Die 24. Ausgabe der Pitti Fragranze (11.–13. September 2026, Stazione Leopolda, Florenz) zeigte eindrucksvoll, wie sich die Nischenparfümerie zwischen kreativer Ausdrucksform und wettbewerbsintensiver Wirtschaftslandschaft bewegt.
Mit 290 Ausstellern und mehr als 2.200 Fachbesuchern – darunter knapp 600 internationale Retailer aus über 50 Ländern – unterstrich die Florentiner Messe erneut ihre internationale Bedeutung.
Von internationalen Trend-Talks bis zu sozialem Engagement
Das vielschichtige Rahmenprogramm der Stazione Leopolda bot Raum für fachlichen Tiefgang, Inspiration und internationalen Austausch. Neben internationalen Highlights und englischsprachigen Panels gab es spezialisierte italienische Fachdiskussionen, die sich mit dem heimischen Markt und handwerklichen Traditionen auseinandersetzten.
Zu den inhaltlichen Höhepunkten gehörten Talks wie „The Future of Niche Perfumery: Storytelling and Identity“, die Präsentationen des Dufthauses Mane sowie die Einblicke von Master Perfumer Daniela Andrier. Ergänzt wurde das Programm durch zahlreiche Präsentationen der ausstellenden Marken und das von Paola Gariboldi und Silvia Manzoni kuratierte Talkprogramm.
Auch das malerische Florenz wurde in die Messeaktivitäten einbezogen: Auf Initiative von dsm-firmenich und The Colors – einer Plattform für multikulturelle Perspektiven in der Beautybranche – stellte Principal Perfumer Sophie Labbé Düfte aus der Ausstellung „Scent of Italy“ vor. Flankiert wurde die Reise vom Magazin Nez als Herausgeber der Begleitpublikation, Misitano & Stracuzzi mit sizilianischen Zitrusölen sowie dem ghanaischen Luxus-Nischenhaus Scent of Africa, das afrikanische Rohstoffe und Kultur in moderne Duftkunst übersetzt. Wie Duftkunst gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, beleuchtete Chrystele Vonthron (UNFPA) mit ihrem Beitrag zur Initiative „Fragrance for Impact“.
Für ein starkes Zeichen traditioneller Parfümkunst und den Generationenwechsel stand die Präsentation des neuen Eau de Parfum „Vol d’Abaris“ der Maison Lorenzo Villoresi – der Premierenkreation von Alessandro Villoresi, der nach seinem Studium in Grasse gemeinsam mit seinem Vater Lorenzo das Erbe des Hauses weiterführt.
What’s retail got to do with it? O-Töne aus der Handelspraxis
Dass die Messe auch Antworten auf konkrete Zukunftsfragen des Fachhandels liefert, spiegelte sich im Feedback der Fachbesucher wider. Drei Aspekte standen dabei besonders im Vordergrund: Profilierung, Inspiration und Verbindung.
Profilierung:
Die Entdeckung exklusiver Nischenmarken eröffnet dem Fachhandel Möglichkeiten, das eigene Sortiment vom Massenmarkt abzugrenzen und eine eigenständige Positionierung zu entwickeln.
Inspiration:
Der direkte Einblick in neue Duftarchitekturen und ganzheitliche Konzepte liefert Impulse für Präsentation, Beratung und Verkauf.
Verbindung:
Die konzentrierte, persönliche Atmosphäre der Messe schafft Raum für den Dialog zwischen Händlern, Parfumeuren und Marken und damit für neue Kontakte und geschäftliche Perspektiven.
Wie sich diese Aspekte aus Sicht des Handels darstellen, unterstreichen die Stimmen zweier Branchenexperten. Mathias Bauch, Lubner Parfums, Hamburg / Berlin, erlebte die Messe als angenehm entzerrt, familiär und nahbar. Die Kreativität der Branche wirke schier unerschöpflich. Wenn Nischenparfümerien global teilweise ähnliche Sortimente führten, liege das aus seiner Sicht jedenfalls nicht an mangelnden Alternativen. Möglichkeiten zur klaren Abgrenzung und eigenen Profilierung seien auf der Messe reichlich vorhanden – man müsse sie nur entdecken.
„Die Pitti Fragranze bietet uns als Fachhändlern genau die Nahbarkeit und Fülle an kreativen Ideen, die wir brauchen, um dem Einheitsbrei zu entkommen und unser Sortiment mit echter Haltung scharf zu profilieren.“
Anne Gallwé, Anne Gallwé Beauty, Aachen, zeigte sich besonders angetan von den Impulsen junger südkoreanischer Häuser und vom Wandel der Duftarchitekturen. Kühle, transparente, luftige und mineralische Interpretationen seien stärker präsent, während klassische Rohstoffe keineswegs verschwänden, sondern neu und überraschend codiert würden. Zugleich rücke das Gesamtkonzept eines Duftes stärker in den Vordergrund.
Ihr persönliches Fazit bringt den Florentiner Messegeist auf den Punkt: „Hier in Florenz erleben wir hautnah, wie aufregend und neu Duftarchitektur gedacht werden kann – für mich das beste Beispiel dafür, dass auf dieser Messe echte Individualität statt einheitlichem Duftdiktat regiert.“ Dr. Bodo Kubartz

Impressionen von der Pitti Fragranze





Bilder: Bodo Kubartz, Pitti Fragranze





