Golfspieler brauchen nicht nur Köpfchen, sondern auch das richtige Körpergefühl. Kommt das zu kurz, drohen Verletzungen. Klebestreifen und Übungen sollen davor schützen.

Was bitteschön soll ein Woomerang sein? Wozu braucht man ein Autobein? Und was hat es mit der Jubelnudel auf sich? Rätselraten auf dem grünen Rasen hinter dem Hotel Ritzenhof im österreichischen Saalfelden am Steinernen Meer. Dort, direkt mit Blick auf den beschaulichen Ritzensee und die massiven Berge im Hintergrund, hat Henrique Dias einen kleinen Parcours aufgebaut.

Der Sportphysiotherapeut ist eigentlich Chef des Spa-Bereichs im Haus. Doch nicht nur in den Behandlungsräumen des Hotels liegt dem 28-Jährigen das Wohl der Gäste am Herzen – auch für Sportler macht er sich stark, in diesem Fall für die Golfer. Denn für sie hat Dias, der selbst jahrelang hauptberuflich Fußballer, Eishockeyspieler und Tänzer betreut hat, ein spezielles Programm erstellt: Sensitens Golf. „Lernen durch Spüren, das ist die Grundidee“, beschreibt Dias. Die eigene Körperwahrnehmung soll durch gezielte Übungen bewusst gemacht werden. Und diese Übungen können später in den Alltag integriert und jederzeit wiederholt werden, selbst zu Hause. Eine kleine Gruppe Golfer steht an diesem Vormittag auf dem Rasen am Ritzensee. Henrique Dias hat sich Unterstützung von zwei Profis geholt, die sich auskennen. Jacques Groen und Kurt Wucherer sind diplomierte PGA-Golfl ehrer und geben ihr Wissen eigentlich im nahen Golfclub Urslautal weiter, beide schon fast seit einem Dutzend Jahren. „Golf und Gesundheit, das passt gut zusammen“, sagt Wucherer. „Aber es wird manchmal vernachlässigt“, fügt Groen hinzu.

Deswegen also Sensitens Golf – ausgedacht und erstellt vom Spa-Manager und den Golf-Lehrern. Wer einmaauf dem Platz stand und sich auf den nächsten Schlag konzentriert hat, kennt das vermutlich. Höchste Konzentration, die Gedanken kreisen nur um das eine Thema: Treffe ich den Ball, bringt der Schwung ihn bis zum richtigen Punkt?„Kopfgesteuerten Leistungsdruck“, nennt Dias das. Denn tatsächlich stellt Golf höchste Ansprüche an Körper und Geist. Die Bewegungsabläufe sind komplex, es geht um Unterschiede von wenigen Millimetern, die einen guten Schlag vom schlechten trennen. Das Programm soll die Spieler weiterbringen – hin zu einer „körperund sinnorientierten Bewegung“, wie Dias sagt.

Was heißt das in der Praxis? Kern der Idee ist das so genannte Taping. Tapes sind elastische Klebestreifen, die in verschiedenen Farben hergestellt werden. Eigentlich werden sie als Th erapiemethode gegen schmerzhafte Erkrankungen des Muskel-, Sehnen- oder Skelettapparates eingesetzt. In diesem Fall sollen sie die richtige Körperhaltung fördern und unterstützen. Schulter, Wirbelsäule und Becken sind beim Golfen besonders beansprucht und für die Technik wichtig. Beim Sensitens- Programm (ein Kunstwort aus Sensus, was Sinn oder Wahrnehmung bedeutet, und tendere, lateinisch für anspannen, dehnen) suchen Th erapeuten für jeden Spieler nach den für sie wichtigen Körperstellen, die besondere Aufmerksamkeit benötigen und dafür eben getapt werden. Auf vier Tage ist das Programm im Hotel Ritzenhof angelegt. Auftakt ist auf dem Platz – samt Videokamera auf der Driving-Range. Dort zeichnen die Golfl ehrer mehrere Probeschläge auf. Später werden die Bewegungen gemeinsam analysiert und Schwachstellen aufgezeigt. Dias kann daraus erkennen, an welchen Stellen die Tapes aufgebracht werden müssen.

Das Gefühl, am nächsten Tag erneut mit den Klebestreifen am Körper auf den Platz zu gehen, ist durchaus angenehm. Fast automatisch stellt sich Spannung in den Muskeln ein. Neigt ein Golfer zum Beispiel, je nach Lage der Tapes, zum Rundrücken, dann sorgen die Klebestreifen für leichten Gegendruck – und schon strafft sich der Körper wieder. Und dann kommen auch Woomerang, Jubelnudel und Autobein ins Spiel. Denn für das Programm wurden sieben Übungen für ein besseres Schwingen ausgearbeitet. Die Bewegungen dabei ähneln denen, die auch auf dem Golfplatz vorkommen. Der Woomerang setzt sich aus den Worten Wirbelsäule und Boomerang zusammen. Ein Holzstab wird hinter den Kopf gelegt, mit beiden Armen angefasst. Dann dreht sich der Körper hin und her. Wie beim rotierenden Boomerang wiederholt sich die Übung immer wieder, wobei die Wirbelsäule beansprucht wird. „Gut gemacht“, lobt Golf-Pro Jacques Groen nach ein paar Minuten. Die Jubelnudel als nächste Übung entpuppt sich als eine Art Schaumstoff rolle, die mit beiden Armen hochgehoben und wieder heruntergelassen wird – eben so, als ob man jubeln würde. Das Autobein schließlich steht stellvertretend für die Bewegungen aus dem Alltag, bei denen das Körpergewicht nur auf einem Bein lastet. Etwa dann, wenn man sich auf den Fahrersitz im Auto setzt. Auch am dritten Tag kommt die Kamera zum Einsatz. Henrique Dias und Spa-Th erapeutin Tatjana Rager haben ihren Übungsparcour diesmal direkt am Golfplatz aufgebaut. Zwei bis drei der insgesamt sieben Bewegungen sind für jeden der Golfer ausgewählt worden. Samt Tape am Körper werden sie absolviert, die Kamera hält alles fest. Ganz am Ende des Programms kann jeder Teilnehmer nach der ausführlichen Analyse die Aufnahmen auf einem Speicherstick mitnehmen. Als Andenken und gleichzeitig als Erinnerungshilfe, um sich zu Hause erneut danach zu bewegen. „Das sind Übungen, die so oder in ähnlicher Form ganz einfach in den Alltag integriert werden können“, sagt Henrique Dias.

Viel Zeit ist in das Sensitens Golf-Programm gesteckt worden. Im Herbst vergangenes Jahr wurden die ersten Elemente ausgearbeitet, im Frühjahr dann nochmals verfeinert. „Für Einsteiger und Profi s ist es gleichermaßen gedacht“, sagt Kurt Wucherer. Das Hotel Ritzenhof bietet das Rahmenprogramm dafür. Im Paket enthalten sind nicht nur die Übernachtungen, sondern auch eine Behandlung im Spa und der Shuttle zum nahen Golfplatz. Dorthin geht es auch am letzten Tag von Sensitens Golf zum freien Spiel auf der 18-Loch-Anlage. Das Tape bleibt am Körper. Nur die Kamera ist nicht mehr dabei, wenn vorm geistigen Auge beim Schlag die Erinnerungen an Woomerang, Autobein und Jubelnudel wieder auftauchen.

Ritzenhof Hotel und Spa am See
Ritzenseestr. 33
5760 Saalfelden am Steinernen Meer,
Österreich
Tel. +43 6582 73806
info@ritzenhof.at, www.ritzenhof.at