Wer wissen möchte, ob er fürs Klettern geeignet ist und ihm der Sport überhaupt Spaß macht, der fährt zum Beispiel nach Frankreich. Genauer: in den Wald nahe Paris – keine Stunde mit dem Auto von der Hauptstadt entfernt. Fontainebleau heißt das Kleinstädtchen im Département Seine-et-Marne, das in der Klettererszene einen fast schon magischen Ruf genießt. Es gilt nicht nur als Wiege des Boulderns, sondern als eines der größten Bouldergebiete weltweit. Bouldern? Das ist wie Klettern – nur ganz ohne Seil und Haken als Absicherung, allenfalls mit einer Matte. Dafür in so niedriger Höhe, dass auch bei einem Sturz nichts passieren kann. Und das wiederum macht Bouldern einerseits zum Einstieg in den Klettersport ideal. Andererseits ist es auch als eigenständige Klettervariante beliebt – und dank verschiedener Schwierigkeitsgrade mindestens ebenso herausfordernd.

Zurück nach Fontainebleau: 25 000 Hektar umfasst das Boulder-Areal – ein riesiges Gebiet voller markanter grauer Sandsteinhügel. Jedes Wochenende herrscht hier Hochbetrieb. Und das schon seit einer ganzen Weile. Früher galt die Region als perfekter Ort für professionelle Bergsteiger, die sich – quasi im Trockentraining – auf ihre Touren vorbereiten wollten. Doch spätestens seit der Jahrtausendwende ist das Klettern im Freizeitsportbereich angekommen. Und boomt, was das Zeug hält. Der Deutsche Alpenverein (DAV) freut sich über stetig kletternde Mitgliedszahlen; aktuell sind 1,3 Millionen Deutsche dort angemeldet. Nur leicht ist der Überschuss an Männern: Immerhin fast 42 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Nicht weniger erstaunlich ist das Alter der Mitglieder: Ein Viertel ist keine 26 Jahre alt, ein Fünftel sogar älter als 60 Jahre. Ein Volkssport also für (fast) Jedermann. Und längst (nicht nur) eine Herausforderung für Arm- und Beinmuskeln.

Rohe Kraft ist nicht gefragt

„Beim Klettern ist Kraft nicht alles – aber ohne Kraft ist halt alles nichts“, formuliert es Markus Stadler. Er ist Autor diverser Kletterführer und geht selbst mit Begeisterung regelmäßig in die Berge. Auf seinem Blog (www.stadler-markus.de) nimmt der Rosenheimer nicht nur Klettergebiete unter die Lupe und stellt Touren vor, sondern gibt auch Tipps fürs richtige Training. Etwa, dass es an steilen Bergen auf Fingerkraft ankommt, bei stark überhängendem Gelände dagegen eher Oberarme und Körperspannung entscheidend sind. Wer Stichworte wie Maximalkraft und Kraftausdauer hört, kann es zumindest ahnen: Klettern ist längst nicht nur von Muskeln abhängig, sondern setzt auch auf Köpfchen – was es zu einem äußerst vielseitigen Sport macht. Rohe Kraft hingegen ist nicht gefragt, stattdessen das Verhältnis von Kraft zu Körpergewicht und Geschicklichkeit. Besonders Mädchen können beim Sportklettern deshalb schnell gute Erfolge erzielen, sagt der DAV. Ohne die richtige Motivation und Ausdauer ist allerdings nicht viel zu holen. Mit einem Trainer an der Seite sind viele Kniffe schneller zu erlernen. „Klettern birgt Risiken“, warnt nicht ohne Grund der Deutsche Alpinverein. Wer gerade beim alpinen Sport in den Bergen die Sicherungstechnik nicht ausreichend beherrscht, dem drohen ernsthafte Verletzungen.

Klettern wird olympisch

Vom Einsteiger zum Profi in kurzer Zeit: Das ist tatsächlich beim Klettern möglich. Und geht heute viel schneller als noch vor gut zehn Jahren, wie die Experten beim Deutschen Alpenverein feststellen. Als Gründe führen sie an, dass das Material stets besser wird, ebenso die Trainingsmöglichkeiten. Und nicht zuletzt das Selbstverständnis: Früher stand Klettern fast ausschließlich für Abenteuer und Naturerlebnis. Heute ist die sportliche Komponente mindestens ebenso wichtig. Für noch mehr Öffentlichkeit werden die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sorgen: Sportklettern ist in deren Programm aufgenommen worden. Und wird garantiert noch ein paar Fans mehr finden – ob unter freiem Himmel oder Indoor.

Halle statt Berge

Alles fest im Griff Kein Steinschlag, kein plötzlicher Wetterumschwung, keine Griffe, die ausbrechen können: Gefahren des Felskletterns spielen in den Kletterhallen keine Rolle. Noch vor ein paar Jahren galt das Hallenklettern allenfalls als Training für die großen Wände in den Bergen oder für den Wettkampf. Inzwischen ist es jedoch eigenständig und wohl einer der Gründe, warum immer mehr Menschen Klettern als Hobby entdecken. Ganz wichtig: Ob Klettern oder Bouldern – auch in der Halle ist der Sport nicht gänzlich ungefährlich. Sofern die Regeln, die der DAV in Abständen
auf den neuesten Stand bringt, eingehalten werden, ist Klettern jedoch ein sicherer Sport, der auch noch Spaß macht.

Eine Übersicht über Indoor-Klettermöglichkeiten hat der Deutsche Alpenverein auf seinem Onlineportal zusammengetragen. Sie wird regelmäßig aktualisiert. Alle DAV-Kletteranlagen und die meisten kommerziellen Häuser: www.alpenverein.de/DAV-Services/Kletterhallen-Suche

Damit meistern Sie jeden Berg:

Mit Köpfchen Da rutscht und wackelt nichts: Aus Bio-Baumwolle (mit vier Prozent Elasthan) ist das schicke T-Shirt des Labels Black Diamond. Das BD Idea Tee kommt in Slim-Passform und liegt dadurch einerseits eng am Körper an, lässt aber dennoch genügend Spielraum, um auch in schwierigem Gelände nicht einzuengen. Farbe: senfgelb und weiß. Ca. 35 Euro. www.blackdiamondequipment.com
Für drinnen und draußen Schick und äußerst praktisch sind die Kletterhosen des Kölner Labels Jung – und noch dazu aus BioBaumwolle und nachhaltig produziert. Zudem werden sie nur in limitierter Auflage verkauft. Die Hose ist dünn, dennoch abriebstark und reißfest zugleich. Beim Modell Fritzi (unter anderem in den Farben nachtblau und fels) geben der elastische, extrabreite Bund und die weiten Beine optimale Bewegungsfreiheit. 110 Euro. www.jung-ware.de

 

Macht Laune Kein Berg ist für den Kletterschuh La Sportiva Skwama zu steil. Meistert selbst schwierige Züge und sieht dennoch hipp aus – zum Beispiel in Schwarz und Gelb. Die weiche Sohlenkonstruktion gibt ein hervorragendes Gefühl für den Untergrund. Der Gummi ist griffig und gibt so Sicherheit. Für Bouldern und Sportklettern. 139 www.lasportiva.com

Der komplette Artikel übers Klettern aus der SPA inside (September/Oktober 2017) ist auch als E-Paper erhältlich.

Titelbild: 123rf_Alexey Poprotsky