„Ein Ereignis auch für Nicht-Golfer“

Solheim Cup 2015Spannung vorm Solheim Cup: Die Golfwelt schaut nach St. Leon-Rot. Beim Geschäftsführer des Golfclubs, Eicko Schulz-Hanßen, laufen die Fäden für den Cup zusammen. Das Magazin LADY GOLF sprach mit ihm wenige Tage vor Start des Cups über Mega-Events, Idole und das liebe Geld.

LADY GOLF: Der Countdown zum Solheim Cup läuft. Wie gut ist Ihr Club vorbereitet?
Eicko Schulz-Hanßen: Sehr gut. Wir sind in den letzten Zügen – und das nach drei Jahren Vorarbeit, seitdem wir in St. Leon-Rot den Zuschlag bekommen haben. Den größten Teil der Zeit nahm die Planung in Anspruch. Seit Juni setzen wir diese Pläne auf dem Platz konkret um. Die Veranstaltungszelte und die Tribünen stehen seit Mitte August.

Wie viele Helfer sind an der Vorbereitung beteiligt?
Das Kernteam besteht aus einer Handvoll Leuten. Dazu kommt eine Vielzahl an Helfern, auch außerhalb des Clubs – zwei, drei Dutzend Leute auf jeden Fall. Wir haben ein Sicherheitskonzept erarbeitet und eines für die Verkehrswege. Wir mussten klären, wie der Strom auf die Anlage kommt. Die Ticketverkäufe wollen organisiert sein. Und wir haben 1000 freiwillige Helfer, die Volunteers, die uns unterstützen.

Apropos Tickets: Wie läuft der Vorverkauf?
Bis Mitte August hatten wir 40000 Tickets verkauft. Darauf sind wir richtig stolz. Bei einer Großveranstaltung ist es üblich, dass der Großteil an Karten in den Tagen davor verkauft wird – und ich denke, dass wir das Haus voll bekommen. Für die drei Cup-Tage und die Proberunden haben wir insgesamt 100000 Tickets, das sollte zu machen sein. Jugendliche unter 16 Jahren dürfen kostenlos rein.

Die besten Golferinnen aus den USA und Europa treffen sich in Ihrem Club. Gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen?
Mehrere Dutzend Securityleute sind jeden Tag im Einsatz. Wir stehen in engem Kontakt mit der Polizei und haben uns vorher auch mit der US-Botschaft in Verbindung gesetzt.

Und der Anreiseverkehr? Bei bis zu 30000 Gästen pro Tag kann es doch sicherlich eng werden …
Wir arbeiten mit dem Nahverkehr der Region zusammen. Mit einem Solheim-Cup-Ticket können die Linien im Verkehrsverbund Rhein-Neckar und im Karlsruher Verkehrsverbund an diesem Tag gratis genutzt werden. 1000 Meter vom Club entfernt hält die S-Bahn. Wer mit dem Auto kommt: Es wird knapp 10 000 Parkplätze auf Feldern rund um den Club geben. Falls das Wetter nicht mitspielt, es regnet und diese Plätze dann nicht genutzt werden können, haben wir vorsorglich einen Bus-Shuttleverkehr eingerichtet.

Mit welchem Budget rechnen Sie?
Insgesamt zwischen 10 und 15 Millionen Euro Wir haben starke Sponsoren dafür. Ein Golfclub kann so etwas nicht allein stemmen. Schon jetzt ist allerdings zu befürchten, dass am Ende ein siebenstelliges Defizit bleibt. Mit einem solchen Cup verdient man kein Geld. Wer verdient, sind die Rechteinhaber – die Ladies Professional Golf Association LPGA und die Ladies European Tour LET.

Bleibt das Minus am Ende am Club hängen?
Ohne Dietmar Hopp als Investor würde das nicht gehen. Der SAP-Mitbegründer gleicht das Defizit aus. Er hat immer versichert, dass er dazu bereit ist – denn er sieht die Veranstaltung als gute Investition in die Jugend. Er ist ein Macher, dem der Nachwuchs am Herzen liegt. Beim Cup sollen sie Idole in einem Spitzenwettkampf sehen – etwa Sandra Gal oder Caroline Masson. Es gibt mit dem Ping Junior Solheim Cup zudem einen Juniorenwettbewerb, der parallel auf unserer Anlage stattfindet. Leonie Harm vom Golf Club St. Leon-Rot wird für das europäische Team antreten. Wir sind sehr stolz darauf.

Was erhoffen Sie sich vom Cup?
Wir hoffen, die Zuschauer mit der Begeisterung für Golf anstecken zu können. Es ist ein Ereignis auch für Nicht-Golfer. ARD und SWR übertragen circa 20 Stunden live im Fernsehen. Der komplette Cup läuft im Internet als Livestream. Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz können kostenlos zuschauen, erstmals beim Solheim Cup also ganz ohne Pay-TV. Und unser Club bietet die beste Kulisse für solch einen Kontinentalvergleich.

War abzusehen, welcher Aufwand hinter dem Cup steckt?
Selbstverständlich nicht alles, vor allem nicht in der Intensität. Es ist ein Rund-um-die-Uhr-Job seit längerer Zeit. Doch auch wenn manchmal Sachen passieren, die nicht vorhersehbar waren, hat unser Team nie die Lust verloren. Was uns am meisten ärgern könnte, wäre schlechtes Wetter – aber da kann man nichts machen. Natürlich ist das Geld eine Herausforderung. Es war schwieriger als gedacht, noch mehr Sponsoren zu überzeugen.

Haben Sie selbst schon mal einen Solheim Cup erlebt?
Ja 2013. Wir waren als 35-köpfige Gruppe aus Deutschland in Colorado in den USA. Wir hatten ein Jahr vorher erfahren, dass wir den Zuschlag bekommen haben. Dort konnte man wirklich viel lernen. Zum Beispiel von der Euphorie der Amerikaner für den Golfsport, wie man sie bei uns nur vom Fußball her kennt.

Ihre Prognose: Wer gewinnt?
Bei den Junioren haben aus meiner Sicht die Amerikaner die Nase leicht vorn. Bei den Damen sehe ich dagegen die Europäer an der Spitze. Der Teamwettbewerb tut ihnen besonders gut, da können sie sich sehr gut motivieren. Warten wir es ab.

Und nach dem Cup? Kehrt dann wieder etwas Ruhe ein?
Auf dem Clubgelände geht der Abbau los. Wir würden auch künftig gern Profiturniere hier austragen, aber nicht jedes Jahr, schließlich wollen wir unsere Mitglieder nicht zu sehr belasten. Für mich ist danach Urlaub angesagt. Im Dezember schnappe ich mir meine Familie und fahre vier Wochen nach Australien. Golf spielen wir dort bestimmt auch einmal.

Zur Person

Eicko Schulz-HanßenEicko Schulz-Hanßen. Der 44-Jährige ist Geschäftsführer des Golf Clubs St. Leon-Rot und Vizepräsident des Deutschen Golf Verbands. Golf spielt er seit dem 16. Lebensjahr. Persönlicher Höhepunkt: Bei einem Ranglistenturnier gelang ihm ein Hole-in-One. Und auf seiner Heimatanlage St. Leon-Rot konnte er einmal eine 68 spielen. Schulz-Hanßen ist verheiratet und hat drei Töchter.

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