Wellen rauschen, Möwen krächzen. Der Wind pfeift rau um die Ohren. Die Uhren ticken langsamer entlang der Küste. Bleibt mehr Zeit also, um einsame Sandstrände und quirlige Seebäder zu erkunden.

Es ist ja nur ein Gedankenspiel. Einmal von Dänemark bis Polen, mit Tempo 50 im Schnitt, immer am Ostseewasser entlang: Zwei volle Tage würde die Strecke dauern, ein kurvenreicher Trip quer durch den Norden des Landes. Flensburg im Westen als Startpunkt, Usedom in Mecklenburg-Vorpommern als Ziel. Was für eine Tour! Knapp 2250 Kilometer Küste wären zu bewältigen – so viel Kontakt hat die Ostsee nämlich mit dem deutschen Festland, aber auch zu den Bodden, rund um alle Inseln und an den Förden Schleswig-Holsteins. Doch ganz ehrlich: Es wäre viel zu schade, alles nur abzufahren – und nicht mindestens in jedem zweiten Ort zu verweilen.

Die Ostsee – was für ein Meer! 412 500 Quadratkilometer groß und bis zu 460 Meter tief. Ein Magnet, der Gäste seit dem 19. Jahrhundert anzieht. Und es werden ständig mehr.
Mecklenburg-Vorpommern, zu dem mehr als drei Viertel der deutschen Ostseeküste gehören, hat im Vorjahr einen neuen Urlauberrekord verbucht. Fast 31 Millionen Übernachtungen! Der Großteil kommt aus dem eigenen Land, weit abgeschlagen Dänen, Schweden, Niederländer und Schweizer. Was sie alle hier suchen? Vielleicht das sanfte Rauschen der Wellen. Vielleicht die Schiffstour durch raue Winde. Oder Kultur, Sport, Unterhaltung. Von allem gibt es mehr als genug.
Beginnen wir die Küstenreise also kurz hinter Dänemark. In Schleswig-Holstein, zwischen Flensburger Förde und der Lübecker Bucht, gibt es allein 80 Strände. Es locken Steilküsten und hübsche Strandpromenaden, dazu landeinwärts Seen, Wälder, hügelige Weiden. Gleich nebenan, in Mecklenburg, hat der Küstenurlaub eine besonders lange Tradition. Denn in Heiligendamm, der „weißen Stadt am Meer“, wurde 1793 das erste deutsche Seebad gegründet. Es war der Grundstein für den Badetourismus. Wer romantische Fischerorte und mondäne Seebäder liebt, dazu alte Bauerndörfer und mittelalterliche Städte, ist hier richtig.


Stolze Hansestädte und romantische Alleen

Weiter westwärts geht die Küste hinter Rostock in die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst über. Dort in Ahrenshoop, der Künstlerkolonie, liegt die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Bei Barth führt eine kleine Brücke zurück aufs Festland, wo die Landstraße bis Stralsund schon wartet. Eine Stunde noch, dann ist die stolze Hansestadt mit ihren markanten Türmen zu sehen. Direkt dahinter spannt sich eine riesige Brücke über den Strelasund: das Tor zur Insel Rügen. Alte Buchenwälder, romantische Alleen mit Pflastersteinen, Hiddensee und das noch viel kleinere und ganz stille Inselchen Ummanz liegen gleich nebenan. Vergessen Sie das sonnenreiche Usedom nicht auf Ihrer Reise, es
ist die letzte Etappe auf dem Trip von West nach Ost. Und planen Sie viel Zeit ein, denn es gibt im Norden so viel zu entdecken. SPA inside bringt Sie an die schönsten Orte.

HÜHNERGOTT & FEUERSTEIN – Der Schatz vom Strand ist ein beliebtes Ostsee-Mitbringsel

Vorsicht, nicht stolpern. Typisches Bild am Ostseestrand: Mit den Augen nach unten laufen Urlauber durch den Sand. Mal wird ein Stein hier aufgehoben, dann dort, oft wieder weggelegt. Doch manchmal ist das Fundstück tatsächlich ganz besonders: ein Hühnergott nämlich. Der hat mit Hühnern und Göttern recht wenig zu tun. So werden vielmehr Feuersteine genannt, Kieselgesteine also, die ein Loch haben – entstanden dank Seeigel und Co, die vor vielen Jahren eingeschlossen worden waren. Glücksbringer für die Hosentasche!

SPROTTE, HERING & CO. – Aus dem Meer frisch auf den Tisch

Er ist der Klassiker auf den Speisekarten an der Küste – aber wer weiß, wie lange noch. Weil der Ostseehering als gefährdet gilt, wurden die Fangquoten deutlich herabgesetzt. Zu finden ist er dennoch in den Restaurants – und lecker in allen Variationen. Probieren Sie auch die anderen Schätze der Ostsee, die morgens fangfrisch am Strand verkauft werden. Dorsch etwa (in der Nordsee heißt er Kabeljau), Sprotten, Plattfische oder Seelachs – köstlich!

THALASSO – Wohlfühlen mit der Kraft des Wassers

Schon die alten Griechen vertrauten darauf: Die Thalassotherapie (thalassa heißt auf griechisch Meer) setzt auf ganzheitliches Wohlbefinden mit der Kraft des Wassers. Und weil die Ostsee vor der Haustür liegt, bieten viele Spas und Wellnesshotels die besonderen Behandlungen an. Genutzt werden Mineralien, Salze, Sand, Algen oder
Plankton. Es gibt reine Bäder, Packungen, sanfte Peelings oder entspannende Massagen für den ganzen Körper. Im Hotel Neptun (www.hotel-neptun.de) an der Strandpromenade
in Warnemünde kümmert sich eine Thalasso-Ärztin ums Wohl der Gäste. Das Wasser wird direkt aus der Ostsee unterirdisch ins Hotel gepumpt. Im Thalasso-Zentrum des Maritim-Hotels Kaiserhof auf Usedom (www.maritim-usedom.de) kommen 80 verschiedene Algenarten bei Behandlungen zum Einsatz. Das Thalasso-Zentrum im A-Rosa Travemünde
http://www.a-rosa-resorts.de(www.a-rosa-resorts.de) bietet u. a. Meeressalzpeelings.

Unserer Hotel-Tipps für die Ostsee:

Das komplette Special über die Ostsee inklusive Vorstellung der Hotels und Reisetipps wurde in SPA inside 5/2019 veröffentlicht – die auch als E-Paper erhältlich ist!

c)Oliver Franke