Nachhaltigkeit sollte Teil der Hotel-DNA werden

Wer heute eine Reise tut, überlegt sich das ganz genau. Vor allem dann, wenn das ökologische Bewusstsein stark ausgeprägt ist, und Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz bereits im Alltag gelebt werden. Die zwei wichtigsten Fragen, die es zu beantworten gilt, sind das Wohin und Wie. Ist das geklärt, wird die Unterkunft genauer unter die Lupe genommen. Wie hält es das Wellnesshotel mit der Nachhaltigkeit? Wie grün, clean oder bio ist das Konzept, und zwar vom Personal, der Küche bis zum Spa? In einer Studie von booking.com aus dem Jahr 2022 gaben 78 Prozent der Befragten (29 349 Befragte aus 30 Ländern) an, dass sie beabsichtigen, im nächsten Jahr mindestens einmal eine nachhaltige Unterkunft zu buchen. Dies war ein leichter Rückgang gegenüber 2021, aber ein Anstieg gegenüber 2020, was einen allgemeinen Aufwärtstrend hin zu einer größeren Bereitschaft der Reisenden zeigt, nachhaltige Unterkunftsmöglichkeiten zu suchen. Dieser positive Trend beschränkt sich nicht nur auf die ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch auf die lokale Wirtschaft und Kultur.

Ganzheitlich herangehen

,,Um mit dem eigenen Business- Modell in Zukunft erfolgreich zu sein, wird eine ganzheitliche Herangehensweise entlang der gesamten Wertschöpfungskette immer wichtiger“, weiß Mirja Eckert, Expertin für Nachhaltigkeit, Megatrends und zukunftsrelevante Lebensweisen bei The New. Punktuelle Aktivitäten werden ihres Erachtens von transparentem Nachhaltigkeitsmanagement abgelöst, das auch messbare Kriterien beinhaltet und die gesamte Belegschaft miteinbezieht.
,,Letztendlich schätzen auch die Kunden bzw. Hotelgäste glaubwürdig stimmige grüne Konzepte – vor allem solche, die in besonderem Maße auf ihren Lebensstil einzahlen“, ergänzt die Expertin Mirja Eckert.
Die Themen Umwelt- und Klimaschutz haben also auch in der Hotellerie weiter an Bedeutung gewonnen. Verbraucher und Gäste sind nicht nur kritischer und sensibler geworden, sie sind auch besser informiert als noch vor ein paar Jahren und engagieren sich im privaten Bereich oft selbst nachhaltig für unsere Umwelt. Ein gesundes Umwelt-Engagement ist mittlerweile für viele Gäste ein ausschlaggebendes Kriterium und Qualitätsmerkmal für die Wahl eines Hotels. Nachhaltigkeit in der Hotellerie heißt nicht nur, auf Einwegverpackungen beim Frühstück zu verzichten. Nachhaltigkeit sollte Teil der Identität werden, die von der Hotelleitung vorgelebt wird und sich auf alle Bereiche auswirkt. Sich dem Thema Nachhaltigkeit zu verschreiben, bedeutet keineswegs ein Mehr an Kosten. Im Gegenteil. Wenn Hotels grüner werden, schaden sie der Umwelt weniger, senken ihre Kosten und gewinnen das Wohlwollen ihrer Gäste und erzielen so auch mehr Wachstum.
Immer mehr Verbraucher suchen nach umweltfreundlichen Unternehmen und sind bereit, mehr für diese Produkte und Dienstleistungen zu zahlen. Einer von drei Verbrauchern bevorzugt nachhaltige Marken, und die Reisebranche nimmt dies zur Kenntnis.
TripAdvisor zum Beispiel hat sein GreenLeaders-Programm entwickelt, das gewissenhaften Reisenden Hotels mit umweltfreundlichen Best Practices vorstellt, wie etwa Hotels, die mit LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) grüner werden.
Das fängt bei der sinnvollen Nutzung von Energie- und Wasserressourcen an, und hört bei der Vermeidung von Plastik aller Art und den Ammenities in den Zimmer längst nicht auf.

Wasser sparen im Bad

Apropos: Heute erwartet kein Gast mehr die hübschen kleinen (Marken-)Shampoos und Seifen im Badezimmer, sondern er hebt den Daumen, wenn er in der Dusche Shampoo und Duschgel im Pumpspender vorfindet, am liebsten natürliche und biologische Seifen und Shampoos aus freiem Handel in biologisch abbaubaren Verpackungen, die von zertifizierten grünen Herstellern stammen. Denn auch dieser Trend hin zu mehr Natur in der Kosmetik, kann von den Hoteliers aufgegriffen und leicht umgesetzt werden, im Zimmer und im Spa. Laut Naturkosmetik Branchenmonitor The New (www.thenew.online) entscheidet sich heutzutage jeder dritte Kosmetikkunde in Deutschland für den Kauf von Naturkosmetik.

Kluge Technik

Bleiben wir im Badezimmer: Pluspunkte gibt es vom Gast auch dafür, dass die Handtücher tatsächlich nicht jeden Tag ausgetauscht werden, und das nicht nur pro forma auf einem Kärtchen neben dem Waschbecken so angegeben wird. Denn allein das Waschen von 10 Kilo Handtüchern verbraucht mindestens 50 Liter Wasser und 1,2 Kilowattstunde Strom. Diese CO2-Belastung lässt sich deutlich reduzieren. Das Bad lässt sich aber noch grüner machen und noch mehr Energie und Ressourcen einsparen: Etwa durch spezielle Perlatoren an den Wasserhähnen und einem reduzierten Wasserdurchfluss durch die Duschköpfe oder intelligente Duschen, die die Duschdauer auf eine voreingestellte Zeit begrenzen und die Nutzer alarmieren, wenn ihre Zeit fast abgelaufen ist. Kluge Systeme von Zimmersensoren lassen sich auch für die Gästezimmer nutzen: Sie erkennen automatisch die Lichtverhältnisse und erhöhen oder reduzieren die Helligkeit der Leuchtmittel. Thermostate mit Anwesenheitssensoren passen die Temperatur von Heizung und Klimaanlage an. Mithilfe der Internet of Things (IoT)-Technologie können diese Zimmereinrichtungen mit Apps verbunden werden, sodass Gäste die Einstellungen aus der Ferne ändern können.


Naturkosmetik
In Bezug auf Kosmetik genießt Deutschland ein sehr gutes Image, es gehört zu den größten Naturkosmetikmärkten der Welt. Laut dem Naturkosmetik Branchenmonitor von The New wurden in 2021 mehr als 1,48 Mrd. Euro am Gesamtmarkt für Körper- und Schönheitspflege umgesetzt. Weitere wichtige Fakten:

  • In Deutschland entscheidet sich heutzutage jeder dritte Kosmetikkunde für den Kauf von Naturkosmetik.
  • Außerdem: Rund 1/3 der Naturkosmetikkäufer sind Millenials und jünger
  • Allein im Jahr 2021 konnten über 1,6 Mio. zusätzliche Käufer bei Naturkosmetik hinzugewonnen werden.

Quelle: Naturkosmetik Branchenmonitor The New


Nachhaltigkeit kommunizieren

Wer also in Sachen Nachhaltigkeit und CO2-Fußabdruck in allen Bereichen seines Hotels schon gut aufgestellt ist, sollte das seine Gäste auch wissen lassen, auch die zukünftigen. Dafür gibt es verschiedene Zertifizierungsmöglichkeiten und Hotel-Kooperationen. Etwa die Bio Hotels, Pionier für nachhaltigen Hotelurlaub und heute eine der nachhaltigsten Hotelvereinigungen am Markt (www.biohotels.info), das Zertifizierungsinstitut GreenSign (www.greensign.de), die Green Pearls, weltweit führende Datenquelle für nachhaltige Plätze (www.greenpearls.com) oder Viabono, eine unabhängige Fachorganisation für Umwelt- oder Nachhaltigkeitszertifizierungen in der Freizeit- und Tourismusbranche.


„GreenSign Talks“: Das GreenSign Institut ist mit einem eigenen Podcast gestartet. Gehostet wird der Podcast von Darlene Schwabroch, Business Development Managerin. Sie wird im Podcast Persönlichkeiten aus der nachhaltigen Hospitality vorstellen und inspirierende Erfolgsgeschichten präsentieren. Dabei geht es in den knapp einstündigen Gesprächen um Klimaschutz, Achtsamkeit und soziale Gerechtigkeit. www.greensign.de/podcast/