Im Gespräch mit Julien Gentle, seit 2023 Chef de Concierge im Hotel de Rome in Berlin. Seine Auslandserfahrung in Madrid und Boston sowie seine Berlin-Expertise machen den 35-jährigen Deutsch-Amerikaner Julien Gentle zum idealen Ansprechpartner für internationale Gäste. Der goldene Schlüssel am Revers weist darauf hin, dass Julien Gentle Mitglied der renommierten Concierge-Vereinigung Les Clefs d’Or ist.


Herr Gentle, in einem Luxushotel gibt es unendlich viele Berufe und Aufgaben. Warum haben Sie sich dazu entschieden, Concierge zu werden?
Er vereint viele Berufe und Aufgaben in einer einzigen Position. Ich bin eher zufällig in diesen Beruf hineingestolpert. Während meiner Ausbildung hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Abteilungen kennenzulernen. An der Aufgabe des Concierge hat mich die Vielfalt am meisten fasziniert.
Jeder Tag fühlt sich ein wenig wie eine Premiere an, denn man weiß nie, welche Frage oder welcher Wunsch als Nächstes kommt. Mal ist man Historiker, mal Stilberater, Stadtführer oder auch einfach ein vertrauensvoller Zuhörer. Genau das macht den Beruf so besonders. Einen Gast mit einer passgenauen Empfehlung zu begeistern oder einen Herzenswunsch zu erfüllen, ist für mich die größte Belohnung.

Sie sind im Berliner Hotel de Rome Concierge und Mitglied der renommierten Vereinigung Les Clefs d’Or („Die Goldenen Schlüssel“). Wie bekommt man diese hohe Auszeichnung?
Der wichtigste Schritt ist, Geduld, Leidenschaft und Wissbegierde zu bewahren. Für eine Mitgliedschaft bei Les Clefs d’Or muss man mindestens fünf Jahre in der Hotellerie tätig sein, davon mindestens zwei Jahre als Concierge.
Zusätzlich benötigt man die Empfehlung von zwei Mitgliedern der Vereinigung. Der Aufnahmeprozess unterscheidet sich je nach Land. Bei mir vergingen von Beginn meiner Ausbildung bis zur Aufnahme bei Les Clefs d’Or insgesamt sieben Jahre. Diese Auszeichnung ist das Ergebnis kontinuierlicher Erfahrung, eines starken Netzwerks und echter Leidenschaft für den Beruf.

Das Hotel de Rome in Berlin
Die Lobby (Fotos: Hotel Photography srl)

Kann man sich Ihren Job – mit einem Augenzwinkern – vorstellen wie in dem wunderbaren Film „Grand Budapest Hotel“?
„Grand Budapest Hotel“ gehört neben „Ein Concierge zum Verlieben“ tatsächlich zu den Filmen, die viele Concierges besonders schätzen. Und Ja, so ähnlich kann man es sich durchaus vorstellen. Unser internationales Motto lautet „In Service Through Friendship“– Dienstleistung durch Freundschaft. Diesen Gedanken leben wir jeden Tag. Wir teilen Wissen, Erfahrungen und Kontakte, unterstützen uns gegenseitig und helfen auch dann weiter, wenn eine Anfrage besonders anspruchsvoll ist. Es kommt regelmäßig vor, dass ich Concierges in anderen Hotels anrufe oder anschreibe, um Rat oder Unterstützung einzuholen.

Verstehen Sie sich eher als Highend-Wünscheerfüller oder -problemlöser?
In erster Linie verstehe ich mich als Gastgeber. Gleichzeitig gehört es zu unserem Beruf, Lösungen zu finden und Dinge möglich zu machen. Ob es darum geht, einen besonderen Wunsch zu erfüllen oder eine unerwartete Herausforderung zu meistern – genau darin liegt für mich der Reiz des Concierge-Berufs.
Es gibt kaum etwas Schöneres, als einem Gast nach einem Gespräch sagen zu können: „Darum kümmere ich mich.“ Genau in diesen Momenten beginnt oft die spannendste Seite unserer Arbeit.

Welche Ihrer Stärken kommt Ihnen bei Ihrem Job besonders zugute?
Meine größte Stärke ist die Neugier. Ich interessiere mich für Kunst, Kultur, Geschichte, Mode, Politik und vor allem für Menschen. Denn je mehr man über die Welt und ihre unterschiedlichen Facetten weiß, desto besser kann man die Bedürfnisse seiner Gäste verstehen. Kreativität und Lösungsorientierung sind ebenfalls unverzichtbar. Und jede zusätzliche Sprache eröffnet neue Möglichkeiten.

Was war der bisher ungewöhnlichste Wunsch, mit dem ein Gast zu Ihnen kam?
Wenn man diesen Beruf lange genug ausübt, verliert der Begriff „ungewöhnlich“ irgendwann an Bedeutung. Es gibt lediglich Anfragen, die etwas mehr Kreativität oder zusätzliche Telefonate erfordern.
Deshalb hat es mich auch nicht überrascht, als ein Gast darauf bestand, für sein Stofftier einen Business-Class-Sitz nach New York zu buchen. Solche besonderen Wünsche gehören manchmal einfach zum Alltag eines Concierges dazu.


In jeder Ausgabe von SPA inside stellen wir inspirierende Menschen vor.