Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Diese Weisheit von Friedrich Schiller gilt auch für den Golfsport. Je früher man mit dem Training beginnt, desto besser. Doch Kinder sollten dabei keinesfalls überfordert werden.

golf_sebastian_starkEine kräftige Muskulatur und ein gutes Körpergefühl sind die idealen Voraussetzungen zum Golfspielen. Sporttherapeut und Personal Trainer Sebastian Stark vom Institut Liliane Goschy-Fritz in Baden-Baden  (www.lgf-bb.de) hat ein spezielles Konzept für Golf spielende Kinder und Jugendliche entwickelt.  LADY GOLF hat mit dem Experten darüber gesprochen. (gr. Foto oben: OpenFairways)

LADY GOLF: Ab welchem Alter empfehlen Sie mit dem Golfspiel zu beginnen?
Sebastian Stark: Da gibt es keine Richtlinie. Jedoch können sich Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren am leichtesten Bewegungsabläufe merken und sie umsetzen. Somit kann man in dieser Altersspanne mit einem angepassten Kindertraining ein stabiles Fundament aufbauen. Wichtig ist, dass die Kinder freiwillig auf den Golfplatz kommen und spielerisch herangeführt werden. Eine körperliche Mindestanforderung gibt es nicht, da zu Beginn eine allgemeine körperliche „Ausbildung“ im Vordergrund steht.

Welche Risiken birgt einseitiges Golftraining?
Durch die Belastung im Golfsport kommt es zu einer einseitigen Entwicklung der Muskulatur und dadurch resultieren muskuläre Dysbalancen. Langfristig können sich Haltungsschwächen entwickeln, die zu Folgeschäden führen, wie z. B. Rückenprobleme, Verspannungen oder zu Problemen in den Gelenken. Leider haben viele Kinder auch im Alltag eine einseitige Belastung und benötigen einen sportlichen Ausgleich.

Spricht Ihr Trainingskonzept besonders geforderte Muskelpartien an oder handelt es sich um ein ganzheitliches Programm?
Am Anfang steht das ganzheitliche Programm, so dass alle Fitnessparameter (Kraft, Ausdauer, Beweglich- keit und Koordination) bedient werden. Dazu werden viele koordinative Spiele gemacht und weniger Übungen für die Kraft. Bemerkt man bei einem Kind jedoch muskuläre Dysbalancen, muss mit gezielten, altersgerechten Trainingsmethoden dagegen gewirkt werden. Das Training spezialisiert sich erst zu einem späteren Zeitpunkt, ab da muss sich dann gezielt um einzelne Muskelgruppen gekümmert und ein individueller Trainingsplan erstell werden. Als qualifizierter Trainer muss man immer die körperliche Entwicklungsstufe der Kinder und Jugendlichen im Blick haben, um das Training an das jeweilige Alter anpassen zu können. Der Trainierende steht im Mittelpunkt, ganz egal ob Kind oder Erwachsener. Erfolge können nur mit einem individuellen Training erzielt werden.

Benötigen Kinder ein anderes Training als Erwachsene oder eignen sich Ihre Übungen auch für die Eltern?
Kinder und Jugendliche brauchen ein komplett anderes Training als Erwachsene. Bei den Kindern sollte der Spaß unbedingt im Vordergrund stehen. Also muss man jede Übung in eine spielerische Art umwandeln. Dazu eignen sich Partner- oder Gruppenübungen gut. Auch Wettkampfspiele sind sehr beliebt. Ein weiterer Punkt ist, dass Kinder mit gleichaltrigen Kindern trainieren sollten, das ist ein motivierender Faktor! Erwachsene möchten oft punktgenau, kurz und effektiv trainieren ohne spielerische Formen. Dazu kommt, dass ein Erwachsener körperlich viel intensiver gefordert werden kann.

Wie oft sollten Kinder abseits des Golfplatzes trainieren? Wie viel Zeit sollten sie investieren?
Optimal wären ein bis zwei Einheiten neben dem Golfspiel. So ist es möglich, körperliche Probleme zu korrigieren und eine Verbesserung der Fitness zu erlangen. Das Engagement neben dem Golfplatz sollte mit dem Alltag des Kindes koordiniert werden, damit keine Stresssituationen entstehen. Lieber nur einmal, aber dafür effektiv. Ein gezieltes Ausgleichstraining kann in einer halben Stunde absolviert werden, so bleibt genug Zeit für andere Sachen.

Lassen sich die Übungen zu Hause ausführen oder werden spezielle Geräte benötigt?
Spezielle Geräte werden nicht benötigt. Ein Ziel ist es, die Übungen auch ohne größere Probleme zu Hause durchführen zu können. Hierfür genügt schon ein  Thera-Band, ein Airexkissen (Wackelkissen) und eine kleine Hantel (1 kg), alternativ hierfür auch eine Wasserflasche.

Welche weiteren Sportarten empfehlen Sie als Ausgleich zum Golfspiel?
Als Ausgleich zum Golf eignen sich vielerlei Sportarten. Hierbei erlernen die Kinder neue Bewegungsmuster, die ihnen im Golf zu Gute kommen. Ein gutes Beispiel ist das Tanzen. Hier wird viel Koordination, Körperspannung und -gefühl benötigt. Alles Fähigkeiten, die auch beim Golf gefordert sind. Ich persönlich  nde als Ausgleich für Kinder eine Mannschaftssportart passend, z. B. Handball oder Fußball. Hier lernen sie neben anderen körperlichen Reizen den Umgang im Team und erfahren wichtige Dinge wie Sozialkompetenz, Empathie und Taktik.

Unterscheidet Ihr Trainingskonzept zwischen Jungen und Mädchen?
In den ersten Jahren gibt es keinen Unterschied. Die Schwerpunkte liegen in der ganzheitlichen Ausbildung des Körpers. Erst im Teenageralter sollte man zwischen Mädchen und Jungen differenzieren, da sich alleine wegen der Interessen und der Kraftentwicklung eine Kluft auftut. So muss man mit den Jungs mehr Übungen für Kraft und Beweglichkeit trainieren. Bei den Mädchen liegt der Schwerpunkt auf einem Kraft- Ausdauertraining mit moderaten Gewichten. Für beide Geschlechter eignen sich jedoch Ganzkörperübungen mit dem eigenen Körpergewicht hervorragend.

Wirkt sich Ihr Trainingskonzept auch direkt auf die spielerische Leistung aus oder dient es zu allererst einmal der Gesundheit?
Zu allererst dient es der Gesundheit, da nicht aus jedem Kind ein Golfstar „gezüchtet“ werden soll. Wenn die muskulären Balancen stimmen und alle weiteren Bereiche gut trainiert sind, wirkt sich das von ganz alleine positiv auf das Golfspiel und den Alltag aus. Kinder und Jugendliche die körperlich fit sind, spielen auch besser Golf und tun sich in vielen Alltagsdingen leichter.