anderen Bereichen des Souq werden handgefertigte, kunstvoll verziert Tontöpfe verkauft. Sie dienen meist als Gefäße für Wasser oder Datteln.

(Foto: shutterstock_Intothegreentravel)

Majestätisches Muskat

(Foto:iStock_Mayur-Kakade)

Die Stimmung ist entspannt, niemand schreit, niemand hupt, von Hektik keine Spur, und das, obwohl die Straßen voll sind. An der Promenade flanieren Großfamilien, im Hintergrund beeindruckt die beleuchtete zweitgrößte Yacht der Welt, kreuzfahrtschiff-gleich. Sie gehört dem Sultan und überragt alle anderen Schiffe bei weitem. Die Häuser von Omans Hauptstadt hingegen halten sich an überschaubare Höhenregeln – ganz anders als die wolkenkratzer- und shoppingmall-süchtigen Nachbarn Dubai und Abu Dhabi. Muskat hat sich eine wohltuende Ursprünglichkeit und Tradition bewahrt.
Dennoch ist das Land ausgesprochen modern. Die Omanis lieben Autos. Es ist das Fortbewegungsmittel Nummer 1. Wegen der Hitze werden auch kleinste Strecken gefahren. Öffentliche Transportmittel gibt es kaum, zu Fuß geht niemand. Außer in und um die Souqs und in Sehenswürdigkeiten, etwa der Sultan-Qabus-Moschee, der größten Moschee der Welt mit ihrem 90 Meter hohen Hauptminarett. Oder den Al-Alam-Palast, der offizielle Zeremonienpalast des Sultans. Viel besucht ist auch das Royal Opera House Muscat – ein architektonisches Meisterwerk aus hellem Marmor und kulturelles Herz des Landes, das westliche Opern- und Konzertproduktionen mit arabischer Musiktradition verbindet.

(Foto: iStock_efired)
Anne Berit Bader und Familie beim um die Wette strahlen mit dem prachtvollen Königlichen Opernhaus

Unsere Hoteltipps für Muskat

The Chedi Muscat Nur 15 Minuten vom Flughafen Muskat entfernt, direkt am Strand von Al Ghubra, liegt das Designhotel „The Chedi“. Es versetzt uns mit seiner klaren, asketischen Geometrie und einer überschaubaren Farbwelt aus grünen Palmen, weißen Gebäuden und tiefblauem Wasser sofort in meditative Urlaubsstimmung. Der perfekte Ort zum Ankommen und Durchatmen nach einem langen Flug oder einer Rundreise. Wer auch im Urlaub seine Gesundheitsroutine nicht vernachlässigen möchte, der ist im riesigen „Health Club“ richtig, er bietet nahezu alles, was es für ein ganzheitliches Training braucht. Müde Muskeln werden in Sauna oder Dampfbad sanft wiederbelebt – oder man gönnt sich gleich ein Treatment, wie zum Beispiel die „The Chedi Exclusive“-Massage, bei der sanfte Stretcheinheiten und Griffe aus alten Heiltechniken gezielt Verspannungen lösen. Und danach? Vielleicht eine Runde am „Long Pool“ relaxen. Mit seinen 100 Metern ist er nicht nur bei Schwimmern äußerst beliebt, sondern durch seine ikonische Inszenierung aus Wasser, Palmen und Feuerschalen längst zu einem festen Bestandteil vieler Reise-Bucketlists geworden. Abends geht es dann in eines der sechs sterneverdächtigen Restaurants, die sich am Meer, im Hauptgebäude oder entlang der drei Pools verteilen. Nach Meeresfrüchten, Mezze und Rosenwasser-Dessert geht es satt und zufrieden ins kuschelige King-Size-Bett – oder man genießt auf der Terrasse noch einmal die besondere Zen-Aura des Hauses. Einatmen. Ausatmen. Loslassen.

Was ist besonders: Die Weitläufigkeit und das Design der Anlage mit dem berühmten Long-Pool; die großzügige Suite (Wäscheservice inklusive!); der riesige Health Club mit Spa und Gym und die unglaubliche Kulinarik.

The Chedi Muscat
Das Luxushotel liegt knapp 20 Autominuten vom Airport entfernt. www.ghmhotels.com
Deluxe Room ab 440 Euro/Nacht Ende April.

Al Bustan Palace, a Ritz-Carlton Hotel Hier kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Gäste werden in diesem 5-Sterne-Hotel in einer 38 Meter hohen Palasthalle empfangen – ausgestattet mit glänzendem Marmor, Kristallleuchtern und einer riesigen Kristallfontäne. Im gesamten Hotel treffen traditionelle arabische Architektur und Handwerkskunst auf modernen Luxus: In den 250 komfortablen Zimmern und Suiten, im Spa, aber auch in der vielseitigen Kulinarik des Hauses, die asiatische, italienische, und mediterran-omanische Küche bietet. Errichtet wurde der märchenhafte Palast vom verstorbenen Sultan Quaboos – für seinen Nachfolger und die Regierungsbeamten ist bis heute das oberste Stockwerk reserviert – mit überwältigendem Ausblick! Denn das Haus liegt eingebettet zwischen den schroffen Felsen des Hajar-Gebirges und dem palmengesäumten Golf von Oman. Am Strand vor türkisfarbenem Meer lässt es sich auf Day Beds und Liegen wunderbar verweilen. Eine Bucht weiter kann sich Frau am Ladys-only-Beach zurückziehen. Er ist ans großzügige Spa angeschlossen, das neben Sauna, Dampfbad und Indoor-Pool vor allem mit authentischen omanischen Anwendungen begeistert.

Was ist besonders: Die einzigartige Lage inmitten von zerklüfteten Bergen und zahlreichen Palmen; das exklusive Spa mit Ladys-only-Beach; das vielfältige Frühstücksbuffet.

Al Bustan Palace
Das Ritz-Carlton-Hotel ist 35 Autominuten vom Airport Muscat entfernt.
www.ritzcarlton.com – Ab 410 Euro/Nacht


Die grünen Berge

(Foto: iStock-MelanieMaya)

Wir sind vollkommen allein. Und das, obwohl wir uns am legendären Diana’s Point befinden – jenem Ort, an dem schon Prinzessin Diana und der heutige King Charles einen Blick genießen durften, der spektakulärer kaum sein könnte. Bis zu 1000 Meter fallen die Steilwände des vor uns liegenden „Canyon des Oman“ in die Tiefe, die letzten Strahlen der Sonne tauchen alles in dramatisches Rot. Während die beiden Hoheiten 1986 mit dem Helikopter auf der Hochebene landeten, liegt hinter uns eine kurvige Anreise. Ausschließlich per Allrad geht es durch das zerklüftete Hajar-Gebirge, dessen Serpentinen sich von der Küste aus scheinbar endlos auf ein Hochplateau hinaufschlängeln. Haarnadelkurve um Haarnadelkurve schrauben wir uns hinauf. Die Aussicht verursacht unweigerlich Gänsehaut. Ebenso wie die Temperaturen dort oben, die liegen nämlich bei „nur“ rund 20 Grad – zum Wandern ideal. Unser Guide Maher wird uns begleiten. Wie alle Omanis trägt er zur Dishdasha eine bestickte Kumma, die traditionelle Kappe, sowie Sandalen. Ob er tatsächlich immer in Sandalen wandere? Ja, selbst den Jakobsweg, alles andere sei unbequem. Wir laufen zwischen Felsen, Rosen und Granatapfelbäumen. Bienen summen, in kleinen Kanälen am Wegesrand plätschert leise das Wasser. Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein schein: Hier oben leben auch mehr Ziegen als Menschen. Nach der Wanderung und kühlen Temperatur freuen wir uns auf den beheizten Whirlpool des Hotels. Herrlich!

Jebel Shams heißt der mit 3000 Metern höchste Berg des Landes. Teils bis zu 1000 Meter fallen die Steilwände hinab in den Wadi Nakha, den „Canyon des Oman“. (Foto: Ministry of Heritage & Tourism Sultanate of Oman (1))
Von März bis Mitte Mai blühen auf den Hängen des benachbarten Bergs Jebel Akhdar herrliche Damaszener-Rosen. Sie werden zu Rosenwasser destilliert. (Foto: iStock-MelanieMaya)

Unser Hoteltipp am Berg

Anantara Al Jabal Al Akhdar Egal, ob beim Schwimmen im beheizten Outdoor-Pool, beim Dinner im Restaurant oder vom großen, einladenden Bett unseres Zimmers aus – der Traumblick auf die umliegenden Gipfel und Schluchten des Hajar-Gebirges ist im Hotel „Anantara Al Jabal Al Akhdar“ stets inklusive. Doch auch wenn die Lage hoch oben auf dem Saiq-Plateau fast schon erhaben ist – das Haus gehört auf 2000 Metern Höhe zu den höchst gelegenen Luxusresorts der Welt –, überlassen die flachen, terrakottafarbenen Gebäude bewusst der Natur die Hauptrolle und fügen sich harmonisch in die Landschaft ein.
Man würde daher kaum vermuten, dass hier drei Restaurants, eines davon mit authentischer omanischer Küche, 116 Zimmer und Villen (teilweise mit eigenen Pools), sowie ein Gym, ein Kidsclub und ein Spa untergebracht sind.
Als ich nach einem spektakulären Sonnenuntergang am Diana’s Point (die britische Prinzessin war hier 1986) zum Spa schlendere, bin ich überwältigt. Sobald die letzten Sonnenstrahlen hinter den Felsen verschwinden, verwandelt sich das Resort in einen wundersamen Ort, der unweigerlich an Tausendundeine Nacht denken lässt.
Begleitet von sanft schimmernden Lichterketten, warmem Laternenlicht und dem Zirpen der Grillen, erreiche ich den Wellnessbereich, wo das leise Plätschern des Brunnens und der Duft von Bakhour-Räucherwerk meinen Puls spürbar verlangsamen. Einmal tief durchgeatmet, kann man hier nach Mini-Sauna und Dampfbad, bei Treatments wie dem „Rose Rescue Ritual“ mit Damaszener-Rosen sowie revitalisierenden Granatäpfeln vollkommen entspannen. Diese hat man sicherlich auch zuvor schon bei einer Wanderung durch die umliegenden Terrassen und Täler erspäht – nun entfalten sie ihre pflegende Wirkung in Form von Essenzen bei Fußbädern, Kopf- und Stressabbau-Massagen. Von Stress kann hier oben aber eigentlich kaum die Rede sein.

(Foto: Paul-Thuysbaert)

Was ist besonders: Der Blick von unserem Canyon View Room; die authentische Cuisine; das Aktivitätenprogramm mit geführter Wanderung.

Anantara Al Jabal al Akdhar
Zwei kurvenreiche Autostunden vom Flughafen entfernt liegt das Hotel in den Bergen. www.anantara.com
Ab 436 Euro/Nacht Ende April.


Wadizauber & Wüstenwunder

Naturfans aufgepasst. Im Oman gibt es etwas, das man sonst nur selten zu Gesicht bekommt, sogenannte Wadis. Dabei handelt es sich um Flussläufe, die sich in zerklüftete Gebirge hinein schlängeln und durch saisonal starken Regen prall gefüllt werden – wie natürliche Schwimmbecken mit herrlich türkisfarbenem Wasser. Im Schatten von Palmen und der orangefarbenen Felsformationen lässt es sich kilometerweit durch diese grünen Oasen wandern, in den Bädern planschen, enge Höhlen erkunden und kleine Wasserfälle hinabspringen. Abenteuer pur!
Die beiden bekanntesten Wadis Bani Khalid und Wadi Shab sollte man nach Möglichkeit in den frühen Morgenstunden besuchen, sonst ist man hier schnell nicht mehr allein. Und Achtung: Um die Gepflogenheiten des Landes zu wahren, schwimmt man hier mit Armen und Beinen bedeckt, Nacktbaden ist strikt verboten. Respekt gegenüber Kultur und Natur gehört hier ganz selbstverständlich dazu.
Jenseits der Oasen, im Landesinneren, wartet das radikale Kontrastprogramm: Weite Ebenen und Hügel in unzähligen Brauntönen im Wechsel, bis es bald noch karger wird. Auf uns und unsere Kinder wartet ein Wüstencamp in einem 12 000 Quadratkilometer großen Sandkasten, der Ramlat-Al-Wahiba-Wüste, besser bekannt als Wahiba Sands. Ist schon die Fahrt mit dem Jeep dorthin spektakulär, erwartet uns das eigentliche Highlight dann in der Dämmerung: Riesige Sandwellen bewegen sich, geformt vom Wind, der den Sand unaufhörlich vor sich hertreibt – fast wie die Gezeiten des Meeres. Die Farbpalette reicht von hellem Weiß bis zu tiefem Rostrot. Dazu dieses magische Wüstenlicht und ein gigantisches Sternenzelt.

Im Wüstensand lernt man, langsamer zu werden.


Omans Süden Dhofar

(Foto: iStock_Emran-Omar)

Dromedare marschieren hier im Süden in der Provinz Dhofar überall herum. Ob auf weiten Ebenen oder direkt an den blitzweißen Stränden, immer wieder begegnen uns die freundlich und gelassen dreinblickenden – und doch beeindruckend großen – Tiere. Sie gelten als liebstes Fleisch der Omaner – auch ihre Milch wird als wertvolle Delikatesse geschätzt. Schmeckt ein bisschen wie süßliche Ziegenmilch – und ist damit nicht unbedingt jedermanns Sache.
Anders der allgegenwärtige Duft von Weihrauch, der diese Region so unverwechselbar macht. Im „Anantara“ in Salalah erklärt man uns, wie das kostbare Harz gewonnen wird: Mit einem kleinen Messer wird der Stamm des Weihrauchbaums angeritzt, Harz tritt aus. Das weiße, milchige Harz wird getrocknet und zum Kauen oder Trinken verwendet – ihm werden entzündungshemmende, verdauungsfördernde und mundhygienische Eigenschaften nachgesagt. Das gelbliche Harz wird verbrannt und hüllt die Umgebung in den typisch warmen, schwer-aromatischen Rauch.
Typisch für diese Region ist auch das, was in Reisebroschüren gerne als „Karibik des Orients“ bezeichnet wird: Puderzucker-Sand, Kokospalmen und Wassertemperaturen bis 30 Grad. Hinzu kommt, dass man in vielen Buchten – etwa an der Traumküste von Al Fazaya – nahezu allein ist. Das ändert sich schlagartig, sobald die Dämmerung einsetzt. Dann suchen auch die Omanis die Strände auf und widmen sich ihrem liebsten Freizeitvergnügen: dem Picknick. Familientreffen und Grillparty in einem.

Unsere Hoteltipps im Süden

Crowne Plaza Resort Salalah Als in den 1970er-Jahren immer mehr Geschäftsreisende und Urlauber nach Salalah, der Hauptstadt der Provinz Dhofar, kamen, war es höchste Zeit für ein Hotel. Das damalige Holiday Inn wurde über die Jahre hinweg behutsam, aber umfassend renoviert und schließlich in das heutige „Crowne Plaza Salalah“ verwandelt. Geblieben ist dabei das Herzstück der Anlage: die weitläufige Gartenlandschaft mit ihren unzähligen Palmen, die bis heute zu den schönsten der Region zählt.
Direkt in den Sand gebaut, liegt das Hauptrestaurant, ein imposanter, lichtdurchfluteter Glasbau. Hier werden Frühstück und Abendessen angeboten. Oder man bestellt auf der Rooftop-Bar Pizza und Aperol, dessen Farbton sich erstaunlich perfekt an den abendlichen Himmel anpasst.
Entspannung bietet auch das neu gebaute „The Villa Spa“, das mit Tennis- und Paddle-Court sowie Gym und kleinem Saunabereich punktet. Auf dem Spa-Menü stehen Anwendungen wie „Wadi Darbat Mystique“ oder die „Oriental Element Jade Body Therapy“, bei denen Öle mit landestypischen Essenzen zum Einsatz kommen. Insgesamt verfügt das „Crowne Plaza“ über 153 Zimmer. Unser Tipp: eine der 19 modernen Villen direkt am Strand.

Was ist besonders: Die Kinderfreundlichkeit und Austattungen für Familien; Frühstück direkt am Meer; das neue Spa und Gym mit Tennis- und Paddlecourt.

Crown Plaza Resort Salalah
Von Muscat sind es 1,5 Flugstunden nach Salalah. www.ihg.com
Ab 190 Euro/Nacht Ende April.

Al Baleed Resort Salalah by Anantara Schon bei der Ankunft im 5-Sterne-Resort bei Salalah lesen uns die traditionell gekleideten Mitarbeiter jeden Wunsch von den Augen ab. Hier ein Hibiskus-Tee zur Erfrischung, dort ein liebevoll zusammengestelltes Spielepaket für die Kinder – und ja, die Villa ist bereits bezugsfertig, liegt direkt am Strand. Traumhaft! Zwischen unzähligen Kokospalmen verstecken sich die großzügig angelegten Villen, viele blickgeschützt und mit eigenem Pool. Ein Ort zum Faulenzen. Doch auch großartige Sehenswürdigkeiten liegen praktisch vor der Haustür. Das Resort ist direkter Nachbar des „Museum of Frankincense“ sowie der UNESCO-Welterbestätte Al Baleed – beide bieten interessante Einblicke in die Geschichte des Omans.
Nach einem Streifzug durch die antiken Ruinen lockt das Spa. Besonders authentisch wird das Erlebnis bei einem Hamam-Ritual: Umgeben von warmem Dampf lösen sich Verspannungen fast wie von selbst. Wer noch tiefer entspannen möchte, der bucht sich Behandlungen wie das „Frankincense Purification Ritual“ oder eine traditionelle Abhyanga-Ölmassage, bei der der Körper mit warmen, nährenden Ölen verwöhnt wird. Danach geht es ins „Mekong“- oder ins „Sakalan“-Restaurant, wo asiatische Gerichte oder indisch-arabische Küche serviert werden. Und die Zutaten dafür? Die stammen größtenteils aus der hauseigenen Gärtnerei: Kokosnüsse, Koriander, Tomaten und viele weitere Produkte wachsen direkt vor Ort.

(Foto: ORHAN KARADENIZ)

Was ist besonders: Die privaten Villen mit eigenem Pool; das Farm-to-Table-Konzept und vielfältige Kulinarik; die Lage direkt an der Unesco-Stätte Al Baleed; der hervorragende Service.

Al Baleed Resort Salalah
Mit einem Inlandsflug ab Muscat in 1,5 Stunden zu erreichen. www.anantara.com
Ab 390 Euro/Nacht Ende April.

Im Oman weben die Sonnenuntergänge Wandteppiche aus Gold

Alila Hinu Bay Ganz still für sich: Das „Alila Hinu Bay“ ist wie gemacht für alle, die der Zivilisation bewusst den Rücken kehren möchten. Nach etwa eineinhalb Stunden Fahrt ab Salalah erreicht man dieses abgeschiedene Juwel, das in eine Natur von fast archaischer Schönheit eingebettet ist. Vorne: das Meer. Seitlich: die Lagune. Dahinter: die schroffen Felsen des Dhofar-Gebirges. Und dazwischen: die flachen, dezenten Villen des Resorts, die bewusst weitläufig angeordnet sind, um Ruhe in den Geist und Bewegung in den Körper zu bringen. Aktivität ist hier tatsächlich ein zentrales Thema, das zeigt auch das Wochenprogramm: ob Paddeln auf der Lagune, Mountainbiken durch die Region, Tennisstunden oder Yoga am Strand – die Auswahl ist ebenso vielseitig wie naturnah. Wer es ruhiger angehen lassen möchte, der bucht eine Kulinarik-Session und lernt, wie heimischer Kaskaden-Tee oder ein Kamelmilch-Cocktail zubereitet werden – oder mischt sich im Wellnessbereich sein eigenes Naturkosmetik-Peeling. Doch Vorsicht: Das Spa will man nur ungern wieder verlassen, schließlich stehen Weihrauch-Wickel und Kokosnuss-Scrub auf dem Menü – einfach himmlisch!
Und den Rest des Tages? Verbummelt man mit Lesen oder dem süßen Nichtstun an einem der zwei Pools oder am Strand, bis die Sonne glutrot über der kargen Landschaft versinkt. Oder man genießt vor dem Dinner noch einen Sundowner auf den gemütlichen Terrassen-Sofas der beiden Restaurants – da möchten wir glatt länger bleiben als eigentlich geplant!

Was ist besonders: Die Lage fernab von Stadt und Trubel mitten im Nichts; die großzügige Anlage mit mehreren hervorragenden Restaurants; die vielen authentischen Aktivitäten, zum Beispiel Tea Class mit Weihrauch.

Alila Hinu Bay
Mit einem Inlandsflug ab Muscat in 1,5 Stunden zu erreichen, ab Salalah Airport 70 Autominuten. www.hyatt.com
Ab 243 Euro/Nacht Ende April


Buchtipp

Oman mag mitten in der Wüste liegen, öde und verstaubt ist hier aber nichts! Für atemberaubende Ausblicke mit dem Geländewagen über die rauen Gipfel des Hajar-Gebirges cruisen oder gemütlich durch die schattig-grünen Täler dazwischen wandern. Mit einem traditionellen Segelboot die traumhaften Fjorde Musandams erkunden oder zwischen den Höckern der Wüstenschiffe zu versteckten Oasen schaukeln. Mit den Tipps und Empfehlungen im Marco Polo Reiseführer Oman wird jeder Tag zu einem anderen Abenteuer – für einen einzigartigen Urlaub!
Marco Polo, 146 S., 15,95 €


Aufmacherbild: shutterstock_Stefano-De-Julis

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