Ein tausend Jahre altes Castello, 1500 Hektar Natur und Graf Benedikt Bolza und seine Familie mit ihrer ganz eigenen Vorstellung vom guten Leben. An der Grenze zwischen Umbrien und der Toskana ist daraus ein außergewöhnliches Zuhause auf Zeit geworden.
Auf der Terrasse des Ristorante Al Castello schweift der Blick über das Reschio Estate und die sanften Hügel. Das Licht wird weicher, der Duft der Feigenbäume mischt sich in die warme Abendluft, kleine Lampen leuchten auf den weiß gedeckten Tischen. Rundherum hört man Englisch, Italienisch und Französisch. Zum Auftakt kommt eine warme Suppe im Porzellankännchen, die die Verdauung anregen soll, danach ein feines Menü mit Zutaten aus dem eigenen Garten und der Region. Später trifft man sich zum Digestif am Feuer und kommt ins Gespräch. „Unsere Gäste sind unsere Familie“, sagt Graf Benedikt Bolza. Tatsächlich kennt man nach wenigen Tagen Gesichter und Namen und hat längst seine Lieblingsplätze im Haus.
Sein Vater, Graf Antonio Bolza, kaufte das rund 1500 Hektar große Anwesen in den 1990er-Jahren. Benedikt, Architekt und Designer, begann 1999, die verfallenen Bauernhäuser zu restaurieren. Sein Meisterstück ist das Castello von 1050, in dem er zuvor mit seiner Frau Nencia und den fünf Kindern gelebt hatte. 2021 öffnete es als Hotel.
Benedikt Bolzas Handschrift ist überall. Kein Zimmer gleicht dem anderen, Antiquitäten stehen neben eigens entworfenen Möbeln, Marmor, Messing und feinste Stoffe bestimmen das Bild. Ein altes Objekt müsse jedem Raum „ein Stück Seele“ geben, findet Bolza. Auf dem Zimmer liegen ein Büchlein für eigene Gedanken und duftendes Badeöl bereit. Im Boot Room, dem traditionellen Stiefelraum des Hauses, werden morgens zwischen Kamin und Gummistiefeln die Blumenarrangements für Zimmer und Salons gebunden.




Bis ins kleinste Detail
Herzstück des Castello ist der Palm Court, ein eleganter Salon im Innenhof unter einer hohen Eisen-Glas-Konstruktion. Palmen, alte Porträts und Art-déco-Flair prägen den Raum, abends spielt das Piano. Tief unter dem Castello liegt das Badehaus in den ehemaligen Weinkellern mit Salzwasserwanne, Hamam und Sauna. Mein Baderitual begann zuvor mit „Pilates and Lymphatic Connection“ in der kleinen ehemaligen Kirche San Michele. Yoga, Pilates und besondere Treatments finden dort statt. Tennis, Bogenschießen und ein herrlicher Pool unter Pinien sorgen für Abwechslung. Vor allem aber gehören Pferde zu Reschio. Die Reitkultur ist eine Passion der Familie, Stallungen und Reitanlage entsprechend eindrucksvoll.
Charmant sind auch die „Household Habits“. An einem Tag töpfere ich mit anderen Gästen, am nächsten wird gestickt. Auch Papiermarmorieren oder Buchbinden stehen auf dem Programm.
Am Abend sieht man sich im Ristorante Alle Scuderie wieder, unter hohen Kentia-Palmen, auf der Terrasse oder an der langen Marmorbar. Man isst, trinkt, erzählt und verabschiedet sich irgendwann wie unter Freunden. Vielleicht ist genau das die Idee von Familie Bolza: Reschio ist ihre sehr persönliche Vorstellung davon, wie man leben und Gäste empfangen möchte. Für ein paar Tage darf man einfach dazugehören.

Reschio
Der Regionalflughafen Perugia ist zirka 40 Fahrminuten entfernt. Alternativ über Florenz, Pisa oder Rom. Transfers organisiert das Hotel. www.reschio.com
Zimmer ab 1115 Euro pro Nacht inklusive Frühstück. Mindestaufenthalt zwei Nächte.
Aufmacherbild: Philip Vile)
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