Deutscher Handelskongress: Branche braucht eine Start-up-Kultur

Für den stationären Handel ist die Digitalisierung eine historische Chance. Um sie für sich zu nutzen, muss er sein Selbstverständnis neu definieren und sich radikal auf den Kundennutzen fokussieren. Dieses Fazit zogen Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auf dem Deutschen Handelskongress 2016 im Maritim Hotel Berlin vor gut 1.400 Teilnehmern.

Die Leitveranstaltung für die Branche und ihre Partner stand in diesem Jahr unter dem Motto „Retail Transformation – gemeinsam Zukunft denken“. Folgerichtig ermunterten die mehr als 100 Referenten aus dem In- und Ausland die Händler, sich für eine Zusammenarbeit über die eigenen Marktgrenzen hinaus zu öffnen und noch stärker als bisher die Kundeninteressen in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zu stellen. Der stationäre Handel sei sich dessen bewusst, betonte Josef Sanktjohanser als Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE).

Von der Politik mahnte er zugleich mehr Flexibilität bei Ladenöffnungs- und Arbeitszeiten sowie einen Ausbau der Breitbandinfrastrukur vor allem im ländlichen Raum an. „Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass alle im einheitlichen Wettbewerb stehen“, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley auf dem Deutschen Handelskongress und zeigte sich grundsätzlich dialogbereit. Analog äußerte sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier: „Wir werden einen erfolgreichen Einzelhandel hierzulande nur haben, wenn wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass stetes, nachhaltiges Wachstum dauerhaft möglich ist.“

Die gute Nachricht für klassische Händler: Auch in der Shopping-Welt von Morgen heißt die Lösung nicht „online only“, sondern eher „online first“. Selbst die jüngeren Zielgruppen legen Wert darauf, stationäre Einkaufsangebote vorzufinden – als Orte der Begegnung und Quellen der Inspiration. „Der Handel muss aus der Position des Verkaufens hin zur partnerschaftlichen Begleitung auf Augenhöhe kommen“, empfahl Stephan Knäble, Managing Director GfK Consumer Panels Germany.

Der Erwartungsdruck ist hoch: Was gestern noch begeistert habe, sei morgen schon Standard – eine Entwicklung, die von Newcomern befördert werde, ergänzte Christoph Keese, Executive Vice President bei Axel Springer: „Der Druck kommt vor allem von branchenfremden Start-ups, und diese werden Sie aus einer Richtung angreifen, die Sie nicht erwarten!“

Der Deutsche Handelskongress fand am 16./17. November 2016 im Maritim Hotel Berlin statt. www.handelskongress.de

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